8 Eylül 2025 Pazartesi

Salina 🌸

Anekdoten-Werke 🎆

Salina rauf und runter stolzierte, hoch erhobenen Hauptes. Ihre Jugendlichkeit war aus ihrem Gesicht entwichen, unter ihrem Tigerhut, aus dem ihre blonden Haare hervorschauten. Ein weißes Fransen-Jäckchen drauf, fein gekleidet, wie sie annahm. Sie war eine eingebildete „Tussi“, das sah man ihr gleich an. Auf der Platte ging sie rauf und runter – die hatte auch mal besser ausgesehen.

Salina hatte 10 Milliarden irgendwo vergraben, aber wo, wusste sie nicht mehr. „Wo waren die Scheinchen abgeblieben?“ Es war schon über 30 Jahre her, dass sie es vergraben hatte, aber den Platz wusste sie nicht mehr. Beim Nikelberg oben hatte sie ein Karottenfeld angelegt. Waren die Scheinchen wahrscheinlich schon vermodert?

„Stinkreich!“ dachte sie, denn die Doller-Scheinchen müssten doch jetzt mehr wert sein. Immer wieder ging Salina es gedanklich durch: Schublade um Schublade, auch durch die hintersten Spinnwebenecken ihres Gehirns – aber nichts. NICHTS!

„Jetzt ist aber Schluss mit der Grübelei!“ Den Weg zum Berg muss man sich schon gönnen, zum Nikelberg hochgestiegen, die ganzen Treppen bis zur ersten Ebene, alles grün und voller Bäume.

„Das kann doch gar nicht sein. Wo könnte nur die Stelle sein?“

Abgelenkt erkannte sie den uralten Eichenbaum mit dem riesengroßen Astloch, fast so groß wie ein Mensch. Als Kinder hatten sie da oft gespielt. Neugierig, mit Schmetterlingen im Bauch, stand Salina im Astlochraum, dunkel war’s noch einen Schritt hinein. „Was? Da geht es noch weiter? Vielleicht dort war ihr Versteck?“ Weiter ins Dunkle hinein.

Eine Kerze herangeflogen kam, mit Lichteschein direkt in ihre Hand hinein. „Das muss ein Traum sein“, dachte Salina. Sie folgte den Windungen weiter. Ast- und Steingebilde waren schemenhaft zu erkennen. „Blh… i…“ Ein Spinnennest direkt ins Gesicht! So ein murmeliges Gefühl bekeilte sie. Lang und fast unendlich schien der tunnelartige Gang. Hier und da waren Ausbuchtungen zu erkennen. Akribisch suchte sie alles ab, nach den Scheinen der Begierde.

Ihre Gehirnzellen angestrengt, durchsuchte sie ihre Schubladen, sogar die kleinsten Winkel.

„Wo könnte sie damals den ganzen -Patzen- nur vergraben haben?“

Ein Lichtschein war zu erkennen, dem sie folgte. Am Ende stieg sie eine Stahltreppe hinauf, durch einen viereckigen Betonschacht. Salina hatte es geschafft. Sie stieg die Treppe hinunter. Von hier aus konnte sie die Nische sehen, die durch den Bau der Treppe versperrt war. Dort stand ein Einkaufswagen, Decken… Da war ihr Schatz – ihr Spiegel.

Der Dollarspiegel!

Der sah aus wie ein riesiger Dollerschein, den sie vor 30 Jahren dort hinhängte. Sie sieht sich im Spiegelbild, rückt ihren Hut zurecht und erkennt: „Ich bin es, die ich die ganzen Jahre gesucht habe!“

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Salina hatte es sofort erkannt. Es war ihr Schlafplatz bei der U-Bahn.

„Daheim ist daheim, da ist es doch am schönsten“, dachte sich Salina und legte ein Tänzchen hin, dass es in der Blechdose Klimpern – Klingel soll, bis es voll wird.



Der Wunsch

Anekdoten-Werke 🎆  

Satire

Wie immer fuhr ich mit dem Auto mehr als fünf KM zur Arbeit. In der Frühschicht aß ich in der Kantine meinen Leberkäse – semmellos. Da wird wohl der Hund darin begraben gewesen sein. Mit der Zeit bekam ich ein kleines Bäuchlein. Manche Kollegen unterstellten mir sogar, ich sei schwanger. Zu der Zeit war ich herrenlos. Um die 24, weiß ich nicht mehr genau. Konnte ich es noch gut abwehren? Aber in den Köpfen der Leute ist ja alles möglich. Wie hinten auf dem Rücksitz im Auto – na, das überlassen wir mal lieber der Fantasie.

Ebenfalls stellte ich fest, dass ich einen kleinen Ranzen bekommen hatte. Das gefiel mir überhaupt nicht. Deshalb wollte ich jetzt abnehmen.

Vor dem Einschlafen im Bett sagte ich mir innerlich: Ich, Lydia, habe abgenommen. Auch schrieb ich mir kleine Zettelchen, und jeden Tag schrieb ich in ein kleines Heftchen den gleichen Satz: Ich, Lydia, habe abgenommen. Das machte ich bestimmt so 2–3 Monate. Dann hatte ich keine Lust, keinen Bock mehr.

In dieser Woche hatte ich Spätschicht, um 12 Uhr Dienstanfang. Wie immer fuhr ich mit dem Auto. Ungefähr 200–300 Meter von meiner Wohnung entfernt blieb mein Auto einfach stehen. Auf der rechten Bürgersteigseite kamen zwei junge Männer und eine kleine, etwas ältere Frau rüber, um mich anzuschieben. Es ging einen kleinen Hügel runter. Ich ließ das Auto runterrollen. Auf der linken Seite gab es eine Autowerkstatt, die man nicht unbedingt freiwillig betreten möchte. Sie sah etwas abgefragt und schmuddelig aus. Aber Notfall.

Ich rollte direkt auf den Hof der Autowerkstatt. Der Chef und der Automechaniker sahen mich unbeteiligt an. Ich war in Eile. Laut erklärte ich, dass mein Auto kaputt sei. Der Chef nickte nur. Ich redete laut vor mich hin, wie ich jetzt zur Arbeit kommen sollte. In Gedanken ging ich die Möglichkeiten durch: Bahnhof – Bus fahren.

Daraufhin bot mir der Automechaniker sein Fahrrad an. Mehr wackelig als tackelig, klapperte es beim Fahren. An einigen Stellen war es auch verrostet.

Wir machten aus, dass ich das Fahrrad nach der Arbeit hier wieder abstellte.

Am nächsten Tag holte ich mein Fahrrad aus dem Keller – noch recht neu, wenig benutzt. Eine Woche lang, gut, dass ich Spätschicht hatte, warf ich gelegentlich Blicke rüber zur Werkstatt, konnte aber niemanden erkennen. Also rief ich per Telefon an. Ich sagte meinen Namen, aber keine Reaktion. Dann erinnerte ich:

„Ich bin die Frau mit dem violettfarbenen Nissan.“

„Ah, genau, der Chef ist nicht da.“

Daraufhin tauchte ich am nächsten Tag selbst in der Werkstatt auf. Im Büro saß der Chef, hinter dem Schreibtisch, den Blick auf ein Stück Papier fixiert. Ich fragte nach meinem Auto, aber es kam keine wirkliche Reaktion. Dann klingelte auch noch das Telefon. Er hob blitzschnell ab, schrie und brüllte los – also redete extra laut.

Ich ging unverrichteter Dinge wieder.

Diese Woche wird auch irgendwie vorbeigehen – außerdem hatte ich nächste Woche eh Urlaub.

Gleich am Montag fuhr ich dann zu meinem Lieblingsitaliener, Cappuccino trinken. Am Mittwoch oder Donnerstag, so ungefähr, war ich in der Nähe des Hügels. Ich flitzte mit voller Kraft mit meinem Fahrrad – unerwartet sprang die Kette heraus, und vorne die Bremsbacken drückten sich heraus. Wie jetzt das? Na gut, Fahrrad zurückgeschoben, musste ich zu Fuß in die Stadt.

