Entstanden Ende Oktober 2024 Überarbeitet März 2026 °°°
mini-Liebesroman 💞
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Bei einem Blumenladen arbeiteten die Eheleute Huber schon jahrelang. Sie waren kinderlos geblieben, deswegen war für sie der Blumenladen ihr Ein und Alles. Jetzt, da sie alt geworden waren, beschlossen sie, eine Verkäuferin einzustellen.
Ein Zettel wurde ins Schaufenster geklebt.
Die junge Anna war gerade mit ihrer Lehre als Gärtnerin fertig und auf der Suche nach einer neuen Stelle. Beim Vorbeigehen sah sie den Zettel. Gleich ging sie hinein und stellte sich vor. Sie waren sich sofort einig, und am nächsten Tag fing Anna bei ihnen zu arbeiten an.
In den darauffolgenden Tagen bemerkte Anna, dass sie eine Wohnung suchte. Die Eheleute wussten sofort Rat:
„Hier drüben bei den Nachbarn ist eine Wohnung frei, da kannst du sicherlich einziehen.“
Abends gingen sie zu dritt hinüber, weil die Besitzer die Eheleute gut kannten. Da sie auch noch ein gutes Wort für Anna einlegten, bekam sie die Wohnung und konnte gleich am nächsten Tag einziehen.
Das freute Anna riesig, und sie bedankte sich recht herzlich bei allen.
Am nächsten Tag machte sie sich gleich daran, die Wohnung herzurichten.
Vor der Haustüre fiel ihr, an der Seite hängend, ein kleiner, weißer, altmodischer Briefkasten auf. In das Blech waren Verzierungen eingestanzt.
„Der ist ganz bestimmt schon sehr alt“, dachte sich Anna.
Im Wohnzimmer stellte sie ihre Puppenküche auf. Sie war von ihrem verstorbenen Vater. Er hatte sie ihr gebaut, als sie noch ein Kind gewesen war. Anna hatte immer gerne damit gespielt. Ihr Vater hatte immer wieder etwas daran verbessert, kleine Lichter eingebaut – bei der Küche war alles funktionell. Es gab zwei kleine Herdplatten, Küchengeschirr wie Töpfe und Teller.
Nun hatte die Puppenküche in ihrem Wohnzimmer einen Ehrenplatz erhalten.
Anna hatte ein Ziel.
Sie träumte davon, eines Tages ihren eigenen Blumenladen zu haben.
Draußen auf dem Balkon hatte Anna in den Blumenkästen die schönsten Blumen gepflanzt. Nach dem Feierabend stand sie dort gerne mit einer Tasse Tee und träumte von ihrem eigenen Blumenladen.
Beim Gießen flüsterte Anna den Blumen leise ihren Traum zu.
***
Bei ihrer neuen Arbeit im Blumenladen waren die drei in kurzer Zeit ein richtig gutes Team geworden. Noch dazu hatten die Eheleute Huber Anna in ihr Herz geschlossen.
Einmal in der Woche kam Johann, ihr Lieferant, vorbei. Er hatte eine eigene Gärtnerei. Sie kannten sich gut, denn als Junge hatte er sich gerne bei ihnen im Blumenladen aufgehalten.
Herr Huber sagte lachend:
„Ja, da kommt unser Johann. Weißt du noch, wie du als Junge immer zwischen der Tür herumgelaufen bist?“
Johann grinste über das ganze Gesicht und nickte.
In Eile sagte er:
„Es tut mir leid, ich muss wieder weiter, die nächste Lieferung wartet.“
Dabei lächelte Johann zu Anna hinüber. Eine unsichtbare Verliebtheit lag in der Luft. Die Eheleute Huber nickten sich zu.
***
So vergingen einige Jahre scheinbar wie im Flug.
Anna hatte all die Jahre gespart. Vor Kurzem hatte sie einen Blumenladen gefunden und ihr Ankaufangebot abgegeben. Es waren schon einige Wochen vergangen – das kam Anna seltsam vor.
„Das kann doch nicht sein, dass der Brief immer noch nicht da ist“, redete Anna mit sich selbst.
Sie ging noch einmal zum Briefkasten hinaus und schaute hinein – aber nichts.
