30 Eylül 2025 Salı

Kutto Krimi 🕵️‍♂️ KKR 003

Zur Zentrale

Mit Hubert zur Zentrale. Sie stiegen in seinen alten, beigefarbenen Bentley – ein langgezogenes britisches Modell aus den 50ern, mit glänzenden Holzarmaturen und weichen Ledersitzen.

Kutto bemerkte stirnrunzelnd:
„Den hast du immer noch?“

Hubert schmunzelte:
„Von alten Sachen trennt man sich ungern.“


In der Zentrale der NCA – National Crime Agency – Cold Case Unit:

Ein kleiner Raum, vollgestellt mit Schreibtischen. Nur Huberts Platz war durch eine Seitenwand etwas abgeschirmt.

Kutto murmelte mürrisch:
„Du hättest besser ein eigenes Zimmer.“

Hubert entgegnete gelassen:
„Nö, ich brauch Menschen um mich herum.“

Kutto abwehrend:
„Ich brauche niemanden.“

Hubert blieb ruhig, aber bestimmt:
„Doch. Du brauchst uns – sonst kannst du den Fall nicht aufklären!“

Kutto sinnierte, kurz war es still. Dann murmelte er:
„Gut... Dann legen wir los.“

Er fuhr fort:
„Weißt du noch – den Chip, den die Sondereinheit damals einbehalten hat? Den brauchen wir!“

Hubert voller Vorfreude:
„Ha! Lass mich nur machen!“

Nach ein paar Telefonaten hielt er schließlich einen Schlüssel in der Hand, den ein Polizeibote gebracht hatte – grinsend schwenkte er ihn vor Kuttos Nase hin und her.

Kutto fixierte ihn sofort.

Red-Room – Sonderarchiv

Hubert sagte locker:
„So, jetzt ab ins Archiv.“

Neben ihnen stand ein Archivrollwagen mit einem Stapelkorb. Gemeinsam durchsuchten sie die Unterlagen. In Plastikbeuteln lagen die Beweisstücke:

– der Chip
– der Dartpfeil
– und obendrauf: die frisch eingetütete Mundharmonika.

Jetzt konnte es losgehen – zurück an Huberts Schreibtisch, wo bereits zwei riesige Tassen schwarzen Tees warteten. Kutto griff schweigend zur Tasse. Für einen Moment verharrte er stumm. Die Erinnerung an seinen Bruder ließ ihn kurz innehalten.


Mario und sein Fall

Mario, der Bruder von Kutto, war fünfzehn Jahre älter als er.

Die Eltern, beide Altertumsforscher, waren bei einer Expedition an einer seltsamen Krankheit gestorben. Seitdem war Mario seine wichtigste Bezugsperson.

Mario arbeitete bei der Geheimpolizei und gleichzeitig als Mittelsmann an der Börse – in Zusammenarbeit mit seinem Bruder und der ISE. Er kannte viele Strohmänner und Handlanger.

Irgendwann hatte er keine Lust mehr und arbeitete nur noch als Börsianer.

Sein bester Freund Persy, ein Buchmacher, den Mario schon lange kannte, geriet in Bedrängnis. Persy traf sich mit ihm in einem kleinen Revier-Club, weil er die schmutzigen Mafia-Geschäfte der „Glatzkopfmänner“ ausführen musste, die von Piton beauftragt wurden. Die Mafiamänner erpressten ihn mit seinen drei kleinen Kindern. Persy wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis auch er dran wäre.

Daraufhin informierte Persy Mario über die Machenschaften: Piton hatte ein verstecktes Lager mitten auf einem alten, verlassenen Industrieplatz, wo Drogen und gewaschenes Geld lagerten.

Persy musste alle Buchungen frisieren. In dem kleinen, unscheinbaren Revier-Club schob er Mario unbemerkt eine Münze mit einem Chip darin zu.

Mario steckte die Münze sofort in seinen Schuhabsatz.

Er kannte keine Angst und ließ sich nie erpressen, zumal er wusste, dass sein Bruder von der Elite-Sondereinheit hinter ihm stand.

Deshalb ersannen Piton und Professor Rupert einen Plan.

Sie kannten Marios Gewohnheiten und wussten, dass er gutmütig bei Straßenmusikanten immer Geld gab – das wollten sie jetzt für sich ausnutzen.

Spätabends, als Mario auf dem Nachhauseweg war, rief Persy ihn an und bat ihn, sich in einer versteckten Gasse zu treffen.

Am verabredeten Ort bemerkte Mario zunächst nur den am Boden sitzenden Mundharmonika-Spieler. Er hielt inne, hörte zu und wollte ihm Geld geben. In diesem Moment nutzte Piton die Gelegenheit: Er warf aus der Entfernung einen Spezial-Dartpfeil in die Seite von Marios Hals – Mario war sofort tot.

Ein Spaziergänger, der das Mundharmonika-Spiel gehört hatte, wurde später Zeuge.

Dank der Beweise auf dem Chip konnten die Ermittler das versteckte Lager ausheben – einen alten, stillgelegten Industriehafen außerhalb der Stadt namens Graymoor Harbour.

Piton schwor Rache an Kutto.

Damals wurden die Beweismittel einbehalten, und Kutto erfuhr erst später davon.

An jenem Tag, an den sich Kutto nur schemenhaft erinnern konnte, hatte Hubert alles so vorbereitet, dass Kutto nur seinen Bruder abgedeckt vorfand. Auf Kuttos Verlangen wurde das Gesicht seines Bruders kurz aufgedeckt.