Am Samstag marschierte ich zur Werkstatt vor. Endlich war das Auto fertig.

Wie viel? Mich haute es fast vom Hocker.

„Das muss ich abstottern. Am besten auf dreimal.“

Der Automechaniker nickte.

Aber ich muss eine Anzahlung machen, damit ich das Auto bekomme.

Also bis zur Bank. Geld abgeholt. Hin und zurück – das waren dann bestimmt so drei Kilometer. Endlich hatte ich mein Auto wieder!

Endlich meinen Popo wieder im Auto.

Also, ich muss sagen: Ich kann mich nicht wirklich erinnern, dass ich so viel abgenommen habe, dass es mir aufgefallen wäre. Ich kann nur so viel dazu sagen: Mit den Wünschen – das ist so eine Sache für sich.


Notkantine 🥪 Gastro-Satire (1

Anekdoten-Werke 🎆

Bevor wir in die neue, moderne Kantine umzogen, wurde vorübergehend eine Notkantine eingerichtet. Unsere kleine, eingespielte Truppe bestand aus fünf Personen:

Meine brasilianische, tänzerische Kollegin, Mitte 30.

Ich, damals 24. Die Bayerin – ein gutmütiger Trottel. Oder besser: der Trottel vom Dienst.

Eine Rumänin, Mitte 40, die ständig wegeilte und dabei immer wieder ihre Schlüssel in der U-Bahn oder im Zug verlor.

Und die 18-jährige Österreicherin – flippig, nahm es nicht immer so genau, war aber flott bei der Arbeit.

Ein afrikanischer Student, um die 30, der nun als neuer Kollege dazukam.

Er weigerte sich strikt, meine Anweisungen auszuführen. Er meinte: „Ich bin ein Mann und lasse mir nichts von einer Frau sagen!“

Da ich merkte, dass er mit meiner brasilianischen Kollegin besser zurechtkam, gab ich ihr die Anweisungen weiter. Doch das passte ihm auch nicht! Er rastete aus, schimpfte irgendwas von Deutschen, die keine Afrikaner mögen, warf mit Rassismusvorwürfen um sich …

Dann wollte er einfach an der Theke entlang abhauen.

Ich – innerlich: Was, was, was?!

Laut rief ich: „Du bist ein Mensch! Mir egal, ob du Ausländer bist – kannst von mir aus grün sein!“

Er drehte sich abrupt auf dem Absatz um, ging wortlos zurück hinter die Theke und machte weiter.

Später nahm ich meine brasilianische Kollegin beiseite und bat sie, ihm alles zu zeigen. Obwohl er von mir keine Anweisungen annahm, war das sowieso nicht mehr nötig – er war äußerst intelligent und hatte alles innerhalb weniger Tage gelernt. Nach einer Kassenschulung bediente er die Kasse einwandfrei.

Am Ende kamen nur wir drei – er, die Brasilianerin und ich – mit in die neue Kantine. Die Rumänin hatte sich weggeheiratet, und die Österreicherin bekam ein Baby.


Diese Anekdote spielte sich 1995 ab.


Gastronomische Anekdoten 🥪 Gastro-Satire (2

Anekdoten-Werke 🎆

Es gibt Dinge, die muss man gesehen haben, um sie zu glauben. Wunderliches, Merkwürdiges, Seltsames – und manchmal fragt man sich: Passiert so etwas wirklich? Ich kann nur sagen: Tatsächlich.

Ich habe zwölf Jahre lang an der Kasse in der Personalkantine eines Flughafens gearbeitet. In dieser Zeit habe ich viele skurrile Szenen erlebt – hier ein paar Kostproben.

Da wurde extra ein Schaukasten mit Bildern der Gerichte aufgestellt, damit alles schneller vonstattengehen sollte. Doch das half nicht viel. Besonders Männer unterhielten sich auf dem Weg zur Essensausgabe oft angeregt über ihre Wahl – bis sie an der Theke standen. Dann begann das große Überlegen: „Kann ich statt Erbsen Blaukraut haben?“ Währenddessen klopfte die ungeduldige Kollegin mit der Schöpfkelle aufs Blech. Sagen durften wir natürlich nichts – schließlich waren sie die Mitglieder der „Königshafen-Gesellschaft“.