Entschlossen montierte Anna den Briefkasten ab, trug ihn ins Wohnzimmer und legte ihn auf den Wohnzimmertisch. Dort rüttelte und schüttelte sie ihn.
Es brachte nichts.
Sie stellte den Briefkasten vor sich hin, da entdeckte sie doppelte Türschienen. Sie holte sich eine Lupe und erkannte einen doppelten Boden an der inneren Rückwand. Mit einem flachen Schraubenzieher schob sie das Blech von der Seite weg.
Da ertönte ein leises: „Aua!“
Anna machte große Augen. Da stand ein kleines Zwergen-Männchen und schimpfte vor sich her:
„Schau mich nicht so an! Musste das sein?“
Anna antwortete:
„Ja! Und wer bist du denn?“
Der Zwerg, der ganz bestimmt nicht größer als ein halber Daumen war, erklärte stolz:
„Ich bin der Briefwächter!“
Anna sagte erleichtert:
„Das trifft sich gut. Ich suche den Brief von der Gärtnerei Hubmaier.“
Als sie das sagte, entdeckte sie ganz flach am Deckel liegend den Brief. Sie nahm ihn heraus und las:
„Leider abgelehnt.“
Da wurde Anna sehr traurig und war enttäuscht.
„Warum hast du den Brief behalten?“, fragte sie den Zwerg.
Aufgeregt erklärte er:
„Eben darum! Es ist meine Aufgabe, Briefe mit schlechten Nachrichten zu behalten!“
Anna nickte langsam.
„Ach so. Hab verstanden.“
Besorgt fragte der Zwerg:
„Was mache ich jetzt? Ich habe kein Zuhause mehr.“
Anna nahm das Zwerg-Männchen auf ihre Hand und ließ ihn beim Puppenhaus wieder hinunter.
Freundlich sagte sie:
„Hier kannst du wohnen.“
Erstaunt bedankte sich das Zwergen-Männchen.
„Wie heißt du?“, fragte Anna.
Der Zwerg überlegte.
„Eigentlich? Briefwächter!“
Anna lächelte.
„Gut, du sollst ab heute Heinz heißen.“
°°
Es war schon spät geworden, da klingelte es an der Tür. Anna öffnete. Davor stand Johann, bis zum Kinn mit Blumenkästen beladen.
Anna wunderte sich.
„Was machst du noch so spät hier?“
Johann entschuldigte sich.
„Ja, tut mir leid, ich habe es nicht mehr geschafft. Bei mir ist es spät geworden.“
Anna winkte ihn herein.
„Komm, stell die Blumenkästen bei mir in den Gang.“
Johann stellte sie ab und sagte:
„Ich wollte die Blumenkästen nicht vor dem Laden stehen lassen.“
Anna nickte und fragte dann:
„Willst du Tee trinken?“
Johann lächelte.
"Ja, das würde ich gerne."
Sie saßen zusammen im Wohnzimmer auf der Couch. Während sie sich unterhielten, bemerkte Johann, nachdem er sich umgeschaut hatte:
„Schön hast du es hier eingerichtet. Als ich vor einem Jahr zuletzt bei meinem Opa hier war, war alles noch altmodisch eingerichtet.“
Anna war überrascht.
„Was, tatsächlich? Dein Opa hat hier gewohnt?“
Johann erzählte:
„Nach dem Autounfall meiner Eltern lebte ich bei meinem Opa. Da war ich zwölf Jahre alt.“
Anna sagte leise:„Das tut mir leid.“
Johann winkte ab.„Ist schon lange her.“
Anna lenkte ab.
„Ah, deshalb erzählen die Eheleute Huber immer von dir.“
Johann nickte.
„Ja, nach der Schule habe ich mich gerne bei ihnen aufgehalten. Mir machte es Spaß, immer zwischen der Tür hin und her zu laufen, weil mir das Klingeln so gut gefiel.“
Anna nickte.
„Ja, diese Geschichte habe ich schon mehrmals erzählt bekommen.“
Da fiel Johann das Puppenhaus auf, und er bemerkte:
„Sehr schöne Handarbeit. Man merkt gleich, sie ist selbst gemacht.“
Anna erwiderte leise:
„Genau. Die ist von meinem verstorbenen Vater. Er hat sie mir gemacht, als ich ein Kind war.“
Johann sagte betrübt:
„Oh, das tut mir leid. Was ist mit deiner Mutter?“
Anna blickte in ihre Teetasse.
