29 Ağustos 2025 Cuma

Das gelobte Land

Märchenwelt 🗻

Stockfinstere Dunkelheit herrschte, und der Schneesturm war so heftig, dass man nur weiße Schneeflocken zugeflogen sah.

Fünf Tiere, die sich unterwegs trafen, kämpften sich vorwärts.

Die Spinne hatte sich bei der hinteren Fußfessel des Esels festgesponnen, damit sie nicht wegflog. Auch Hase und Frosch nahmen Schutz unter den Beinen des Esels, der Rabe war dicht hinter dem Hals des Esels und machte sich so flach, wie er nur konnte.

Essigkalt war es. Seit drei Tagen kämpften sie sich Zentimeter für Zentimeter vorwärts – so schien es zumindest. Ein Wunder, dass sie nicht eingefroren waren.

Welches Schicksal hatte die fünf Tiere zusammengeführt?

Der Esel war weggejagt worden, denn er war zu alt geworden für die Arbeiten. Die Spinne war Esels Freundin, sie kannte ihn schon so lange, dass nicht einmal ihre Spinnenbeine ausreichten, um die Jahre zu zählen.

Der Hase war dem Beil entronnen. Frosch hatte sein Zuhause verloren. Der Rabe, der zuletzt zu ihnen gestoßen war, suchte das Tierparadies. Seine Tage schienen gezählt, er wollte unbedingt vom Jungbrunnen naschen, bevor er sterben müsste.

Deshalb waren die fünf Tiere jetzt unterwegs zum gelobten Land. Jeder von ihnen träumte: der Esel von saftiger Wiese und weichem Heu, der Hase von Karotten im Überfluss, der Rabe von roten, saftigen Kirschen, der Frosch vom großen Teich und die Spinne vom Spinnennest-Bauen.

Sie wollten die Eiche finden, die wie ein Vogel aussieht. Der Richtung des Vogelschnabels sollte man folgen. Dieser würde zu dem großen Holztor zwischen zwei Felsen führen, das dort zu finden sein sollte. Dies war das Tor des Tierparadieses, träumten sie.

Abrupt, wie von Geisterhand, war alles wie im Spuk vorbei. Eine Waldgruppe starrte sie an. Unheimlich! Sie wirkte so unwirklich, als sähe man eine Fata Morgana. Die fünf kneiften sich gegenseitig.

Ein Nebeldunst umhüllte den kleinen Wald.

Der Rabe flog reflexartig, geistig gegenwärtig, gegen die Nebelwand und wurde zurückgeschleudert. Daraufhin stürzten alle fünf Tiere gleichzeitig auf den Waldnebel.

Als sie den Waldnebel berührten, wirkte es, als würden die Bäume weggezerrt. Es war so unheimlich, dass alles unwirklich erschien.

Als alles aufgelöst war, stand der riesengroße Eichenbaum vor ihnen. Die fünf Tiere starrten auf den Baum und suchten mit ihren Augen die Vogelgestalt, aber so sehr sie ihn auch musterten, konnten sie nichts erkennen.

Auf einmal erkannten sie zwei unheimlich rot leuchtende Augen, von denen sie geblendet wurden.

Ihre Angst war so groß, dass sie sich gegenseitig festhielten.

Oben am Baum hatte sich ein Vogelkopf aus Ästen geformt, der jetzt seinen Kopf nach links drehte und dessen Schnabel in Richtung eines riesengroßen Maisfeldes zeigte.

Ohne es richtig einzuschätzen zu wissen, folgten sie der Richtung.

Im dichten Maisfeld fielen ihnen die gelben Flocken ins Genick. Alle saßen auf dem Rücken des Esels, die Spinne hatte sich an seinem Ohr festgesponnen.

Ob darin vielleicht irgendwelche Ungeheuer lauerten? Kaum gedacht, tauchten monströse Heuschrecken auf, die in Kampflaune waren.

Der Rabe schlug mit seinem Schnabel auf eine Heuschrecke, aber diese löste sich auf wie Nebelluft. Was war das für eine ganze Armee von Ungetieren?

Der Rabe schrie: „Macht die Augen zu! Singt so laut ihr könnt und denkt an nichts!“

Die Tiere taten, wie ihnen geheißen: Das Froschgequake, das Hasenfiepen, das Eselgeschrei und zuletzt das Rabenkrächzen ergaben ein so großes Echo im Echo, dass alles gebannt wurde.

Als sie vorsichtig die Augen öffneten, nachdem sie nur noch Stille hörten, sahen sie leuchtende Maiskolben, die ihnen den Weg aus dem Maisfeld hinauswiesen.

Beschwerlich war der Weg aus dem Maisfeld. Als sie heraustraten, wussten sie, dass sie für immer Freunde geworden waren. Niemand würde sie mehr trennen.

Sie waren nicht weit gelaufen, als man von Weitem schon die Felsberge mit drei Toren sah. Drei Tore?

Drei Tore – welches war jetzt das richtige? Alle fünf Tierfreunde standen vor den Toren und rätselten. Vielleicht sollte man ein Tor nach dem anderen öffnen? Nein, nicht, dass etwas Böses dahinter lauert!

Der Rabe fing an, ein Lied zu krächzen und forderte seine Freunde auf, mitzusingen.

Dabei stellten sie sich das gelobte Land vom Tierparadies vor. Daraufhin hörten sie ein lautes Knarzen, und das mittlere Tor sprang auf.

Ein angenehmes Licht und der Geruch von einer Blumenwiese kamen ihnen entgegen. Sie hatten es geschafft.

Vorsichtig und voller Freude traten der Esel mit seinen Freunden auf seinem Rücken hinein.

So ein leuchtendes grünes Gras hatten sie noch nie gesehen. Auch die paradiesische Gegend übertraf ihre Vorstellungen: ein herrlicher Teich, so wie sich der Frosch ihn immer erträumt hatte; herrliche Karottenfelder für den Hasen; Springbrunnen und Kirschbäume, so wie sich der Rabe das vorgestellt hatte; schöne Sträucher für die Spinne; für den Esel ein wundervoller Stall mit Stroh und weichem Heu.

Im Paradies waren auch andere Tiere, die sie sofort begrüßten.


Hätten sie vom Jungbrunnen getrunken, lebten sie in ewiger Jugend weiter, aber das brauchten sie nicht, denn sie hatten das Wichtigste gefunden: ihre Freundschaft zueinander.


Lesebärwelt - Der wohl kleinste Lehrer

Es war einmal ein Wurm, der wohl der klügste Wurm war, den es je gab.

Wenn jemand vom Wurm- oder Käfervolk Wissensfragen hatte oder krank wurde, schickte man ihn zum Wurm.

Er hatte sich mit der Zeit eine regelrechte Büchersammlung angelegt, fein säuberlich sortiert und geordnet.

Dadurch wurde er so bekannt, dass er nur noch mit dem Namen „Bücherwurm“ angesprochen wurde.

Mit der Zeit wurden die Anfragen so groß, dass der Wurm beschloss, Unterricht zu geben.

„Die Bücherwurmschule“ – so wurde er der berühmteste und bekannteste Bücherwurm-Lehrer der Welt.

Wenn du einmal einen Regenwurm findest, sei vorsichtig mit ihm – er könnte ein Verwandter des Bücherwurms sein.


Ende


Lesebärwelt 🐻 Stifte – Fabrik in Not

Lesebär schläft gerne lange – das ist wohl bekannt. Außerdem war er übermüdet von der gestrigen Nacht: Spät war es geworden, als er von seiner Stifte-Fabrik zurückkehrte. Momentan gibt es dort viel zu tun.