Die Frauen hingegen sah man eher selten in der Kantine. Die Damen des Flughafens bevorzugten den Italiener – man musste schließlich auf die Figur achten! „Beim Italiener?“

Oder der Klassiker: Der „Schlender-Mitarbeiter“ nimmt sein warmes Essen, stellt es an der Salatbar ab, wählt in aller Seelenruhe seinen Salat – und beschwert sich später, dass das Essen kalt sei. Na klar! Der Chef ließ daraufhin eine Mikrowelle aufstellen, die aber nie benutzt wurde – außer von mir, zum Staubwischen in der Spätschicht.

Dann gab es den Trickser-Mitarbeiter, den ich längst durchschaut hatte. Er nahm sein Essen, aß die Hälfte und kam dann zurück: „Hat nicht geschmeckt.“ Innerlich fragte ich mich: Warum hat er dann überhaupt so viel davon gegessen? Aber der Chef wollte keinen Ärger mit der „Königshafen-Gesellschaft“ und ließ ihn ein neues Gericht auswählen – samt gratis Nachtisch. Den hätte er eigentlich bezahlen müssen, weil nur das Personalessen zur Hälfte übernommen wurde. Merkwürdigerweise entschied er sich oft wieder für das gleiche Gericht …

Manche Situationen waren einfach absurd. Einmal fanden wir einen Büstenhalter auf einer Bank – wie der dahin kam? Ein Serviertablett auf dem Getränkekühlschrank, Gläser unter dem Tisch. Dann gab es die Salz-Kaffee-Fraktion, die Salz statt Zucker in ihren Kaffee kippte. Selbstverständlich bekamen sie einen neuen – auf Kosten des Hauses. Doch dann beschwerte sich die Sitznachbarin: „Jetzt ist meiner kalt geworden!“ Die andere kommentierte trocken: „Kalter Kaffee macht schön.“

Genau in meiner Spätschicht – denn ich war ja kinderlos und konnte daher ruhig einspringen, wenn jemand krank war oder Doppelschichten im Notfall gebraucht wurden – passierte es: Es gab Fisch. Eine Frau bestellte spätabends Fisch mit Kartoffelpüree. Ich erklärte ihr, dass der Fisch seit 17 Uhr aus sei. Das passte ihr gar nicht. Die hochmütige Dame, eingebildet, schnippisch, fragte: „Wissen Sie nicht, wer ich bin?“ Das Ganze endete in einem Wortgefecht – bis sie schließlich empört den Raum verließ.

Monate später stand sie wieder vor meiner Kollegin, die mit ihr nicht klarkam, und winkte mich herbei. Ebenfalls stand ich jetzt hinter der Essensausgabe, und es gab wieder Probleme wegen des Essens. Wieder spät, wieder gab es Fisch. Dieses Mal beschwerte sie sich, dass der Fisch zu trocken sei und die Pellkartoffeln voller Fett. Diesmal blieb ich ruhig, zählte auf, was es noch gab. Doch sie winkte genervt ab und erklärte, sie komme immer spät raus und wolle daher etwas Leichtes. Ich deutete auf das Salatbuffet und merkte an, dass es ein leichtes Abendessen wäre. Das war dann wohl zu viel – sie rauschte ab, ihre Absätze klackerten wütend auf dem Boden. Und ich sah sie nie wieder.


Meine Beobachtung zu diesen Erlebnissen ist …

Die Gastronomie ist ein Theaterstück ohne Drehbuch. Man weiß nie, was als Nächstes passiert. Aber eines ist sicher: Die besten Geschichten schreibt das wahre Leben – und die Menschen sorgen immer für den nächsten Akt.