„Sie ist gestorben, da war ich noch ganz klein. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass sie mit mir Fangen gespielt hat.“
Johann flüsterte nachdenklich:
„So etwas … uns verbindet wohl das gleiche Schicksal.“
Anna schwieg.
Beim Aufstehen bemerkte Johann den Briefkasten und entdeckte den doppelten Boden. Er murmelte vor sich hin:
„Das Geheimnis …“
Er erinnerte sich daran, dass sein Opa ihm immer geheimnisvolle Geschichten vom Briefkasten erzählt hatte.
Anna fragte: „Was?“
Daneben sah Johann den Brief. Er warf einen Blick darauf.
„Eine Absage.“
Anna nickte betrübt. Sie erzählte ihm von ihrem Traum, einen eigenen Blumenladen zu besitzen.
Johann sagte spontan:
„Morgen ist Sonntag, da hast du frei. Ich hole dich morgen Vormittag ab.“
Anna machte überrascht große Augen. Sie hüpfte vor Freude auf den Zehenspitzen auf und ab.
Johann sagte beschwingt:
„Überraschung!“
***
Am nächsten Vormittag war Anna total aufgeregt. Johann holte sie ab. Beim Vorbeifahren gab Johann bei den Hubers die Blumenkästen ab.
Endlich angekommen, erkannte Anna sofort eine riesengroße Gärtnereihalle.
Johann führte sie hinein und zeigte ihr alles. Sie war begeistert. Als sie von der Rückseite zur Vorderseite gingen, sah Anna einen kleinen Laden. Die Halle war direkt an das Haus angebaut worden.
Sie betraten gemeinsam den Laden. Er war klein, aber sehr gemütlich. Man konnte sogar noch den Blumenduft wahrnehmen.
Spontan plapperte Anna los. Sie fühlte sich, als wäre es bereits ihr Laden. Ihr ganzes Gesicht lächelte.
Freudestrahlend sagte Johann:
„Es soll dein Blumenladen sein!“
Gleichzeitig umarmten sich beide.
Auf der Heimfahrt machte Anna vor Freude schon Pläne, wie schön alles werden würde.
Dann fiel ihr plötzlich ein:
„Was ist mit den Eheleuten Huber?“
Johann beruhigte sie.
„Mach dir keine Gedanken. Wir erklären ihnen alles.“
***
Am nächsten Tag in der Früh standen beide im Blumenladen und erzählten ihnen alles. Die Eheleute Huber waren zwar etwas traurig, aber die Freude überwog. Sie wünschten Anna nur das Beste.
Die Eheleute sagten zu Johann:
„Pass gut auf unsere Anna auf.“
Johann nickte überglücklich.
°°°
Einige Tage später hatte Anna den Blumenladen regelrecht in ein Blumenparadies verwandelt. Gezielte stellte sie kleine Blumensträuße auf, daneben einzelne, farblich abgestimmte Blumen in kelchähnlichen Blumentrögen.
An den Wänden hingen Bilder von Seen und Bergen. Eines zeigte einen stillen See am Waldrand; nah am Wasser stand ein Hirsch – wunderbar passend zur Stimmung des Ladens.
Johann war mehr als überrascht und freute sich sehr darüber, wie Anna den Laden in eine kleine Oase verwandelt hatte. Im Laden lag wieder dieser süßliche Blumenduft in der Luft.
Anna strahlte ihm entgegen, und Johann nickte ihr anerkennend zu und legte dabei leicht seine Hand auf ihre Schulter.
Sie verliebten sich, und ihre Liebe keimte zwischen den Blumen.
Einige Zeit nach der Eröffnung machte Anna Johann den Vorschlag, die Gärtnereihalle ebenfalls für Kunden zugänglich zu machen, denn es kamen so viele Anfragen. Anna lief immer zwischen Laden und Halle hin und her.
Diese Idee fand Johann wunderbar. Dann müsste er nicht mehr so viel ausfahren, und er könnte sich einen Fahrer einstellen.