Zwillingsbruder Byn hatte sich heimlich zur Fabrik geschlichen. Er war ein Computer-Spezialist und bastelte gerne herum. Er wollte die beiden Kästen verbessern, die direkt an den Bändern standen. 
Doch da – Chaos! 
Alles flog nur so herum, der Strom flackerte. Oje, oh Schreck – er hatte die falschen Knöpfe gedrückt.

Unterdessen, fast wie in Vorahnung, war Lesebär unterwegs mit seinem Jeep, den er gern fuhr. Von der Wolkeninsel über die Caféinsel , dann hinter dem Felsgebirge entlang, über die Sandbank hinüber zur Stifte-Fabrik.

Lesebär auftaucht!

„Byn? Was hast du getan?“

Byn erinnerte ihn: „Du sagtest doch, ich soll dir helfen – ich soll auf die Stifte-Fabrik aufpassen!“

„Ja! – Als Aufpasser, damit alles gut läuft!“

Nach einer kleinen Rüge umarmte Lesebär Byn – schließlich war er doch sein Zwillingsbruder.

„Gut“, brummelte Lesebär. „Jetzt alles aufräumen – und los geht’s!“

So ließ Lesebär neue Bänder machen, während Byn alles neu programmierte.

Mit den farbigen Entwicklungskästen und den neuen Bändern entstand nun etwas ganz Besonderes: dreistöckige Kästen, direkt an jedes Band gesetzt – gleich angemacht, das war doch wohl klar. Nun ging es viel schneller für alle – freuten sich die Wolkeninsel-Freunde.

Und so endete ein Tag voller Abenteuer, Überraschungen und neuen Ideen.

28 Ağustos 2025 Perşembe

Einschlafreim – 10 kleine Kühe 🐄

Lesebärwelt - Lesebärvers

10 kleine Kühe steigen die Himmelsleiter hoch,                              eine rutscht hinunter – da waren’s nur noch neun.

9 kleine Kühe hüpfen auf einer Wolke herum,                                                    eine wird vom Regen nass – da waren’s nur noch acht.

8 kleine Kühe reiten mit dem Blitz durchs Himmelszelt,                            eine erschreckt sich – da waren’s nur noch sieben.

7 kleine Kühe wollen schwimmen gehen,                                                      eine bleibt am Rand stehen – da waren’s nur noch sechs.

6 kleine Kühe spazieren fröhlich,        einer wird’s zu langweilig – da waren’s nur noch fünf.

5 kleine Kühe springen, ausgelassen und heiter,                                              eine fällt ins Wasser – da waren’s nur noch vier.

4 kleine Kühe stehen auf der Weide, eine legte sich hin – da waren’s nur noch drei.

3 kleine Kühe gehen heim, ganz ohne Müh’,                                                          eine bleibt verträumt zurück – da waren’s nur noch zwei.

2 kleine Kühe liegen still und fein,      eine wacht noch leise – da war’s nur noch eine.

1 kleine Kuh, müde vom ganzen Tag, kuschelt sich zu dir – und bleibt bei dir die ganze Nacht. 💛

Lesebärwelt – Lesebärverse 🐻

Einschlafreim
(erdacht von Lüdel – erzählt für meine Tochter)
🐻🐻 🐻 🐻🐻 🐻 🐻🐻 🐻 🐻🐻 🐻🐻

10 Lesebären
rutschten bei der Giraffe den Hals hinunter.
Einer ist weggerutscht – da waren es nur noch neun.

9 kleine Lesebären
im Meer schwimmen.
Einer freute sich so sehr – da waren es nur noch acht.

8 kleine Lesebären
gingen in den Zoo.
Einer blieb dort – da waren es nur noch sieben.

7 kleine Lesebären
liefen durch den Wald.
Einer sammelte Pilze – da waren es nur noch sechs.

6 kleine Lesebären
stiegen auf einen Baum.
Einer kletterte ganz hoch – da waren es nur noch fünf.

5 kleine Lesebären
machten ein Picknick.
Einer blieb sitzen – da waren es nur noch vier.

4 kleine Lesebären
spielten im Sand.
Einer baute eine Sandburg – da waren es nur noch drei.

