Märchenwelt - Detektiv- Abendteuer 🕵️♂️
Im Silbermetallberg gab es Gegenden, die man besser mied, wenn man seine Ruhe haben wollte.
Zwischen alten Blechtonnen, verbogenen Rohren und ausrangierten Maschinen
lag das Reich von Detektiv Kater Maunzi.
Seine Behausung bestand aus mehreren schicken, ausrangierten Dosen, die er
sich mit viel Geschick zu einem kleinen Domizil eingerichtet hatte.
Von außen war sie gut zwischen Metall, Plastik und einem Reifendach
versteckt. Doch wer sich näher heranwagte, entdeckte eine Tür mit
einem winzigen Messingschild.
Detektiv Maunzi – Ermittlungen aller Art.
Maunzi war kein gewöhnlicher Kater. Sein Fell trug unverkennbare
Tigermuster, und an seinem Hals zeichnete sich eine markante graue Zeichnung
ab. Seine Augen waren scharf, seine Ohren stets auf Empfang und seine
Schnurrhaare zuckten, sobald sich irgendwo etwas Verdächtiges ereignete.
Doch seine gefährlichste Waffe war sein Degen-Säbel, eine ungewöhnlich
lange, gebogene Kralle, mit der er seine Gegner gehörig in die Flucht schlagen
konnte.
Maunzi war der gefürchtete Detektiv am Silbermetallberg. Jedenfalls
behauptete er das selbst. Und niemand wagte es, ihm zu widersprechen.
Seine Helfer waren Mäuse. Kleine, flinke Kerle, die überall hineinschlüpfen
konnten, wo ein ausgewachsener Kater nicht einmal mit dem Kopf durchpasste. Sie
beschafften Informationen, belauschten verdächtige Gespräche und meldeten ihrem
Chef, was sich in den dunklen Ecken des Silbermetallbergs abspielte.
Sein wichtigster Vertrauter aber war Frosch Ferdi.
Ferdi war Maunzis Mittelsmann. Er kannte die Wege durch die Sümpfe, die
geheimen Durchgänge zwischen den Metallbergen und die Hinterhöfe, in denen sich
die zwielichtigen Gestalten trafen.
Und er hatte einen entscheidenden Vorteil: Frösche sahen für Außenstehende
beinahe alle gleich aus. Niemand konnte Ferdi zuverlässig beschreiben, und
niemand wusste jemals genau, wo er als Nächstes auftauchen würde.
Für einen Froschmann, der mit zwielichtigen Gestalten verkehrte, war das
eine ausgezeichnete Voraussetzung.
Die Unterwelt schläft nie
Am Silbermetallberg hielten
sich allerdings nicht nur Kater Maunzi und seine Mäuse auf.
In den schmutzigsten Gassen trieben Ratten ihr Unwesen. Sie stahlen, raubten
und handelten mit Dingen, deren Herkunft besser niemand hinterfragte.
An ihrer Spitze stand Mafia Ratte Ripp, ein gewiefter Ganove, der selten
selbst seine Pfoten schmutzig machte. Er hatte seine Leute, seine Verbindungen
und seine ganz eigenen Vorstellungen davon, wem der Silbermetallberg gehörte.
Doch selbst Ripp hielt Abstand zu einem anderen gefährlichen Gegner: Big
Säbelzahn Biber Babel.
Babel war kräftig, breit gebaut und besaß einen mächtigen Säbelzahn, mit dem
er schon so manchen Gegner eingeschüchtert hatte. Seine Bibermänner waren als
gefürchtete Schläger und Raufbolde bekannt. Sie trieben sich vor allem in
Grotty herum, dem schlechtesten Viertel des Silbermetallbergs.
Dort fragte man besser nicht nach Namen. Und schon gar nicht danach, was in
den dunklen Gräben vor sich ging.
Doch damit nicht genug.
Seit einiger Zeit machte eine Bande von Sockenmonstern die Gegend unsicher.
Sie bestand aus einzelnen Socken, die offenbar beschlossen hatten, ihr Dasein
nicht länger allein in ihren Wäschekorb-Heimen zu fristen.
Sie nannten sich die Sockenmonster-Gang.
Wo sie auftauchten, herrschte Chaos. Sie stifteten Unruhe,
verschwanden durch winzige Spalten und hinterließen überall Ärger. Niemand
wusste, wer ihr Anführer war oder was sie eigentlich im Schilde führten.
Detektiv Maunzi hatte sie längst auf seiner Liste.
Allerdings fehlte ihm bisher ein handfester Beweis für ihre Machenschaften.
Das sollte sich schon bald ändern.
Denn an diesem Morgen klopfte es mehrmals an seiner Blechtür.
Draußen stand eine kleine Maus, völlig außer Atem.
„Chef!“, piepste sie. „Detektiv Maunzi! Wir haben ein Problem!“
Maunzi hob langsam den Kopf von seiner Zeitung.
„Wenn du mir jetzt erzählst, dass wieder jemand Käse gestohlen hat, kannst
du gleich wieder gehen.“
„Nein, Chef! Viel schlimmer!“
Maunzis Ohren richteten sich auf.
Die Maus schluckte.
„Am Silbermetallberg ist etwas Wertvolles verschwunden. Und Ripp behauptet,
Babel sei dafür verantwortlich.“
Maunzi legte die Zeitung beiseite.
Jetzt wurde die Sache interessant.
Er ließ seinen Degen-Säbel kurz aufblitzen, setzte seinen
Detektivhut auf und grinste.
„Na schön, meine Herren. Dann wollen wir doch einmal sehen, wer hier wem
etwas in die Schuhe schieben will.“
Er öffnete die Tür.
Und irgendwo zwischen den Metallbergen lachten einige Sockenmonster
heimlich.
Sie hatten nämlich etwas angestellt, das selbst für ihre Verhältnisse
ziemlich dreist war.
***
Mitten auf dem Silbermetallberg stand die uralte Seelenpumpe. Sie war kein
gewöhnlicher Gegenstand, sondern das Heiligtum der Ratten und Biber. Die
Seelenpumpe war ihr Tempel und stand frei unter dem Himmel, umgeben von
Metallteilen.
Obwohl Mafia Ratte Ripp und Big Säbelzahn Biber Babel erbitterte Feinde
waren, herrschte an diesem Ort Frieden. Hier legten sie ihre Streitigkeiten
nieder und verabschiedeten gemeinsam ihre Verstorbenen. Niemand hätte es
gewagt, die Seelenpumpe anzutasten.
Niemand – außer den Sockenmonstern.
Die hatten in der Nacht die alte Pumpe nämlich kurzerhand fortgeschleppt und
in einer verrosteten Wäschetrommel versteckt. Dort lag sie nun zwischen rostigen,
öligen Kleidungsresten und einem Haufen alter Stofffetzen.
„Hihi!“, kicherte eine Socke mit einem Loch an der Ferse und zog
sich vor Erwartung lang. „Und? Und haben die schon bemerkt, dass das
Ding weg ist?“
„Bestimmt!“, antwortete eine andere Socke, der ein Stück vom Bündchen
fehlte. „Und wenn sie suchen, finden sie uns bestimmt nicht. Wir sind
schließlich die Sockenmonster-Gang!“
Die Bande kugelte sich vor Lachen. Dass sie damit einen gewaltigen Ärger
heraufbeschwören würde, ahnte sie nicht.
Helle Aufregung
Am nächsten Morgen herrschte auf dem Silbermetallberg helle Aufregung.
Mafia Ratte Ripp stand vor dem leeren Platz des Heiligtums und starrte
ungläubig auf die Stelle, an der die Seelenpumpe gestanden hatte.
„Das ist eine Katastrophe!“, schimpfte er. „Wer wagt es, unser Heiligtum zu
stehlen?“
Wenig später stapfte Big Säbelzahn Biber Babel heran. Seine mächtigen
Vorderzähne glänzten, und seine Männer verteilten sich misstrauisch zwischen
den Metallbergen.
„Ripp, ich hoffe für dich, dass deine Ratten nichts damit zu tun haben!“,
knurrte er.
„Meine Ratten?“, fauchte Ripp. „Vielleicht haben deine Biber beschlossen,
den Tempelplatz zu entweihen und die Seelenpumpe mitzunehmen!“
Schon drohte der Streit zu eskalieren. Jeder wollte auf den anderen
losgehen.
Doch diesmal musste Detektiv Maunzi ran. Und wenn jemand eine Spur zwischen
Metallbergen, rostigen Trommeln und zwielichtigen Gestalten finden konnte, dann
war er es.
Er strich sich mit einer Pfote über die graue Zeichnung am Hals und
betrachtete den leeren Platz.
„Eine uralte Seelenpumpe verschwindet nicht einfach so“, murmelte er.
„Irgendjemand muss sie fortgeschafft haben.“
Mit seinen sanften Pfoten umrundete er den Platz. Seine scharfen Augen
suchten den Boden ab, während er mit seiner Degen-Säbel-Kralle vorsichtig im
Sand nach Spuren scharrte. Doch außer einigen einzelnen Fäden fand er
nichts.
Ein Verdacht machte sich in ihm breit.
Schnell übergab er die Beweise seinem Frosch Ferdi. Niemand
sollte vorerst etwas davon erfahren.
Das Schwierige war jetzt, die beiden Feinde zu beschwichtigen.
Seltsamerweise hatten sie sich jedoch zusammengetan, als Detektiv Maunzi zu
ihnen trat. In diesem Fall wollten sie zusammenhalten. Denn zwei Feinde gegen
einen gemeinsamen Gegner waren allemal besser, als sich gegenseitig zu
bekämpfen.
Detektiv Maunzi kratzte sich hinter dem Ohr.
„Ob das gut geht?“, maunzte er vorsichtig vor sich hin.
Die Sockenmonster indessen bekamen mit, wie wichtig dieses Ding für die
Ganoven war.
Zwei der einzelnen Socken, die die Oberhand über die anderen erlangt hatten,
überlegten sich einen Tausch. Sie wollten die Seelenpumpe nur unter einer
Bedingung zurückgeben: Sie wollten als Ganoven akzeptiert werden und ein
eigenes Gebiet bekommen.
Ein richtiges Revier in der Wäschetrommelstreet.
Die beiden Socken sahen sich an. Wenn Ripp und Babel die Seelenpumpe
unbedingt zurückhaben wollten, mussten sie wohl oder übel mit der
Sockenmonster-Gang verhandeln.
Und diesmal würden die Sockenmonster nicht einfach nur Unsinn machen.
Diesmal wollten sie etwas erreichen.
---
Nur war es nicht so einfach, wie sie sich das vorgestellt hatten.
Einfach zu den beiden gefährlichsten Gangstern hinzumarschieren, kam überhaupt
nicht infrage. Da blieb von ihnen nicht
mehr viel übrig – ausser der Fetzenfriedhof…
Keiner der sonst so angeberisch mutigen Socken traute sich an
Detektiv Maunzi heran. Also blieb ihnen nur der Frosch Ferdi.
Doch das würde wohl eine klebrige Angelegenheit werden. Denn wie
sollte es anders sein? In ihren Sockengehirnen reifte ein neuer Unsinnsplan:
Sie wollten den Frosch entführen!
Dafür sammelten sie alte Lappen und Stoffreste. Auf keinen Fall
wollten sie diesem glitschigen Frosch zu nahe kommen. Schließlich hatten sie
vor, ihn zu entführen, ohne ihn selbst anfassen zu müssen.
Doch die Ringelsocken wollten davon nichts wissen. Ihre roten Ringel
schienen vor Empörung geradezu zu glühen. Sie schlossen sich zu einer Gruppe
zusammen. Bei so etwas würden sie niemals mitmachen! Das verstieß eindeutig
gegen die Sockenehre.
Heimlich verschwanden sie in einer anderen Wäschetrommel, die
zwischen den vielen verschiedenen Metallteilen eingeklemmt war.
Die Sockenmonster mussten unbedingt Kontakt zu den Mäusen aufnehmen, um irgendwie an Detektiv Maunzi heranzukommen. Doch wie sollten sie das anstellen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen?
Nur kam es anders als geplant.
Kater Maunzi war über seinen Überlegungen eingedöst. Ein Schläfchen
konnte ihm schließlich keiner verwehren, dachte er noch und schnurrte im
Schlaf.
Am Nachmittag herrschte Unruhe. Einige aufgeregte Mäuse versammelten
sich vor Detektiv Maunzis Bürotür.
Das Gepiepe drang sofort an Kater Maunzis Ohr.
Bevor die Mäuseschar klopfen konnte, stand Kater Maunzi auch schon mürrisch
in der Tür. Er blinzelte mit seinen müden Augen. Schon hob er wütend
die Pfote, um für Ruhe zu sorgen.
Da piepsten die Mäuse auch schon los:
„Es ist unmöglich! So etwas gab es noch nie!“
„Eine Maus und eine Socke haben sich verliebt!“
Detektiv Maunzi strich sich ungläubig über das Fell.