***
In der Zwischenzeit lief das Geschäft bei den Eheleuten Huber nicht mehr so gut. Zudem kam hinzu, dass der Besitzer die Geschäftshäuser abreißen lassen wollte, weil dort nun ein Einkaufszentrum entstehen sollte.
Somit mussten sie auch aus ihrer Wohnung ausziehen.
Ein paar Tage später drängelte Johann:
„Komm, Anna, wir fahren rüber zum Blumenladen der Hubers.“
Als sie mit dem Auto ankamen, sah Anna schon die Eheleute mit Koffern auf der Straße stehen, und in den Umzugswagen wurden gerade die Möbel eingeladen.
Johann stieg aus, Anna hinterher.
Johann ging auf die Hubers zu, breitete die Arme aus und rief:
„Überraschung! Die Hubers kommen mit uns!“
Dabei drehte er sich zu Anna um.
Anna schaute alle drei an und küsste Johann, ohne zu überlegen.
Beide sahen sich verliebt an.
Die Hubers nickten sich zu und bestätigten:
„Haben wir es doch gleich gewusst!“
Nachdem sich alle gegenseitig umarmt hatten, stiegen sie zu viert ins Auto.
Bei der Gärtnereihalle angekommen, wurde erst einmal der Laden begutachtet. Die Hubers waren begeistert.
Während sie so schön beieinanderstanden, rückte Johann mit einer weiteren Überraschung heraus. Er hatte nämlich heimlich seinen Bungalow, der sich hinter der Gärtnereihalle befand, für die Eheleute Huber hergerichtet – und über dem Laden die große Wohnung für Anna und ihn eingerichtet.
Alle waren freudig überrascht.
Johann fuhr die Eheleute zu ihrem neuen Zuhause. Schnell kam er wieder zurück, um endlich Anna die obere Wohnung zu zeigen.
Anna war mehr als überrascht. Das Erste, was sie erblickte, war ihr Puppenhaus – es hatte im Wohnzimmer wieder einen Ehrenplatz erhalten.
Anna blickte ihn verliebt an. Er zog sie an sich, und sie küssten sich.
Anna sagte überwältigt:
„Also wirklich, diese Überraschung ist dir gut gelungen. Alles ist wie in einem Traum.
Du, Johann, ich habe gesehen, den kleinen weißen Briefkasten von deinem Opa hast du auch draußen neben der Eingangstür aufgehängt.“
Johann erklärte lächelnd:
„Das ist in Zukunft unser Liebespostkasten, in den wir unsere Geheimnisse hineinstecken.“
Anna nickte gerührt und grinste Johann an.
***
Am nächsten Tag in der Früh saß Johann im Wohnzimmer am Esstisch und war gerade dabei, seinen Kaffee zu Ende zu trinken. Anna räumte den Tisch ab, als ihm beim Puppenhaus auffiel, dass einige Töpfe und Teller woanders standen.
Johann fragte:
„Anna, sag mal, standen diese Töpfe und Teller nicht vorher woanders?“
Anna überlegte und antwortete dann:
„Manchmal räume ich die Sachen um, einfach so.“
Johann runzelte die Stirn und nickte langsam.
In den Monaten darauf beobachtete Johann gelegentlich weitere Veränderungen im Puppenhaus. Ihm kam der Gedanke, vielleicht sei es die Seele von Annas verstorbenem Vater – doch er schwieg darüber.
Es kam öfter vor, dass Johann seine Schlüssel, besonders den Autoschlüssel, verlegte. Wenn er es eilig hatte, suchte er ungeduldig und murmelte:
„Wo könnte der Autoschlüssel nur sein?“
Genau dann, wenn er Anna fragen wollte, lag der Autoschlüssel vor seiner Nase auf dem Tisch.
Johann sagte zu Anna:
„Da ist er! Da habe ich doch schon mehrmals geschaut! Wie kann das sein?“
Anna rutschte heraus:
„Das wird ganz bestimmt Heinz gewesen sein.“
Johann runzelte die Stirn und überlegte.
„Welcher Heinz?“
Anna lenkte ab:
„Das Heinzelmännchen. Kennst du nicht das Heinzelmännchen, das dir beim Aufräumen hilft?“
Johann lächelte darüber.