3 kleine Lesebären
tanzten im Kreis.
Einer tanzte sich müde – da waren es nur noch zwei.

2 kleine Lesebären
flogen im Wind.
Einer flog davon – da war es nur noch einer.

Ein kleiner Lesebär,
müde vom Tag,
bleibt bei dir die ganze Nacht 🐻💛


🐻🐻  🐻🐻  🐻🐻  🐻🐻  🐻🐻  🐻🐻  

🌙 Als meine Tochter klein war, habe ich ihr diesen Reim oft vor dem Einschlafen erzählt – jedes Mal ein bisschen anders.

Das Schöne daran:
Man kann ihn ganz leicht variieren, je nach Lieblingskuscheltier oder anderen Lieblingen.
So wird jede Version zu einer ganz eigenen kleinen Einschlafgeschichte.

Lesebärwelt - Wurmgedicht

Wurm mampft und frisst,

Blaue Halskrause hatte er, bitte sehr.

Bläuliches Hinterteil – das musste sein.

Unke stört sich an lauten Geräuschen,

Geflüchtet von der dauernden Quackerei.

Wurm stößt auf Stein und kommt nicht weiter,

Stumm macht er Morsezeichen – fein.

Unke, mit seinen feinen Ohren, stört es sehr.

Wo kommt das her?

Da ist ja der Störenfried – tief im Grabloch,

Raus kommt er nimmermehr.

Unke auch reinfällt –
und beide in der Falle.

Was tun in dem Fall

Da hilft nur eins: Lüdel muss sie befreien.



Lesebärwelt – Lesebärverse 🦒

Einschlafreim von Giraffen und anderen Lieblingen
(erdacht von Lüdel – erzählt für meine Tochter)

🦒🦒🦒 🦒🦒🦒 🦒🦒🦒 🦒🦒🦒

10 kleine Giraffen
schwebten in den Himmel.
Eine flog davon –
da waren’s nur noch neun.

9 kleine Giraffen
wollten spielen gehen.
Eine fuhr mit der Seilbahn weg –
da waren’s nur noch acht.

8 kleine Giraffen
fraßen süße Bananen.
Eine wurde dabei erwischt –
da waren’s nur noch sieben.

7 kleine Giraffen
wollten baden gehen.
Eine hatte keine Badehose –
da waren’s nur noch sechs.

6 kleine Giraffen
suchten Pilze im Wald.
Eine lief nach Hause –
da waren’s nur noch fünf.

5 kleine Giraffen
gingen Schlitten fahren.
Eine rutschte davon –
da waren’s nur noch vier.

4 kleine Giraffen
wollten Blätter erwischen.
Eine war zu kurz –
da waren’s nur noch drei.

3 kleine Giraffen
gingen spazieren.
Eine setzte sich auf die Bank –
da waren’s nur noch zwei.

2 kleine Giraffen
flogen mit dem Ballon.
Eine schwebte mit den Wolken –
da war nur noch eine Giraffe.

Eine kleine Giraffe,
müde vom Tag,
kuschelt sich leise bei dir an. 💛


 🦒🦒 🦒🦒 🦒🦒 🦒🦒 🦒🦒 🦒🦒

🌙 Als meine Tochter klein war, habe ich ihr diesen Reim oft vor dem Einschlafen erzählt – jedes Mal ein bisschen anders.

Das Schöne daran:
Man kann ihn ganz leicht variieren, je nach Lieblingskuscheltier oder anderen Lieblingen.
So wird jede Version zu einer ganz eigenen kleinen Einschlafgeschichte.


27 Ağustos 2025 Çarşamba

Kleine Anekdote

Anekdoten-Werke 🎆
Wartenberg (1980)

Fast jeden Sonntag machte die ganze Familie einen Waldspaziergang.

Oben am Waldrand gab es wilde Himbeeren und Brombeeren. Auf den kleinen Waldpfaden erklärte Papa uns die Bäume – Linde, Birke und andere – und woran man sie erkennen konnte.