Dann hob er noch einmal die Pfote. „Gut, gut! Zeigt mir mal, wo sie sich
aufhalten.“
Der Weg schlängelte sich an Weißblechen, verschiedenen Autoteilen und ausrangierten
Ersatzteilen vorbei. In einer windgeschützten Nische zwischen kleinen
Metallteilen entdeckte Maunzi eine kleine Holzschublade. Darin lag eine Maus, eng
an eine Socke gekuschelt.
Sie schliefen. Detektiv Kater Maunzi räusperte sich laut genug, um sie zu
wecken.
Die Maus öffnete zuerst die Augen. Dann wurde auch die Socke wach. Beide
blickten über den Rand der kleinen Schublade, die gerade groß genug war, dass
sie zusammen darin Platz hatten.
Als sie sahen, wer vor ihnen stand, blieben sie ungläubig ganz
still.
Kater Maunzi musste lächeln. Die Szene erinnerte ihn an die Zeit,
als er noch ein kleines Katzenbaby gewesen war.
Mild schnurrend meinte Maunzi: „Ihr liebt euch. Mich interessiert nur eine
Frage: Mein Mäusefreund, warum hast du sie nicht zernagt?“
Er kannte eigentlich die Antwort, aber er wollte sie selbst hören.
Maunzi konnte sich noch gut daran erinnern, wie er als verlassenes
Katzenbaby von einer gutherzigen Mäusemama aufgenommen worden war. Diese hatte
ihre Mäusekinder immer dazu ermahnt, die Socken nicht zu zernagen, denn ohne
sie wäre es in der Schublade ziemlich kalt gewesen.
Die Maus stand inzwischen am Rand der kleinen Schublade, die Socke lehnte
neben ihr.
Die Maus lächelte verlegen. „Ich liebe ihre weiche, warme Art, und sie liebt
meine weichen, zarten Haare. Und außerdem hat unsere Mutter gesagt, wir sollen
gut auf die Socken aufpassen, damit wir es in der Schublade warm haben.“
Einige der Mäuse seufzten. In einer Holzschublade würden sie auch
gerne liegen, statt zwischen dem kalten Metall schlafen zu müssen.
„Gut, gut“, erklärte Kater Maunzi mild und grinste dabei schnurrend. „Ihr
habt meinen Segen!“
Ganz nebenbei ritzte er mit seiner Degen-Säbel-Kralle ein Herz in
das Holz.
Diese ganze Aktion hatte den Plan der beiden Sockenmonster-Ganzheit
gehörig durcheinandergebracht.
Einige der Ringelsocken, die sich neugierig versteckt hatten, kamen
langsam aus ihren Spalten hervor.
Alle Umstehenden waren erstaunt. Zum ersten Mal bekamen sie die
Sockenmonster zu Gesicht.
Es wurde ganz still.
Detektiv Maunzi ging sehr nah an ihr vorbei.
Die Ringelsocken schluckten.
Gemeinsam brachten sie heraus: „Wir wollen keinen Ärger.“
Einer von ihnen, der die buntesten Ringel hatte, schien der
Schlauste unter ihnen zu sein.
„Wir haben das mit der Schublade gehört. So eine Holzschublade ist eine
schöne, warme Sache.“
Er sah die anderen Ringelsocken an und fügte hinzu:
„Vielleicht lassen sich die anderen Socken darauf ein, wenn sie auch eine
Holzschublade bekommen.“
Maunzi überlegte. Wo sollte er mitten auf dem Silbermetallberg eine
Holzschublade finden?
Trotzdem willigte er ein. „Gut, zeigt mir euer Versteck.“
Die Ringelsocken machten freudig eine Verbeugung.
„Nur du allein!“, baten sie ihn.
Nickend hob er seine weiß gefleckte Pfote zum Aufbruch.
Es war schon fast Abend geworden, bis sie das Versteck erreicht hatten.
Auf das laute Rufen der Ringelsocken hin kamen die anderen
Sockenmonster aus ihren Verstecken. Zuerst waren sie sauer, doch als sie von
der Aussicht auf eine eigene Holzschublade hörten, gerieten einige von ihnen
ins Schwärmen.
Dennoch wollten sie darauf bestehen, als Gang anerkannt zu werden
und die Wäschetrommelstreet zugeteilt zu bekommen.