Die Ein-Mann-Show 🥪 Gastro-Satire (3

Anekdoten-Werke 🎆

Bei meiner Arbeit in der Personalkantine gab es eine einmalige Begebenheit, die ich erlebte: Ich war zuständig, weil ich am längsten dabei war, die neuen Kollegen einzuarbeiten. Viele Personalwechsel waren im Gastgewerbe nichts Neues. Manche hatten die Vorstellung, dass man im Flughafenbereich mehr Geld bekommt – aber nur scheinbar. Denn die meisten blieben nur ein paar Monate oder sogar nur Tage und merkten schnell, dass samstags und sonntags gearbeitet werden muss. Und natürlich an Feiertagen auch. Das war so, als würde man ihnen sagen, dass sie im Fegefeuer arbeiten sollten.

Dann dachten sie, mit Spätschicht und Frühschicht würde es sich lohnen. Aber auf dem Lohnzettel stand dann eben nicht das, was sie erwartet hatten. Nach allen Abzügen blieb nicht viel übrig.

An diesem Tag kam ein neuer Kollege, ein „Frischling“, der zum ersten Mal am Flughafen arbeitete. Ich sollte ihn einlernen. Gut, ich erklärte ihm, wo er die Teller aufstellen muss. Er nahm einen trockenen Lappen und begann, die Tische abzuwischen. Meine brasilianische Kollegin und ich kontrollierten, ob alles seinen richtigen Platz hatte und der Wärmewagen bereitstand.

Auf einmal stand der Mann neben mir und schaute wichtig mit. Unsere Mitarbeiterin von der Wäschekammer kam mit ihrer Helferin – oder soll ich besser sagen, mit ihrer liebenswerten „zweiten Hälfte“? Sie war nämlich mindestens drei Köpfe kleiner als die große, kräftige Frau. Die Wäschefrau fing an zu jammern, dass sie heute extrem viel Arbeit hätte. Daraufhin bot der Neue sich an, ihr zu helfen.

Die Wäschefrau schaute mich flehend an, schließlich war ich die Verantwortliche. Ich fragte, wie lange er ihr helfen müsste. „Zwei, drei Stunden bestimmt“, antwortete sie. Ich überlegte kurz. Da er sowieso keine Lust hatte, dachte ich mir: Warum nicht? Also ließ ich ihn gehen.

Es war Hochbetrieb während der Mittagsausgabe, und Stunden vergingen. Endlich hatte die Wäschefrau Zeit, etwas zu essen. „Wo ist der Herr?“ fragte ich.

Antwortete sie mir „Brumms“ ins Gesicht: „Der kommt nicht mehr. Der läuft in den ganzen Gängen rum!“

Ich hatte mir schon gedacht, dass der nicht mehr auftaucht. Am nächsten Tag – natürlich kein Herr mehr. Es fragte niemand mehr nach ihm. Es war das erste Mal, dass jemand so kurz da war.


Ausgeliehen 🥪 Gastro-Satire (4

Anekdoten-Werke 🎆

Das heißt natürlich in Fachkreisen „Springer“.

Am Flughafen, im neuen Terminal, hatte sich ein Großgastronom eingekauft. Ich „durfte“ dort arbeiten – also ausgeliehen. Das Ganze dauerte zwei Jahre lang.

Drei nigelnagelneue Gastronomiebereiche wurden geschaffen. In der Mitte war die Selbstbedienung, die für alle zugänglich war – nur mit einem Haken: im Nirgendwo, im zweiten Stock!

Der pedantische, unfreundliche, kleine, dicke Chef vom ganzen Betrieb war höchst unzufrieden und ließ es lautstark brüllend an allen aus. Bei mir kam er vorbei, griff mir in die Haare und befahl: „Du sollst deine Haare färben und dich schminken!“

Hallo?!

Gott sei Dank kam der nicht oft vorbei.

Seine hochgehobene Gastro-Restaurant-Chefin… Oh je! So eine dürre Frau, nichts dran. In der Frühschicht krauste es uns schon, man konnte es schon hören: Sie schrie! Sie fand immer einen Anlass, sich auszulassen.

Anfangs war viel Personal da, darunter eine Möchtegern-Gastro-Tussi. Ich merkte sofort: Das war gespielt. Die hatte keine Ahnung!