„Danke, Heinzelmännchen.“
Dann umarmte er Anna und eilte zur Arbeit.
°°°°
Einige Monate später herrschte hinter der Gärtnereihalle, im Garten des Bungalowhauses, reges Treiben. Eine kleine Feier wurde vorbereitet.
Alles wurde prunkvoll mit Blumen geschmückt, Stühle wurden aufgestellt, eine Musikbox aufgebaut. Die kleine Gruppe von Mitarbeitern und das Ehepaar Huber halfen fleißig mit.
Johann hatte etwas Besonderes geplant.
Anna wurde unter einem Vorwand mit ihrer Lieblingsverkäuferin Marie weggeschickt, um – wie sie annahm – die vorbereiteten Arbeitsuniformen für die Mitarbeiter abzuholen.
Vor Wochen waren sie und Johann beim Schneider gewesen, um neue Arbeitsuniformen anfertigen zu lassen, auch für Anna und ihn.
Dort ließ Johann Anna ihr zukünftiges Brautkleid zeichnen, passenden Stoff aussuchen, und sie schmiedeten Pläne und kicherten in Vorfreude.
Was Anna nicht wusste: Johann hatte alles vorbereitet.
Die Arbeitsuniformen waren bereits geliefert worden.
Als die Vorbereitungen beendet waren, zogen auch die Mitarbeiter ihre Festtagskleidung an, die sie erhalten hatten.
Danach stand jeder von ihnen wartend mit einer Rose in der Hand.
Anna erschien.
Sie sah aus wie eine Prinzessin in ihrem wunderschönen, atemberaubenden weiß schimmernden Brautkleid – zarte Puffärmel reichten bis zu ihren Ellbogen, und bei jedem Schritt schwang es sanft mit.
Johann trug ebenfalls einen sehr eleganten Anzug.
Er nahm ihren Arm und ließ den Blick nicht von ihr abweichen. Er begleitete sie hinüber zu einem geschmückten kleinen, runden Stehtisch.
Erwartungsvoll herrschte erstaunte Stille.
Gespannt wartete jeder.
Im Hintergrund setzte leise Musik ein. In diesem Moment ging Johann auf die Knie und machte ihr einen Heiratsantrag.
Aus Annas Mund schallte es:
"Ja!"
Alle klatschten.
Hinter einer mit grünem Blumenmusterstoff überzogenen Holzgitterwand traten nun ein Standesbeamter und der Bürgermeister hervor.
Johann hatte alles heimlich organisiert, und alle waren glücklich überrascht.
Bei Anna war Marie Trauzeugin.
Die Eheleute Huber waren natürlich ebenfalls Trauzeugen.
Die Eheleute Huber bestanden darauf, dass sie ab heute mit ihren Vornamen angesprochen werden wollten.
Der Standesbeamte sagte:
„Dann kann es jetzt losgehen.“
„Somit frage ich Sie, Anna Gruber: Wollen Sie Johann zu Ihrem Mann nehmen?“
Ohne zu zögern kam ein deutliches:
"Ja."
„Johann Lieblich, wollen Sie Anna zu Ihrer Frau nehmen?“
Es folgte ein ebenso deutliches:
"Ja."
Maria und Hans stimmten als Zeugen zu und antworteten nacheinander mit „Ja“.
„Marie, stimmen Sie als Zeugin zu?“
Ein klares „Ja“ kam von Marie.
Alle Beteiligten klatschten glücklich.
Es wurde der Hochzeitswalzer getanzt.
Das Fest dieses wundervollen Abends wurde bis zum Tagesanbruch gefeiert.
Als kleines Dankeschön blieb die Gärtnerei drei Tage geschlossen. Das kam nicht nur den Mitarbeitern zugute, sondern natürlich auch Johann und Anna.
Ihre Hochzeitstage verbrachten sie auf einem kleinen, versteckten, verträumten Bauernhof.
Nach dem Trubel war das eine schöne Wohltat.
Danach ging es wie gewohnt ins Arbeitsleben zurück.
°°°°°
Schnell vergingen zwei liebevoll glückliche und zugleich arbeitsreiche Jahre.
Es war Kaffeezeit, wie jeden Nachmittag. Johann wartete auf Anna.