Detektiv Maunzi wiegte den Kopf hin und her und strich sich ein paarmal mit
den Pfoten über die Schnurrhaare.
„Das werde ich mit den beiden Bossen klären.“
Dabei stieß er einen kräftigen Maunzer aus.
Alle anwesenden Sockenmonster nickten.
Einer der älteren Socken, dem bereits die Fäden heraushingen, meldete sich
zu Wort:
„Wenn wir unsere Street nicht bekommen, bleibt das Ding so lange bei uns!“
Dabei setzte er einen gefährlichen Sockengesichtsausdruck auf.
Detektiv Maunzi ließ sich davon nicht beeindrucken.
Er rückte den Sockenmonstern sehr nahe und maunzte ernst: „Das Ding ist die
Seelenpumpe, das Heiligtum der Ganoven! Was glaubt ihr, was mit euch passieren
wird, wenn ihr sie nicht herausrückt? Da bleibt nicht mehr viel von euch übrig.
Denkt mal darüber nach!“
Ein Schaudern durchlief die Socken. Wortlos verschwanden sie wieder in ihren
Verstecken.
Kater Maunzi drehte sich ebenfalls ohne ein weiteres Wort um. Er
wusste, dass er am nächsten Morgen dringend mit Mafia Ratte Ripp und Big
Säbelzahn Biber Babel reden musste.
Heimlicher Kurier
Kaum war das geklärt, gab es schon am nächsten Tag eine Neuigkeit.
Zwei Mäuse weckten Detektiv Maunzi unsanft. Sie klopften kräftig gegen die
Blechtür.
"Blonk! Blonk!"
„Ach, hätte ich doch eine Tür aus Holz!“, dachte Maunzi bei sich. Noch
schläfrig und etwas gerädert vom Vorabend tapste er vor die Tür. Aufgeregte
Mäuseaugen blickten ihn an.
„Schmuggel im großen Stil! Bei Mafia Ratte Ripp!“, piepsten sie aufgeregt.
Detektiv Maunzi schnappte sich seinen Hut.
„Los geht’s!“, maunzte er bestimmt.
Die Mäuseschar lief vor ihm her.
In einiger Entfernung, abseits von Grotty, entdeckte Detektiv Maunzi
zwei Gestalten. Er gab den Mäusen mit seiner Spezialkralle ein Zeichen. Sofort
versteckten sie sich in Angriffsposition.
Detektiv Maunzi beschloss, zwischen die beiden hineinzuspringen. Dabei
stieß er ein kräftiges Fauchen aus.
Mafia Ratte Ripp blieb ungerührt stehen. Die anwesende Pudeldame, die kaum
größer als die Ratte war, erstarrte und hielt einen Beutel mit bunten Drops in
den Pfoten.
Detektiv Maunzi schaute zwischen den beiden hin und her.
Scharf fauchend maunzte er: „Raus mit der Schmuggelware!“
Sofort ließ die Pudeldame den Beutel fallen. Dabei kullerten einige Drops
heraus.
Detektiv Maunzi spießte einen davon mit seiner Degen-Säbel-Kralle
auf.
„Was ist das?“, fragte er. Er roch daran und biss vorsichtig ein
winziges Stück ab.
Dann grinste er. „Das sind Leckerlis!“ Er nahm einen weiteren Drop in einer
anderen Farbe und biss hinein. „Nur verschiedene Geschmacksrichtungen.“
„Ähm, ja“, kam es von der Pudeldame Susi. „Das sind hochwertige
Gourmet-Drops.“
Dann folgte ein verschmitztes Grinsen, von Ratte Ripp „Die bekommt man nur
bei mir!“
„So, so! Mafia Ratte Ripp macht also auf Gourmet“, schmunzelte Kater Maunzi
unter seinen Schnurrhaaren.
Ratte Ripp trat einen Schritt zurück. Mit großen Augen, aber fester Stimme
sagte er: „Verrat mich nicht! Das ist mein bestes Geschäft.“
Detektiv Maunzi nickte, schob sich den Hut leicht über die Augen und dachte
keck: Besser so!
Mit verschmitzten Augen blickte er den Rattenboss an.
„Soll mir recht sein.“
Detektiv Maunzi nahm ihn beiseite.
„Und wer stellt die Drops her?“
Mafia Ratte Ripp zog ihn noch ein Stück weiter nach hinten und flüsterte:
„Die schwarzen Rabenmäuse stellen sie zusammen mit Big Säbelzahn Biber Babel
her. Die beiden sind ins Hunde- und Katzen-Drops-Geschäft eingestiegen, und ich
sahne dabei ab.“
Er beugte sich noch näher zu Maunzi.
