Märchenwelt 🌟
In seinem Inneren trieb ihn etwas um.
Elefantensprössling Malu wollte etwas erleben, etwas anderes sehen, als immer nur mit der Elefantenherde mitzutrotten.
Er plapperte unentwegt und erzählte seiner Elefantenmutter von seiner Sehnsucht. Diese erklärte ihm, dass es hier unter den Elefanten am sichersten sei. Doch Elefantensprössling Malu wollte das gar nicht hören, nicht wahrhaben. Tief in sich dachte er: Ich bin schon groß genug!
Eines Abends, als alle fest schliefen, schlich Malu davon.
In der Morgendämmerung, noch halb müde, wäre er beinahe auf eine Schlange getreten.
„Vorsicht!“, schrie diese.
Elefant Malu sprang zur Seite, hob eines seiner Beine hoch und blickte erschrocken nach unten. Malu bekam kaum Luft, und sein Herz raste. Er brachte kein Wort heraus.
Die Schlange zischte: „Sei vorsichtig! Hier gibt es genug giftige Schlangen. Gut, dass ich ungefährlich bin.“
Da entwich Elefant Malu ein kräftiger Luftstoß aus seinem Rüssel. Langsam beruhigte er sich und folgte dem Fluss, denn wenn er durstig wurde, konnte er jederzeit mit seinem Rüssel einen großen Schluck Wasser nehmen.
Sanddünen, wohin er auch blickte. Von Weitem beobachteten ihn ein paar Erdmännchen neugierig. Doch als er näher kam, tauchten sie gleich wieder in ihre Höhlen ab. Nur ein Erdmännchen war besonders neugierig. Als es sah, dass er ein Elefantensprössling war, fiepte es kess:
„Sag mal, was machst du hier ohne deine Elefantenherde?“
Elefant Malu zuckte mit den Schultern.
„Dort ist immer dasselbe. Ich muss ständig den Elefantenschwanz meiner Mutter festhalten. Mein Rüssel hat schon einen Krampf bekommen.“
Das Erdmännchen schüttelte den Kopf und tauchte wieder ab.
Kurz schaute Elefant Malu zurück und sah in der Ferne die Elefantenherde zusammenstehen. Warum suchen sie mich nicht?, wunderte er sich.
Die Elefantenmutter hatte die Krähe Kiran, Wächter und Freund der Elefanten, beauftragt, auf ihn aufzupassen – was Malu natürlich nicht ahnte.
Elefant Malu nahm kurz Anlauf, sodass eine Sandwolke hinter ihm entstand. Dann stoppte er abrupt und trottete wieder auf den Fluss zu. Die Sonne schien heiß. Mit gesenktem Kopf tapste Malu immer weiter, ohne wirklich darauf zu achten, wohin.
Fast wäre er in ein riesiges grünes Ungetüm hineingelaufen. Plötzlich stellte sich die Schlange vor ihn. Malu trat einen Schritt zurück.
„Was ist das?“
Die Schlange Rimi erklärte zischend: „Ein Riesenkaktus. Das kann unangenehm werden, der hat ganz viele Stacheln.“
„Ah! Danke“, brachte Elefant Malu hervor.
Unweit vom Kaktus war ein Felsen, der Schatten bot. Dort schliefen Malu und Schlange Rimi ein. Noch vor Sonnenaufgang machten sie sich wieder auf den Weg.
Sie folgten weiter dem Fluss, bis dieser im Sand zu verschwinden schien. Doch Schlange Rimi wusste, dass der Fluss unter dem Sand weiterfloss und hinter den Dünen wieder auftauchte.
Elefant Malu folgte Rimi über den langen Dünenweg – müde und staubig.
Dann plötzlich – ein grünes Leuchten im Sonnenlicht.
Es roch nach Wasser und Palmen.
Seine Schritte wurden schneller. Tatsächlich – eine Oase! Wie herrlich es hier roch.
Malu sprang mit Schwung ins Wasser. So ein erfrischendes Bad tat gut. Schwupps, stand er bis zu den Knien darin.
Als er nach oben blickte, sah Malu etwas Rundes, Braunes an einer Palme hängen. Er ging aus dem Wasser und schüttelte die Palme.
Schlange Rimi riet ihm ab: „Lass das – die ist viel zu hart für dich.“
„Was ist das?“, fragte Malu.
Schlange Rimi zischte: „Eine Kokosnuss. Darin ist Milch.“
„Kokosmilch!“, rief Elefant Malu begeistert.
Jetzt wollte er sie erst recht haben und rüttelte noch mehr. Gerade als die Kokosnuss herunterfallen wollte, stürzte Krähe Kiran herab und stieß Malu zur Seite.
Elefant Malu erschrak, war aber gleichzeitig dankbar, denn sonst wäre die Kokosnuss auf seinem Kopf gelandet.
Verwundert blickte Elefant Malu die Krähe an. Diese erzählte ihm, dass seine Elefantenmutter ihn hinterhergeschickt hatte.
Eine tiefe Erleichterung durchströmte Malu.
„So, wie kriegen wir die Kokosnuss auf?“, wollte Schlange Rimi wissen.
„Nachdem sie durch den Fall einen Riss bekommen hat, mache ich einen Sturzflug und schlage mit dem Schnabel dagegen“, sagte Krähe Kiran.
Schlange Rimi mischte sich ein: „Und dann wickle ich mich fest darum und drücke so stark zu, bis sie zerbricht.“
Elefant Malu schaute gespannt zu. Es hatte sich gelohnt – nun konnten sie zu dritt die leckere Kokosnuss trinken.
Bei der Oase war es angenehm kühl zum Schlafen, sodass sie am nächsten Morgen wieder fit waren.
Elefant Malu beschloss: „Ich will zurück zur Elefantenherde.“
Erleichtert nickten sich Krähe Kiran und Schlange Rimi zu.
Gemeinsam traten sie den Rückweg an. Zwei Nächte später konnten sie schon von Weitem die Elefantenherde erkennen. Nur noch ein kleines Stück. Malu wurde immer schneller und rannte schließlich mitten in die Herde hinein.
Die Freude war groß. Elefantenmama umschlang ihren Sprössling mit ihrem Rüssel, und eine Träne der Freude glänzte in der Sonne. Sie blickte hinauf zur Krähe Kiran und trompetete laut zum Dank. Schlange Rimi schien niemanden zu stören, denn jeder wusste, dass sie ungefährlich war.
Elefant Malu plapperte los und erzählte von seinen Abenteuern und von der Oase, die sie gefunden hatten. Daraufhin beschloss die ganze Elefantenherde, zur Oase zu ziehen.
Was für ein wundervoller Ort! Dort würden sie bleiben – bei frischem Wasser und leckerer Kokosmilch.
Besonders Elefant Malu fühlte sich hier sehr wohl. Er und sein Freund Schlange Rimi wurden die besten Kokosnussknacker, die es je gab.
Und so endete diese Abenteuergeschichte.