Wir hatten dort eine Doppelkasse, sie saß neben mir – überfreundlich, mit einem unnatürlichen Grinsen und überschwänglicher Freundlichkeit. Alle waren begeistert von ihr… bis es passierte.

Eines Tages, als wenig los war, meinte die „Kollegin Wichtig“, sie müsse unbedingt Besteck polieren! Sie meldete sich bei mir ab. Okay.

Ich musste auf die Toilette. Also ging ich zu der Kammer, in der „Kollegin Wichtig“ das Besteck polierte, und sagte ihr Bescheid, dass die Kasse kurz unbesetzt sei und sie darauf achten müsse. Sie nickte.

Als ich zurückkam – ausgerechnet in dem Moment – war der Oberchef da! Er fuhr mich an, putzte mich runter, was mir einfiele, einfach die Kasse zu verlassen.

Das ließ ich mir nicht auf mir sitzen! Ich zitierte die „Möchtegern-Kollegin“ heraus. Natürlich behauptete sie, ich hätte nichts gesagt. Unsere erste Chefin kam dazu und versuchte, mit Wortgefechten zu schlichten.

Ich sah, dass das nichts brachte, drehte mich einfach um, ließ sie da rumstreiten und ging zurück an die Kasse.

Diese Möchtegern-Tussi blieb nicht lange… Hhhha!

Samstags und sonntags war die Hölle los. Immer gab es ein Kaffee-Maschinen-Chaos: falsche Knöpfe gedrückt, Milch alle oder – der Oberhammer – die Maschine fiel ganz aus! Dann mussten die Gäste rüber zum vietnamesischen Gastro-Stand laufen, sich dort umständlich ihren Kaffee holen und ihn dann zurück zur Kasse rüberschaukeln.

Der Oberchef gab keine Ruhe. Dann kam die erste Chefin mit ihrem Schminkkoffer (!) und zitierte mich ins winzige „Büro“. Sie und die zweite Chefin bearbeiteten mich – ich solle mich schminken lassen!

Ich verweigerte mich vehement. Die ganzen Jahre war ich nie geschminkt, höchstens ein Lidstrich. Außerdem reagierte ich allergisch auf das Zeug – sicher würde ich mir das nicht ins Gesicht schmieren!

Am Schluss wurde mir das alles zu blöd. Das waren sowieso nicht meine eigentlichen Chefs. Also sagte ich trocken: „Was wollen Sie dagegen tun, wenn ich es nicht mache?“

Sie sahen sich fassungslos an. Machtlos. Und ich hatte meine Ruhe.

Endlich war die Ausleiherei vorbei. Zurück in meiner Kantine… Doch ein paar Jahre später wurde ich längerfristig krank.

Dann kam so eine „liebe nette“ Kündigung vom Personalservice.

Oh, danke schön für all die Jahre, die ich dort geopfert habe – gearbeitet, gelacht, mich geärgert…

Aufgebracht packte ich meine zwei Leihschürzen in einen Karton und brachte sie höchstpersönlich zur Kantine zurück. Ohne viele Worte legte ich sie eher unsanft irgendwo ab. Ich sagte meine Meinung – was genau, weiß ich nicht mehr. Aber es saß.

Der Chef, die restliche Belegschaft – alle sahen mich nur an…


Ich kam nie wieder zurück. Stattdessen ging ich meinen eigenen Weg.


Unser letzter Zeltausflug

Anekdoten-Werke 🎆

Wenn ich an Ausflüge denke, kommt mir sofort unsere Zeltaktion in den Sinn. Mein Papa war früher als Jugendlicher bei den Pfadfindern – vielleicht kam daher seine Leidenschaft zum Zelten. Vier Jahre lang sind wir in den Sommerferien mit dem Fahrrad losgefahren, Gepäck und Verpflegung auf den Gepäckträgern und in Satteltaschen.