„Die schwarzen Rabenmäuse sind die Anbieter, und ich nehme ihnen die Ware
ab.“
„Pssst! Aber nicht weitersagen! Der Big Biber Babel weiß nichts davon.“
Dann deutete Ripp auf die Pudeldame.
„Und Susi ist mein Kurier für die Hunde- und Katzenstadt.“
Kater Maunzi ließ von ihm ab, drehte sich weit genug weg und schnurrte in
sich hinein: „Das gefällt mir immer besser. Das bedeutet in Zukunft weniger
Arbeit für mich.“
„So …“, sagte er und blickte die beiden an.
Pudeldame Susi hatte sich inzwischen von ihrem Schrecken erholt und schaute
Maunzi aufmerksam an.
„So …“, wiederholte Maunzi. „Wegen der Sockenmonster: Sie wollen die
Seelenpumpe nur herausrücken, wenn sie als Gang akzeptiert werden und die
Wäschetrommelstreet bekommen.“
Er machte eine kurze Pause.
„Außerdem wollen sie auch noch eine Holzschublade. Das wird eher schwierig.“
Von Ratte Ripp kam ein riesiger Seufzer.
„Gut, gut. Das mit der Wäschetrommelstreet lässt sich sicher einrichten.
Aber sie als Gang akzeptieren? Nein, das kommt nicht infrage! Außerdem muss ich
das mit Big Säbelzahn Biber Babel klären. Das Gebiet gehört zu seinem Revier.“
Da fiel Pudeldame Susi Schreiner Wiesel ein. Er stellte Schubladen
her.
Früher war er ebenfalls als Mittelsmann tätig gewesen. Doch als er
älter geworden war, hatte er sich als Schreiner niedergelassen. Sein Domizil
lag in einem Waldstreifen zwischen der Hunde- und der Katzenstadt. Dadurch
wagte sich niemand auf die jeweils andere Seite, und Streit blieb aus.
„Nur ist er extrem eigensinnig und mürrisch“, fügte Susi hinzu. „Er soll ein
ziemlich unangenehmer Zeitgenosse sein.“
Detektiv Kater Maunzi blinzelte die Pudeldame aufmerksam an.
„Wie kommen wir zu ihm?“
„Durch den Geheimtunnel, den die schwarzen Rabenmäuse gegraben haben.“
„Fein!“, maunzte Maunzi. „Nur sprechen wir zuerst mit Big
Säbelzahn Biber Babel.“
Am Ziel angekommen, wies er Ratte Ripp und Pudeldame Susi an, zu warten.
Sein Mittelsmann, Frosch Ferdi, saß bereits bereit. Die Mäuse hatten ihm
schon Bescheid gesagt.
Detektiv Maunzi gab ihm das vereinbarte Pfotenzeichen. Frosch Ferdi hüpfte
los, um zu vermitteln. Kurz darauf ertönte ein Rufpfiff von Big Säbelzahn Biber
Babel.
Detektiv Maunzi schritt zuerst auf den Biber zu. Hinter ihm folgten die
Ratte und Pudeldame Susi, fast umringt von den Mäusen.
Kater Maunzi übernahm die Situation und erklärte, was die Sockenmonster
forderten.
Big Säbelzahn Biber Babel richtete seinen untrüglichen Biberblick
auf Mafia Ratte Ripp.
Laut und bestimmend erklärte er: „Also, dass sie als Gang dazugehören, dem
stimme ich auf keinen Fall zu!“
Dabei warf er einen scharfen Blick in die Runde.
Ratte Ripp nickte schnell. „Das Gleiche dachte ich auch.“
„Und was ist mit der Wäschetrommelstreet?“, fragte Maunzi.
Big Säbelzahn Biber Babel schnaufte.
„Na, das lässt sich einrichten. Aber nur unter einer Bedingung.“
Alle verstummten. Niemand wagte nachzufragen.
„Wir gehen jetzt alle zusammen zu den Sockenmonstern!“, befahl Big Säbelzahn
Biber Babel.
Niemand widersprach.
Vor Ort liefen einige Mäuse, die das Versteck der Sockenmonster kannten,
voraus, um die anderen herbeizurufen.