Natürlich nahm Papa wieder eine seiner sogenannten „Abkürzungen“… und wir mussten über einen Wiesenhügel. Es war ein sommerlicher Tag, zum Glück war alles trocken.

Unten am Traktorweg – einem geteerten, langen und schmalen Weg – waren wir alle müde. Es war schon später Nachmittag, als wir endlich in Frohmbach in einem Wirtshaus ankamen.

Unsere Mama wollte dort für uns das Abendbrot bestellen. Doch die Wirtin meinte nur:
„Ich schau mal nach…“

Dann stellte sie uns einen Korb mit altem Brot vor die Nase.

Einige Zeit später kam sie zurück und sagte, ihr Sohn habe die letzten Würstchen gegessen. 

Plözlich gerieten alle in Aufruhr, weil es gleich regnen würde und sie das Heu noch einfahren mussten. Wir wurden hinausgeschickt.

So schnell waren wir sicher noch nie zu Hause! Gerade rechtzeitig schafften wir es ins Trockene.

Am nächsten Tag ging unsere Mama mit mir zum Metzger. Natürlich erzählte ich ihm, dass wir in der Gaststätte hungrig geblieben waren. Daraufhin bekam ich sofort ein paar Wiener – auch für meine Schwester wurden extra ein paar Stück eingepackt.

Bei einem anderen Metzger erzählte ich dieselbe Geschichte und bekam wieder eine Wiener – und meine Schwestern auch.
Selbst beim Bäcker bekam ich Brezen geschenkt, weil ich so ein verhungertes kleines Ding war.

Und so ging ich schließlich frohgemut nach Hause – hatte ich doch meine Würstchen bekommen!


Der lange Weg eines Engels auf Erden

Anekdoten-Werke 🎆 ☁️☁️☁️ 🪽☁️☁️🪽☁️☁️🪽☁️☁️🪽☁️☁️☁️☁️🪽
Engel Helmut machte es sich gerade auf seiner Wolke bequem,
als ihn einige Wolken, die ihn begleitet hatten, leise bei Petrus berichteten.

Petrus ging nachdenklich an der Himmelspforte auf und ab,
schüttelte den Kopf und sagte:

„Das verstehe ich nicht … Wie kann das sein? Ein Engel auf der Erde?“

Die Wolken begannen zu erzählen:

Helmut wusste das Leben zu genießen. Ein dunkles Bier ließ er sich schmecken, genauso wie einen frisch gebackenen Apfelstrudel oder selbstgemachten Mohnkuchen. Dinge wie Kreuzworträtsel und Schnitzen waren eine seiner Vorlieben. Und wenn er nervös war, konnte man sein unverkennbares Augenzwinkern sehen.

Seine geliebte Frau schenkte ihm fünf wundervolle Töchter, die ihn sehr glücklich machten. Er brachte ihnen bei, aufrichtige und ehrliche Menschen zu sein. Egal, wie müde er von der Arbeit kam – wenn seine Mädchen ihn umarmten und mit ihm spielen wollten, war er für sie da.

Er unternahm viele tolle Sachen mit seiner Familie. Sie machten Fahrradtouren, gingen zelten, und er teilte sein Wissen aus der Pfadfinderzeit mit ihnen. Auch wenn das Zelten bei schlechtem Wetter manchmal abgebrochen werden musste, blieben diese Erlebnisse unvergessen. Abends Geschichten vorlesen, zeichnen oder Lieder singen – all das sind heute die schönsten Erinnerungen für die Familie.

Er erklärte seinen Kindern, wie man den Nordstern und den Großen Wagen findet oder Schnürsenkel bindet. Auch kannte er alle Bäume.