Ich erinnere mich noch gut an unseren allerersten Ausflug: Mein Papa hatte ein Zelt aus alten Bundeswehrdecken und Holzstöcken gebaut. Es war abenteuerlich – aber leider nicht ganz wasserdicht. In der ersten Nacht hat es geregnet, und am nächsten Morgen war wirklich alles klatschnass. Die Decken, unsere Kleidung, sogar das Brot – einfach alles war durchnässt.

In dieser Zeit hat mein Papa einige Zelte ausprobiert, unter anderem eines aus einem Outdoor-Katalog. Es war eigentlich für vier Personen gedacht – aber wir waren zu sechst. Typisch Papa: „Ihr seid doch noch klein, ihr braucht nicht so viel Platz!“

Dieser letzte Ausflug ist uns Kindern bis heute in Erinnerung geblieben. Es war ein sonniger Tag, alles war aufgepackt, und los ging’s von Wartenberg nach Oberhummel. Und wie immer: Papa und seine Abkürzungen... Nur, wo im Jahr davor noch eine Wiese war, stand diesmal ein Maisfeld. Dahinter begann der Wald. Also schoben wir unsere Fahrräder durch das Feld – die gelben Maisblüten fielen uns direkt in den Hals – dann weiter in den Wald.

Nach einer Weile kam ein kleiner Wehrgraben. Mein Papa musste jedes Fahrrad einzeln darüber wuchten, während wir Kinder auf einem schmalen Betonsteg balancierten. Es dauerte, bis endlich ein „geeigneter“ Zeltplatz gefunden war. In der Nähe stand ein Baum, und Papa baute sein selbstgenähtes Zelt auf. Den robusten Stoff hatte er von seinem Arbeitgeber geschenkt bekommen – er arbeitete als Maurer – und daraus hatte er abends in Handarbeit ein Zelt gemacht.

Es war nicht sehr hoch, aber länglich – so dass wir alle sechs hineingepasst haben. Später suchten wir gemeinsam mit Papa eine Quelle, unterwegs erklärte er uns Pilze und Bäume. An der Quelle füllten wir unseren Topf auf.

Abends im Zelt war es kühl, und irgendwann sind wir eingeschlafen. Doch wie konnte es anders sein – es begann zu regnen, es war ein regelrechter Sturmregen! Wir bekamen Angst, hielten uns gegenseitig im Liegen fest. Der Baum neben uns machte schreckliche Knarzgeräusche, irgendetwas streifte sogar unser Zelt. Papa rannte hinaus – er vermutete später, dass es vielleicht ein Reh war.

Jedenfalls: An Schlaf war nicht mehr zu denken. Alles war wieder nass. Das selbstgemachte Zelt war so durchnässt, dass Papa es einzeln auf seinen Gepäckträger packte. Und wie konnte es anders sein – für den Rückweg hatte Papa wieder eine „Abkürzung“ parat.

Am Waldrand angekommen: ein riesiges, frisch umgeackertes Feld. Wir mussten mit unseren Rädern durch den Matsch – und das war alles andere als einfach. Irgendwo in der Ferne sah uns ein Bauer, warf die Arme hoch und beschimpfte uns, weil wir durch sein Feld mussten.

Als wir es endlich geschafft hatten, waren unsere Fahrradspeichen voller Erdbatzen, unsere Hosen voller Spritzer. Und genau in dem Moment läuteten die Kirchenglocken – Sonntagvormittag, die Leute kamen gerade fein angezogen aus der Kirche. Meiner Mama war das unglaublich peinlich. Sie wollte am liebsten gar nicht weiterfahren. Aber es gab keinen anderen Weg in dem kleinen Dörfchen. So mussten wir – mit verdreckten Kleidern und Fahrrädern – an den Menschen vorbei, die uns mit entsprechenden Blicken bedachten.


Zu Hause war das Auspacken mühsamer als die Fahrt selbst – und das war dann auch unser letzter Zeltausflug dieser Art.


Aber: Es ist eine Geschichte, an die wir uns alle gern erinnern.


Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

Märchenwelt – alt, neu erzählt 🌟 Es war einmal ein armer junger Bäckerbursche. Er ließ aus Gewohnheit immer drei Haferkörner draußen auf de...