Big Säbelzahn Biber Babel sah die Sockenmonster eindringlich an. Dann sprach
er:
„So, ihr wollt also in die Wäschetrommelstreet. Gut, aber nur unter einer
Bedingung …“
Keiner traute sich, etwas zu sagen.
„Ihr müsst darauf verzichten, als Gang anerkannt zu werden!“
Ein sockenmäßiges lautes Murmeln ging durch die Menge.
Mafia Ratte Ripp trat vor.
„Wenn ihr einverstanden seid, werde ich dafür sorgen, dass ihr eine
Holzschublade bekommt.“
Zuerst ein wiederstreben der Sockenmonster. Dann hüpften die Ringelsocken
hervor.
„Wir sind einverstanden!“
Plötzlich brach Jubel aus. Chaos pur!
„Da ist es wieder, unser Chaos!“, jubelten die Sockenmonster. Einige hüpften
wild herum, andere ließen sich in die Luft fliegen.
Alle waren wieder ein verrückter Haufen – eben die
Sockenmonster-Gang!
„Gut, gut“, beschwichtigten die beiden Gangster die aufgeregte Menge. „Ab
heute gehört euch die Wäschetrommelstreet.“
„Dann wollen wir aber auch unseren Tempel, die Seelenpumpe, zurück!“,
verlangten sie anschließend.
Sockenblicke griffen um. Schließlich drehte sich einer der älteren, bereits
verblassten Ringelsocken um.
„So, wie wir sie weggenommen haben, so bringen wir sie auch wieder zurück.
In der Morgendämmerung, vor eurem Gebet, steht sie wieder an ihrem Platz.“
Beide Ganoven nickten einträchtig. Mehr wollten sie nicht hören.
Auf zu Schreiner Wiesel
Tatsächlich stand die
Seelenpumpe noch vor dem Morgengebet wieder an ihrem ursprünglichen Ort. Sogar
alles rundherum war gründlich saubergemacht worden. Daneben lagen sogar
Metallblumen.
Zufrieden konnte das
Ganovendasein wieder weitergehen.
Noch am Morgen trafen sich
alle: Detektiv Kater Maunzi, Big Säbelzahn Biber Babel, Mafia Ratte Ripp und
Pudeldame Susi. Gemeinsam wollten sie in den Geheimtunnel Richtung Schreiner
Wiesel schlüpfen. Etwa zwanzig waren dabei. Vor ihnen liefen die
schwarzen Rabenmäuse, dahinter ein kleiner Trupp von Maunzis Mäusegefolgschaft.
Der Tunnel war unendlich lang
und ziemlich dunkel.
Es zog sich bis in den Abend
hinein, bis sie endlich den Ausgang erreichten.
Direkt am Wald kamen sie
heraus. Detektiv Maunzi und Pudeldame Susi schlichen voraus, alle anderen
folgten ihnen.
Bei der großen Behausung
angekommen, ging nur Pudeldame Susi hinein.
Kurz darauf ertönte ein
durchdringender Hundeschrei. Detektiv Maunzi machte als Erster einen riesigen
Satz hinein. Hinter ihm kamen die anderen angerannt.
Holzspäne lagen überall auf
dem Boden. Das Wiesel lag mit dem Gesicht nach unten regungslos da.
Pudeldame Susi fragte entsetzt:
„Ist er …?“
Kater Maunzi hob vorsichtig eine
Vorderpfote hoch und drehte das Wiesel langsam um.
Pudeldame Susi beugte sich
vor und begann mit einer Herzmassage.
Alle wirkten geschockt.
Es dauerte einige Zeit, doch
dann schlug das Wiesel die Augen auf.
Nach dem Schrecken stellten
sie fest, dass einige Möbel kaputtgeschlagen worden waren. Die Werkbank war zur
Seite weggeschoben worden.
Was war passiert?
„Ein Wildschwein“, brachte
das Wiesel hervor.
Pudeldame Susi setzte sich
mit dem Wiesel auf ein Sofa und beruhigte es.
Ohne Worte halfen alle mit,
Ordnung zu schaffen.
Maunzi grinste in sich
hinein. Ein zufriedenes Schnurren gab er von sich und dachte: Darf ich
das noch erleben? Zwei Ganoven, die helfen!
Nachdem sich das
Wiesel wieder einigermaßen erholt hatte, trat Kater Maunzi an ihn heran.
Da blitzten auf einmal
Wiesels Augen auf. Er starrte auf Maunzis graue Zeichnung am Hals.