Er fuhr nachts unzählige Runden mit dem Auto, nur damit die Kleinste einschlafen konnte. Seine Sorge um die Familie zeigte sich in vielen kleinen Dingen. Als seine jüngste Tochter im Bach auf einer Luftmatratze trieb, band er sie vorsorglich mit einem Seil an – doch es löste sich. Sie schrie wie am Spieß, aber Helmut sprang sofort ins Wasser und zog sie in Sicherheit. Für sie war er ein Held.

Und einmal, als er mit seiner Tochter die Sternbilder betrachtete, sprachen sie über heidnische Bräuche, die ins Christentum übergingen. Am nächsten Tag bekam sie im Ethikunterricht eine mündliche Eins – das hatte sie ihm zu verdanken.

Er hatte seine Eigenheiten: Wenn sich seine Frau einmal beschwerte, dass er nie den Abwasch machte, tat er es von da an so gründlich, dass sie fast daran verzweifelte – und so musste er es nie wieder tun. Ein kluger Schachzug!

Verrückt war auch, dass er im Sommer Kniestrümpfe trug, aber im Winter barfuß durch den Bach watete – weil es gut gegen Krampfadern sei.

Für die Oma baute er einst einen kleinen Holzschemel. Heute nutzen ihn seine Urenkel. Als sie fragten, ob der wohl zusammenbrechen könnte, wurde ihnen erklärt: „Niemals! Den hat Helmut gebaut.“

Helmut liebte die Natur. Einmal fuhren sie im Winter durch den Forst. Es war bitterkalt, doch er fragte: „Können wir das Fenster aufmachen? Ich liebe die frische Waldluft.“ Schon als Junge baute er kleine Staudämme im Bach. Er hatte irgendwie alles.

Und in seinem Beruf war er unglaublich genau – „Das große Ganze kann fast jeder“, sagte er immer. „Aber die kleinen Details, die machen es aus.“ Und wenn man ihn fragte, ob er da oder dort helfen könnte, antwortete er: „Heid geht’s nimma, aber morng glei.“

Technik war nicht so seine Welt. Als das Auto nicht ansprang, bat seine Frau um Hilfe. Der Grund? Helmut hatte aus Neugier den Zündverteiler ausgebaut und auf den Küchentisch gelegt. Kein Wunder, dass das Auto nicht mehr startete!

Er hatte ein enormes Wissen, angelesen aus unzähligen Büchern, und konnte sich darin verlieren.

Vor allem aber war er ein Mensch, der in allem das Positive sah. Er sprach nie schlecht über andere und war sich seiner Gesundheit bewusst – selbst Yoga machte er als Ausgleich.

Seine Tierliebe war grenzenlos. Er konnte keiner Fliege etwas zuleide tun, Spinnen und Ameisen trug er vorsichtig ins Freie.

Petrus nickte: „Genau daran erkennt man einen Engel.“

Auch seine Prinzipien waren ihm wichtig: Ehrlichkeit, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit und Ordnung. Aber am besten konnte er einfach nur zuhören.


Von unten, aus der Kirche, klangen Worte nach oben …

Lieber Helmut, wir vermissen dich sehr.
Vor allem deine ruhige, sanftmütige und doch heitere Art.
Wir wünschen dir eine unbeschwerte Reise und eine bequeme Wolke.

Deine Überzeugung, dass du einmal ein Engel wirst, ließ uns dieses Lied auswählen:
„Mögen Engel dich begleiten …“


Unweit von ein paar Wolken entfernt saß Engel Helmut auf seiner bequemen Wolke und ließ seine Beine herunterbaumeln.

Petrus beobachtete ihn und wunderte sich:
„Was ich überhaupt nicht verstehe – was hatte einer unserer Engel auf der Erde verloren?“

Helmut schmunzelte.
Unschuldig verschmitzt setzte Engel Helmut sein freundliches, innerliches Lächeln auf.

Seine Familie erinnert sich gerne an ihn.
Am 03.02. verließ er die Welt, doch in ihren Herzen wird er immer weiterleben.

Petrus bestätigte:
„Sowas kann nur ein Engel  bewerkstelligen.“





 

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