Science-Fiction aus der Märchenwelt 🌟
Eine märchenhafte Science-Fiction-Reise in eine andere Zeit 🗃️
Müller Hans hatte einen kleinen Bauernhof und verarbeitete sein Getreide selbst. Die Mühle betrieb er eigentlich nur für sich. Gelegentlich brachten Nachbarbauern zu bestimmten Anlässen ihr Korn, doch warum er an dieser altmodischen Weise festhielt, verstand niemand so genau. Nur zu besonderen Gelegenheiten, wie dem Erntedankfest, wurde es interessant, wenn das Korn frisch und originalgetreu zu Mehl gemahlen wurde.
Müller Hans war ein bodenständiger Mann und hielt sich gerne in seiner Mühle auf. Hin und wieder hörte er seltsame Knackgeräusche, als würden sich oben im Mauerwerk Steine verschieben.
An einem Nachmittag hatte sich der Mühlstein verklemmt. Also machte er sich an die Arbeit, baute den schweren Stein aus und wuchtete ihn mit letzter Kraft heraus.
Was er darunter vorfand, schien nicht real. Unter dem Mühlstein befand sich ein seltsames Lochgebilde, über dem ein nebelartiger Schleier schwebte.
„Wie gibt es so etwas?“, schoss es ihm durch den Kopf.
Hans beugte sich in die steinrunde, erhöhte Mahlmulde hinein. Da auf einmal erfasste ihn ein gewaltiger Sog. Alles um ihn herum wurde in Nebel gehüllt, als befände er sich mitten in einem starken Windstrudel.
Müller Hans hielt unwillkürlich den Atem an. Ihm wurde schwindelig, und er rang nach Luft.
Er wurde hindurchgezogen, geschleust durch einen stürmischen Wirbelwind. Ein grelles, goldenes Licht blendete ihn – dann landete er hart.
Als er die Augen öffnete, sah er: Alles war aus Gold. Häuser, Straßen – alles glänzte in einem warmen, goldenen Schimmer.
Müller Hans versuchte aufzustehen, doch sein Körper fühlte sich schwer wie Blei an.
Goldfarbene Menschenwesen – oder?
Sie halfen ihm auf. Die Verwunderung stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.
Man führte ihn in eine große Gemeinschaftsküche, einen riesigen Speisesaal.
Die Goldianer entschuldigten sich bei ihm, dass sie ihm kein Brot anbieten konnten. Sie hatten das Lesen verlernt, und niemand erinnerte sich mehr daran, wie man Getreide anbaute.
Nur die Obstbäume außerhalb der Stadt waren geblieben.
In einer goldenen Schublade lagen Bücher – darin standen die Anweisungen, wie alles zu tun sei. Doch es fehlten ihnen die Körner zum Anbau.
Da fiel es Müller Hans wie Schuppen von den Augen – ja, wie seine eigenen Körner: Deshalb war er hier gelandet, um den Goldianern zu helfen.
Er ließ sich die Felder zeigen, die weit außerhalb der goldenen Stadt lagen und brach dalagen. Ein Fluss war in unmittelbarer Nähe – doch niemand wusste, wie man ihn nutzen konnte.
Die Goldianer erzählten Hans von einer Sage: von einer uralten Mühle, in der die goldene Schublade verborgen sei.
Da erinnerte sich der Müller wieder an das Knacken im Mauerwerk seiner eigenen Mühle.
Müller Hans versprach, so viel wie möglich zum Anbau zu bringen, und kehrte zurück. Doch eines behielt er für sich: dass er nach der goldenen Schublade suchen würde.
Wieder in seiner Mühle angekommen, machte er sich sofort daran, zwei Säcke voller Samen und guten Korns zu füllen.
Tagelang lauschte er dem Geräusch, doch diesmal blieb alles still. Vielleicht war es doch nur ein Traum gewesen.
Hans erzählte seinen Nachbarn, dass er bald auf Reisen gehen würde und für einige Zeit fort sei. Doch sie hielten ihn für einen Spinner. Wohin sollte der Müller schon gehen? Sie winkten nur ab.
Einige Tage später war Müller Hans wieder auf seinem Bauernhof, doch es ließ ihm keine Ruhe. Gegen Abend ging er hinüber zur Mühle und setzte sich auf die Heuballen.
Fast wäre er eingenickt, da geschah es: Wieder hörte er dieses Geräusch – als würden sich die Mauern bewegen. „Kratsch.“
Müller Hans blickte nach oben. Von dort kam das Geräusch.
„Eine Leiter“, schoss es ihm durch den Kopf. Doch wie sollte er eine so lange Leiter durch die schmale Tür bekommen?
Während er noch darüber nachdachte, begann sich die Mauer zu bewegen. Stein für Stein schob sich heraus – wie eine Treppe.
Müller Hans kletterte hinauf, bis zu der Stelle, an der sich die lockeren Steine befanden.
In diesem Augenblick klappten sie nach unten weg – und dahinter lag sie: die goldene Schublade, verborgen zwischen den Mauern.
Hans zog sie heraus, klemmte sie unter den Arm und kletterte wieder hinunter.
Unten sah er, dass darin Bücher und Büchlein über den Anbau von Getreide lagen. Er musste schmunzeln, denn vieles wusste er bereits – schließlich hatte er jahrelang selbst Getreide angebaut. Doch es standen auch Dinge darin, die ihm bisher noch nicht bekannt waren.
Ohne zu zögern ging Müller Hans zur Mahlmulde und gelangte durch den Nebelstrudel zurück in die andere Welt.
Die Goldianer empfingen ihn freudig. Kaum hatte er sich ausgeruht, zog es ihn hinaus auf die Felder.
Er teilte sein Wissen, erklärte, wie man den Fluss zur Bewässerung nutzen konnte, und las ihnen aus den Büchern vor.
Die Goldianer bewunderten ihn sehr, denn er war des Lesens mächtig. Hans bot ihnen an, ihnen das Lesen beizubringen – man brauche dafür nur eine Schule.
Alle nickten zufrieden.
„Doch eines fehlt noch“, sagte Hans. „Eine Mühle, damit das Korn zu Mehl gemahlen werden kann.“
Er zog eine Zeichnung seiner Mühle aus der goldenen Schublade.
Die Goldianer staunten. „Genau so eine steht hier im Wald!“
Sofort machten sie sich auf den Weg. Nach einiger Zeit erreichten sie die Stelle.
Und da sah er sie – seine Mühle.
Müller Hans verstand: Er befand sich in einer anderen Zeitebene. Seine eigene Zeit gab es nicht mehr.
Die Goldianer ernannten ihn zum Ehrenbürger. Sie schätzten ihn sehr, denn er hatte ihnen die Körner für ihr Brot gebracht – und das Wissen zurückgegeben.
Denn was bringt ein goldenes Reich ohne Gelehrte des Wissens?
Ende 🌿 ✨
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Yorum Gönder
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