„Sir!“, rief er überrascht.
Ersaunt fragte Maunzi: "Sir?"
„Es gab nur einen einzigen
Kater mit genau dieser grauen Zeichnung. Ein ehrenhafter Kater, der anderen
Schutz bot. Wir nannten ihn alle nur Sir. Er hat mir einmal das Leben
gerettet.“
Wiesel sah Maunzi genauer an.
„Du bist sein Sohn!“
Sprachlos ließ Maunzi sich
von Wiesel umarmen.
Kater Maunzi wusste gar
nicht, wie ihm geschah.
Jetzt standen die beiden
Ganoven auch ganz dicht bei ihnen.
„Das darf doch nicht wahr
sein!“, riefen sie wie aus einem Mund. „Sir!“
Und plötzlich umarmten sie
Maunzi und das Wiesel.
Danach bekamen alle noch
Anekdoten zu hören, die erzählten, was für ein besonderer Kater Maunzis
Vater gewesen war.
Kein Wunder, dass Maunzi ein
so guter Detektiv war!
Und die beiden Ganoven sahen
ihn nun mit anderen Augen an.
Es war so spät geworden, dass
alle beschlossen, diese Nacht hier zu bleiben.
Vor dem Schlafengehen fiel
ihnen die Sache mit der Schublade wieder ein.
Das Wiesel machte sich sofort
daran, nach passenden Schubladen zu suchen. Schließlich fand er eine
alte Holzschublade und noch eine kleinere aus hellem Holz. Beide gab er ihnen.
Endlich schlafen! Es roch
herrlich nach Holz.
Am nächsten Tag, bevor sie
aufbrechen wollten, erwartete sie eine Überraschung: Das Wiesel und die
Pudeldame lagen aneinandergekuschelt da.
Das Wiesel hatte sich in die
Pudeldame verliebt.
Herzlich verabschiedeten sich
alle, bevor es durch den langen, dunklen Geheimtunnel wieder zurückging.
Draußen, hinter dem
Tunnelausgang, standen sich die beiden Ganoven mit verschränkten Armen
gegenüber. Zwischen ihnen lag ein unausgesprochenes Abkommen, das sie
an diesem Morgen mit der Pudeldame geschlossen hatten. Gegenseitig
blickten sie sich mit einem verschmitzten Ganovengrinsen an, und ihre Augen
blitzten.
Detektiv Kater Maunzi
beobachtete die beiden genau, strich sich über seine Schnurrhaare und murmelte
maunzend: „Na, da werde ich wohl lange Zeit Ruhe vor den beiden haben.“
Dann schnurrte er zufrieden.
In der Wäschetrommelstreet Straße
Innerhalb der Street ging
das Chaos der Sockenmonster weiter und endete meistens in riesigen
Sockenknäueln. Frosch Ferdi musste für Ordnung sorgen. Das
brachte ihm den Namen Wachmann Frosch Ferdi ein.
Unsinn machten sie weiterhin,
sonst wären sie ja nicht die Sockenmonster-Gang.
Nur der Seelenpumpentempel
wurde auch zu einem Festplatz für die Sockenmonster. Sie hängten Sockenfäden
als Girlanden auf und richteten alles festlich her.
Als das Wiesel und
die Pudeldame auftauchten, blinzelten die Socken sie an. Es wurde Hochzeit gefeiert!
Danach wurden beim
Schubladenmeister Aufträge erteilt. Mäuse, Socken, Biber und
Ratten wollten gerne auch so eine warme, bequeme Holzschublade haben.
***
Kater Maunzi schlief seit
Wochen friedlich zusammengerollt. Gelegentlich hörte er, wie dicke Regentropfen
auf sein Blechdach tropften.
In Katermanier döste er vor
sich hin.
Da, oje! Eine aufgeregte
Stimme war zu hören. Es klopfte an der Tür. Draußen standen Frosch Ferdi und
einige Mäuse.
Detektiv Maunzi machte
schläfrig einen Satz zur Tür.
„Miau, was ist los?“, maunzte
er ärgerlich.
Frosch Ferdi quakte: „Bei Biber
Babel wurde ein Teil seiner Ware gestohlen!“
Maunzi rief alle zusammen.
Detektiv Maunzi schnappte
sich seinen Hut und maunzte: „Hört denn das nie auf? Wieder ein Fall!“ Dabei
konnte er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Ende.