Als sie hereinkam, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, verkündete sie gleich:
„Johann, ich bin schwanger.“
Überglücklich umarmten sich die beiden. Johann tanzte vor Freude mit Anna durchs Wohnzimmer und rief:
„Wir werden Eltern!“
Ab diesem Moment achtete Johann besonders gut auf Anna. Auch Marie, ihre beste Freundin, beauftragte er, auf Anna aufzupassen.
Maria und Hans, die sonst nur gelegentlich kamen, wenn viel zu tun war, schauten nun jeden Tag vorbei, um nach dem Rechten zu sehen.
Oben in der Wohnung nahmen die drei Anna tagsüber vieles ab.
Abends war Johann da, der Anna liebevoll umsorgte.
An den Abenden, an denen es bei Johann spät geworden war und es in der Wohnung ganz still wurde, lag der kleine Heinz bei Anna und lauschte an ihrem Bauch. Innerlich wünschte er sich, es möge ein Mädchen werden.
Die Zeit verging schnell. Johann wollte unbedingt die letzten Wochen ganz bei Anna sein.
Er schickte alle in den Urlaub.
Ein Schild hing im Laden, das manchen zum Schmunzeln brachte:
Urlaub
Für unbestimmte Zeit geschlossen.
Johann kontrollierte und inspizierte noch einmal alles in der Gärtnereihalle. Ein kleines Holzhäuschen, das sein verstorbener Onkel einst dort aufgestellt hatte, hatte er schon lange keiner Beachtung mehr geschenkt. Ein Samenpäckchen und eine Schere lagen darin, verschiedene kleine Tierfiguren standen verstreut herum, dazwischen ein paar Spielfiguren.
Er nahm eine in die Hand. Dabei bemerkte er, dass das Dach schief hing, und holte Nägel und Hammer. Doch der Nagel schlug schief ein – das Holz war bereits morsch.
Ein Wispern aus dem Inneren des Dachstuhls konnte Johann irritiert hören.
Verärgert schimpfte eine feine Stimme:
„Musste das sein?!“
Als Johann hineinblickte, sah er ein kleines Wesen, dessen Rock vom Nagel festgehalten wurde.
„Das muss doch ein Traum sein“, dachte Johann, während er sie behutsam befreite.
Verwirrt und verwundert nahm er das kleine Mädchenwesen auf und steckte es vorsichtig in seine Jackentasche.
Oben in der Wohnung holte er sie behutsam hervor. Auf seiner flachen Hand saß sie.
Johann lachte verschmitzt.
„Jetzt weiß ich es. Jetzt verstehe ich dein Geheimnis.“
Das Heinzelmännchen schaute sofort neugierig herüber.
Johann setzte das Heinzelmädchen beim Puppenhaus ab. Die beiden kleinen Wesen fielen sich wortlos in die Arme – und wurden unsichtbar.
Als sie langsam verschwanden, schien es, als hörten Anna und Johann einen leisen Hauch wie von einem Glöckchen.
Beide sahen sich an, ob sie es wirklich gehört hatten.
Johann nickte langsam. Sanft schob er Anna in Richtung Schlafzimmer. Die letzten drei Schritte eilte er voraus, um das Kissen aufzuschütteln und die Bettdecke zurückzuschlagen. Er half Anna ins Bett, denn in ihrem hochschwangeren Zustand fiel es ihr schwer, sich alleine hinzulegen.
Sie gaben sich noch ein Küsschen und lächelten sich glücklich an.
In der Nacht weckte Anna Johann.
„Es geht los!“
Alles ging ruckzuck. Die vorbereitete Tasche stand im Flur gepackt bereit. Als Johann den Kofferraum öffnete, lag darin ebenfalls eine vorbereitete Tasche. Er grinste.
„Sicher ist sicher!“
Er half Anna auf den Rücksitz und fuhr rasch, aber vorsichtig los. Schnell erreichten sie das Geburtshaus.
Natürlich kam Johann mit.
Zur Frühstückszeit wachte Anna neben dem Baby, der kleinen Lisa, auf.
Die Stationsschwester bemerkte schmunzelnd:
„Ihr Mann kommt auch gleich aus dem Vaterzimmer.“
Anna sah sie fragend an.
