Märchenwelt 🌟
Es war einmal ein junges Mädchen namens Laila. Jeden Tag ging sie zum Markt und verkaufte dort ihre selbstgemachten Tonkrüge. Manche hatte sie verziert, manche liebevoll bemalt. Und Laila träumte davon, reich zu sein.
Als sie eines Tages so vor sich hinträumte –
Als sie eines Tages so vor sich hinträumte – Rumps! –
krachte es plötzlich mitten in ihre Tonkrüge hinein. Erschrocken blickte Laila auf die Scherben, die nun überall verstreut lagen. Eine Kutsche hatte die Kontrolle verloren und war direkt in ihren Stand gekracht.
Der Kutscher stieg hastig ab, nahm seinen Hut ab und wollte sich gerade entschuldigen, als sich die Tür der Kutsche öffnete. Ein junger Mann stieg aus, ging um die Kutsche herum – und Laila erkannte sofort: Es war ein Prinz. Er trug eine Krone auf dem Kopf.
Er entschuldigte sich vielmals und sagte:
„Natürlich werde ich Ihre Ware entschädigen. Es tut mir sehr leid, dass meine Pferde ausgeschert sind. Darf ich Ihren Namen erfahren?“
Verschämt stotterte sie: „Laila.“
Der Prinz nahm einen Beutel Gold und wollte ihn ihr in die Hand legen. Doch Laila überlegte kurz und sagte dann:
„Prinz, ich möchte lieber bei Euch arbeiten, in Eurem Schloss. Das wäre mir viel lieber.“
Dem Prinzen war das recht. Er ordnete an, Laila am nächsten Morgen abzuholen. So kam sie ins Schloss und arbeitete fortan in der Küche.
Jeden Abend wurde dort das Besteck poliert, denn es gab eine sehr, sehr große Schublade, in der das gesamte Silberbesteck lag. Es wurde nur selten benutzt – immer wieder poliert und zurückgelegt. Doch jedes Mal, wenn Laila das Besteck polierte, ließ sie heimlich ein paar Stücke verschwinden.
Auf dem Heimweg suchte sie und fand in der Wüste einen Felsen. Dort vergrub sie das Besteck und markierte die Stelle so, dass sie sie sicher wiederfinden würde.
Das ging eine ganze Zeit lang so.
Eines Abends, als Laila ihre Arbeit beendet hatte und leise an den Türen vorbeiging, hörte sie ein Gespräch. Der König sprach zu seinem Sohn:
„Sohn Sandklar, wir haben große Sorgen. Unser Königreich ist verarmt. Wir werden unser Schloss verkaufen müssen. Uns bleibt keine andere Wahl.“
Der Prinz war sehr, sehr traurig.
Einige Tage später bat Laila den Prinzen:
„Ich möchte gern wieder auf den Wochenmarkt gehen und dort meine Krüge verkaufen.“
Der Prinz erlaubte es.
Nach einigen Wochen hörte Laila von einem kleinen Königreich, das sein Schloss verkaufen wollte. Da beschloss sie, das Silberbesteck auszugraben. Sie ging zu diesem Schloss, trat ein und begegnete König Kleinstern. Er war ihr sofort sympathisch und nahm sie auf, als wäre sie seine eigene Tochter.
Laila streckte ihm das Besteck entgegen. König Kleinstern starrte erst auf das Silber und dann auf das Mädchen.
„Ist irgendetwas nicht in Ordnung?“, fragte Laila vorsichtig.
Da erzählte der König:
„Viele Jahre ist es her. Ich war einst in eine junge Prinzessin verliebt. Wir wollten uns verloben, und genau dieses Besteck lag damals auf unseren Tischen. Doch sie verstarb – sie war schwer krank.“
Dann fragte er leise: „Woher hast du dieses Besteck?“
Beschämt senkte Laila den Blick. Doch der König sagte:
„Hab keine Angst. Ich werde dein Geheimnis bewahren.“
Da erzählte Laila von ihrem Traum, reich zu sein, und dass sie das Besteck gesammelt hatte, um sich eines Tages ein kleines, schönes Haus zu kaufen und gut zu leben.
König Kleinstern schwieg einen Moment und sagte dann:
„Ich werde dich als meine Tochter annehmen.“
Heimlich schmiedete er einen Plan und lud König Mondgroß und Prinz Sandklar in sein Reich ein. Das Schloss wurde festlich geschmückt, und natürlich folgten König Mondgroß und sein Sohn der Einladung.
König Kleinstern ließ Laila wunderschön kleiden – fast hätte er sie selbst nicht wiedererkannt.
Als das Fest begann und König und Prinz eintrafen, wurde zum Tanz aufgefordert. Wie konnte es anders sein – Prinz Sandklar bat Laila um einen Tanz. Währenddessen sagte er immer wieder:
„Du kommst mir so bekannt vor.“
Da sprach König Kleinstern:
„Das ist meine Tochter. Sie hat in meinem Auftrag gehandelt. Wir hörten, dass euer Schloss verkauft werden soll. Nehmt meine Tochter zur Frau und lebt mit uns hier im Schloss.“
Alle waren glücklich. Der Prinz war zunächst überrascht, doch er war so verliebt in Laila, dass er alles andere vergaß.
So lebten König Mondgroß, König Kleinstern, Prinz Sandklar und Prinzessin Laila in dem Schloss. Es war zwar kleiner, doch viel gemütlicher und schöner.
Das alte Schloss wurde verkauft und alle konnten gut davon leben.
Die beiden Könige wurden Freunde und spielten jeden Abend Schach. Prinz Sandklar und Prinzessin Laila lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende.