Märchenwelt 🌟
Die kleine hungrige Knabberraupe wurde nie satt. Sie aß ein Blatt nach dem anderen. Die kleine hungrige Knabberraupe, die von allen Nele genannt wurde, war plötzlich verschwunden. Aufgeschreckt schrien ihre Freunde und suchten den ganzen Baum ab. Das Eichhörnchen und die Amsel durchsuchten jedes der übrig gebliebenen Blätter – nichts!
Die Amsel bekam einen Schreck. Nicht, dass ihre Freundin, die Knabberraupe Nele, heruntergefallen war! Sofort stürzte sie hinunter zu den Ameisen, die gerade dort entlangmarschierten. Die Amsel beschuldigte sie, Nele weggenommen zu haben.
„Habt ihr sie?“, schrie die Amsel.
Die Ameisen blickten nacheinander nach hinten und schüttelten wie aus einem Kopf ihre Köpfe, bevor sie schnell weiter marschierten. Die Amsel suchte unten um den Baum herum alles ab. Wieder nichts. Die Amsel und das Eichhörnchen suchten auch die gesamte Rinde ab.
Als sie wieder oben ankamen, kam Spatz Rudi vom Baum gegenüber herübergeflogen.
„Was verbreitet ihr hier für eine Unruhe! Drüben versuchen unsere Vogelfrauen zu brüten.“
Aufgeregt plapperten die beiden durcheinander: „Unsere kleine hungrige Knabberraupe Nele ist verschwunden!“
Spatz Rudi spähte mit seinen scharfen Augen durch die Äste und blickte nach unten auf seinen Ast und hinüber zum gegenüberliegenden Zweig. Dort hing am Ende eines dünnen Astes etwas Braunes, Dickes. Der Spatz flog hinüber, hielt sich seitlich an dem Zweig daneben fest und klopfte sehr vorsichtig gegen das längliche, breite Ding. Dann hob er den Kopf.
„Das ist ein Kokon. Eure Knabberraupe Nele ist jetzt in ihrem Kokon. Da werdet ihr wohl bis zum Frühling warten müssen, bis sie zu einem Schmetterling wird.“
„Unsere Nele – ein Schmetterling?“, staunten die beiden.
Ungeduldig, aber immer mit einem Auge auf den Kokon gerichtet, machten sie sich wieder an ihre Arbeit.
Im Frühjahr saß Nele traurig da und hielt ihren Kokon fest umklammert. Eichhörnchen und Amsel sahen sie – und auch, wie schön sie gelb leuchtete. Sie bemerkten, wie Nele ihren Kokon festhielt, und fragten, warum.
Traurig sagte Nele: „Ich kann nicht wieder in mein Zuhause zurück.“
Da kam eine Spinne und beruhigte sie. „Komm, ich spinne dir deinen Kokon nah am Baumstamm an einen Ast.“
Langsam ließ Nele los und beobachtete alles ganz genau. Nun sah sie die Blicke, die auf sie gerichtet waren. Da blickte sie an sich hinunter, betrachtete ihre Flügel und bemerkte:
„Ich bin ein Zitronenfalter!“, rief sie erfreut.
Alle freuten sich mit ihr. Zitronenfalter Nele tänzelte und flatterte im Sonnenlicht zwischen den Ästen des Baumes. Und so kam es, dass man den Kokon im Wind noch lange sanft hin und her schaukeln sah.