„Ihr Mann hat sich ein Bett im Nebenzimmer genommen. Er hat darauf bestanden.“
In diesem Moment glitt Johann mit einem feinen Lächeln ins Zimmer.
Die Stationsschwester mahnte freundlich:
„Das war aber nur ausnahmsweise für diese Nacht!“
Behutsam schob Johann das Kinderbett mit der kleinen Lisa neben sich her und nahm Anna am Arm, um mit ihr in den Frühstücksraum zu gehen.
***
Eine Woche später zu Hause verwöhnte Johann seine beiden.
Auch die Hubers und ihre beste Freundin Marie ließen es sich nicht nehmen, ihnen fast alles abzunehmen.
Anna war eine liebevolle Mutter. Draußen mit dem Kinderwagen kam es regelrecht zu einem kleinen Gerangel, und Johann übernahm stolz den Wagen. Anna schüttelte innerlich den Kopf und dachte bei sich:
Schade, dass das Heinzelmännchen das nicht sieht.
Ein paar Wochen später beobachtete Anna aus dem Fenster, wie Johann ein Schaukelgestell aufstellte.
Sie öffnete das Fenster und rief hinunter:
„Johann, das ist doch noch zu früh! Sie ist doch noch ein Baby!“
Johann zuckte mit den Schultern.
„Die Zeit geht so schnell vorbei. Außerdem baue ich daneben am Baum noch eine breite Eltern-Holzschaukel. Dann können wir die Kleine auf unserem Schoß schaukeln.“
Dabei pfiff er fröhlich vor sich hin.
Anna schüttelte lächelnd den Kopf und freute sich darüber.
Auch die Heinzelmännchen beobachteten das Geschehen.
„Dann können wir auch mitschaukeln!“, riefen sie mit feinen Stimmen.
Daraufhin nickte Anna ihnen zu.
°°°°°°
Anna war mit ihrer kleinen Tochter Lisa im Blumenladen. Wie gerne hielt sich die Kleine dort auf. Zwischen duftenden Rosen und bunten Sträußen fühlte sie sich sichtlich wohl. Auch ihre beste Freundin Marie war da und half beim Binden der letzten Sträuße.
Manchmal, wenn Anna in die Gärtnereihalle eilte, hüpften die beiden Heinzelmännchen heimlich in Annas Schürzentasche. Dort gab es fast immer etwas zu tun. Sie liebten es, kleine verlorene Dinge wiederzufinden oder eine heruntergefallene Schere unbemerkt zurückzulegen. Niemand bemerkte es – außer Anna, die manchmal ein leises Kichern wahrnahm.
An diesem Tag jedoch hatte Anna ein Geheimnis, das sie heute lüften wollte.
Johann kam gerade zum Ladenschluss herein. Er trat an den Tresen und sah Anna an.
Sie strahlte über ihr ganzes Gesicht.
Johann bemerkte es natürlich sofort.
„Anna, ist unsere Kleine wieder gelaufen und ich habe es verpasst?!“
Anna schüttelte den Kopf, ihre Augen strahlten vor Freude.
„Noch nicht. Johann… ich bin schwanger. Mit Zwillingen!“
Für einen Moment war es ganz still im Laden.
Dann fiel Marie Anna lachend um den Hals.
Johann stand da wie angewurzelt – und im nächsten Augenblick sprang er vor Freude.
„Zwillinge! Wie schön!“
Da holte er Luft: „Dann brauchen wir noch eine Schaukel!“
Anna musste schmunzeln, und alle lachten herzlich.
Als hätte sie gespürt, dass etwas Besonderes geschah, begann die kleine Lisa genau in diesem Moment ein paar sichere Schritte zu laufen. Sie quietschte fröhlich und plapperte, als hätte sie verstanden, worum es ging.
Die Wochen vergingen ruhig, aber voller Vorfreude.
Johann ließ es sich nicht nehmen, Anna besonders zu umsorgen. Auch Marie und die Eheleute Huber halfen, wo sie konnten, und nahmen ihr vieles ab.
Oft blieb Anna vor dem Spiegel stehen. Auch an diesem Abend strich sie über ihren wachsenden Bauch und lächelte still vor sich hin. Johann umarmte sie von hinten; gerade noch reichten seine Hände um ihren Bauch. Er nickte beruhigend.
Und auf Annas linker Schulter saßen – fast unsichtbar – die beiden Heinzelmännchen und nickten ebenfalls.
Drei Monate später hatte Johann einen Wohnwagen besorgt.
Die Gärtnerei blieb geschlossen.
Auf dem Schild stand:
Drei Wochen Urlaub.
Die kleine Lisa war in dieser Zeit bei Oma Maria und Opa Hans.
Marie übernachtete meistens bei ihnen. Sie hatten sich so sehr angefreundet, dass Marie schließlich ganz bei ihnen einzog. Der Bungalow war groß genug – und Marie war ihnen wie eine Tochter geworden.
Johann stand bereits mit dem Wohnwagen vor dem Geburtshaus. Als die Zwillinge Rosalie und Florian zur Welt kamen – ein Zwillingspärchen – wie schön.
Wieder zu Hause war alles ein wenig stiller als sonst. Zwei kleine Bettchen standen nebeneinander.
Lisa lief zu den Zwillingen, die in ihren Bettchen lagen, und plapperte leise zu ihnen hinein.
Die Zwillinge schliefen friedlich.
Und kaum merklich begannen die Bettchen sich sanft zu bewegen.
Die Heinzelmännchen ließen die Wiegen behutsam schaukeln – so vorsichtig, dass es wie ein Hauch wirkte.
Anna entdeckte es eher zufällig.
Als eines der Babys hungrig aufwachte.
°°°°°°°
Die Monate vergingen …
Unten im Garten war es schön anzuschauen, wie Lisa, Rosalie und Florian gemeinsam auf einer großen Decke im Gras saßen.
Anna saß auf der Elternschaukel und träumte vor sich hin. Johann kam herbei, hinüber zum Baum, und blieb vor Anna stehen. Er nahm ihre Hand. Glücklich blickten sie sich an.
Anna rückte ein Stück zur Seite, Johann setzte sich zu ihr, und gemeinsam beobachteten sie ihre drei Kleinen auf der Decke.
Oma Maria, Opa Hans und Marie kamen ebenfalls dazu. Alle zusammen machten sie ein Picknick. Fröhliches Lachen erfüllte den Garten.
***
Im Blumenladen hatte Johann ein kleines Häuschen aufgebaut, in dem Lisa besonders gerne spielte. Die Zwillinge liefen fröhlich zwischen dem Häuschen und der Blumentheke hin und her, wenn sie nicht gerade im Zwillingswagen saßen.
Anna trug die beiden Heinzelmännchen in einem Strohkorb, in dem ein Kissen lag, vorsichtig hinunter in den Blumenladen, um sie beim Häuschen herauszuholen – denn sie gehörten ganz selbstverständlich dazu.
Im Sommer im Garten wechselten sich Anna und Marie ab, um Lisa auf der Schaukel anzuschubsen. Oft kamen auch Oma Maria und Opa Hans vorbei.
Als die Zwillinge größer wurden, spielten alle drei Kinder begeistert beim Häuschen. Sie waren ganz in ihrem Element – und die Heinzelmännchen waren täglich bei ihnen.
Anna lebte ihren Traum. Sie hatte ihren Blumenladen, den sie sich immer gewünscht hatte, die Liebe ihres Lebens – und drei wunderbare Kinder.
Es war Feierabend. Anna schaute zu ihren drei Kindern hinüber und dachte bei sich, dass sie sich keine Sorgen machen müsse. Die Heinzelmännchen würden immer da sein – auch dann, wenn sie selbst einmal nicht mehr da sein würde.
Johann kam herein. Er sah ihre Träne und wischte sie ihr sanft aus dem Gesicht. Beide umarmten sich und blickten überglücklich auf Lisa, Rosalie und Florian, die gerade auf sie zugelaufen kamen. Liebevoll umarmten sie sich alle.
Da stand Anna nun in ihrem Traumladen, mit der Liebe ihres Lebens und ihren drei wunderbaren Kindern – ein Gefühl von Liebe und Glück, das sie tief im Herzen erfüllte und ein Leben lang begleiten würde.
Ende