Was danach geschah, war wie vernebelt. Kutto tauchte unter, niemand wusste, wo er war. Er schied nie offiziell aus. Nur einer konnte ahnen, wo Kutto sich aufhielt – Hubert. Doch der würde es niemals verraten.

Als Kutto nach Monaten wieder auftauchte, hatte er keinen Zugang mehr.

So fasste er den Entschluss, als Detektiv zu arbeiten.


Pitons Machenschaften

Persy, der arme Kerl, wurde drei Tage später auf einer verlassenen Baustelle entdeckt – aufgehängt an der Zacke einer Baggerschaufel. Jeder der Ermittler ahnte, dass Piton und seine Männer dahintersteckten, doch sie konnten es nicht beweisen.

Danach schickte Piton monatelang seine Schlägertrupps los, die gezielt Polizeiclubs angriffen. Mit ihren Spezial-Schlagtechniken wurden die Polizisten brutal zusammengeschlagen. Nur in seltenen Fällen kamen dabei Menschen ernsthaft zu Schaden – aber die Botschaft war klar.

Piton, der Abtrünnige, war unter den alten Mafiabossen längst abserviert. Keiner von ihnen wollte noch etwas mit ihm zu tun haben. Er selbst verzichtete auf Schusswaffen. Nur er und seine engsten Männer trugen speziell angefertigte Dartpfeile, die nur auf direkte Anweisung eingesetzt wurden.

Unauffällig trat Piton in gewohnter Mafiamanier auf – stets modisch gekleidet, in teuren Anzügen, getarnt als der größte Geschäftsmann.

Rupert – der Drogenprofessor, wie ihn die Mafiabosse nannten – war damals gerne gesehen. In dubiosen Unterschlupfen, getarnt als Übergangsheime, untersuchte er gezielt Jugendliche ab sechzehn, die kaum Chancen hatten. Geschundene Seelen, die dankbar waren, wenigstens keine weiteren Übergriffe mehr erleiden zu müssen.

Er war ihr Mentor. In seinem versteckten unterirdischen Tunnelsystem ließ Rupert sie scheinbar frei entscheiden. Doch sie mussten ihm einen Kodex schwören: Falls er sie jemals brauchen würde, schuldeten sie ihm einen Gefallen. Über Jahre experimentierte er mit seiner speziellen Injektionsformel, die sie willenlos und gefügig machte. Langsam starb bei den Anhängern auch der Haarwuchs ab – so entstand die Glatzkopfmafia.

In ihrer Mitte: Piton. Damals ein 9- bis 10-jähriger Junge ohne Identität, ohne Erinnerung, aber von kräftigem Körperbau. Sein rechtes Auge hatte er bei einem Seeunglück verloren – an das er sich jedoch nicht mehr erinnern konnte.

Rupert war besessen davon, das größte Mafia-Imperium der Welt aufzubauen. Zwar war er Mentor für Piton, doch im Grunde war er ihm untergeben.

Jahrelang formte Rupert ihn nach seinen Vorstellungen.

Niemand wusste, wer Rupert wirklich war. Niemand kannte seinen wahren Namen. Doch durch Piton war er nun der wahre Drahtzieher im Hintergrund geworden – sein Werkzeug: der Mafiaboss Piton.

Rupert erschuf immer neue Drogen – kleine, unauffällige Pillen mit verschiedenen Geschmacksrichtungen. Sie machten nicht auf herkömmliche Weise süchtig, sondern weckten einfach nur Lust auf mehr, ohne dass es jemand sofort bemerkte. So beeinflussten sie die Konsumenten langsam körperlich und geistig.

Gerade in hohen Kreisen – bei Politikern und im Sportbereich – wurden diese unscheinbaren Pillen schnell beliebt.

Durch seine manipulierten Anhängern arrangierte Rupert die Geschäfte geschickt. Niemand ahnte, wer wirklich hinter allem steckte.

Erst Jahre später traten die Folgen zutage: Unerklärliche Krankheiten, plötzliche Herzinfarkte, einige wurden sogar geisteskrank. Doch damals war es schwer, den Zusammenhang nachzuweisen.


Im Zentralrevier über den Unterlagen

Hubert ließ an seinen Schreibtisch einen weiteren Tisch heranschieben und winkte zwei ältere Kollegen herbei. Gemeinsam begannen sie zu viert, die Akten durchzugehen.

Stunden später saßen nur noch Kutto und Hubert über den Unterlagen. Kutto war inzwischen so nah an die Papiere herangebückt, dass Hubert schmunzelnd den Kopf schüttelte und ihn ermahnte:
„Wenn du so nah dran bist, brauchst du bald noch eine Brille!“

Kutto zog wortlos eine Brille an einer feinen Umhängekette aus seiner Hosentasche und setzte sie auf. Hubert schwieg zunächst – er kannte Kuttos Eitelkeit nur zu gut. Doch lange hielt er sich nicht zurück:
„Eine Brille? Die steht dir aber gut.“
Kutto schob sie mit dem Finger auf der Nase zurecht:
„Die ist nur zum Lesen. Damit ich die Buchstaben besser sehen kann.“

Er vertiefte sich erneut in die Akten. Nach einer Weile schaute er sich die Beweisgegenstände noch einmal an und griff hinüber.

Hubert neckte ihn:
„Du siehst aus wie eine Klapperschlange vor dem Angriff.“

Kutto drehte den Dartpfeil vor sich hin und entdeckte eine winzige Gravur. Sofort ließ er sie im Labor untersuchen: Ein „P“. Pitons Dartpfeil.

Damit erwies sich die Mundharmonika nun endgültig als das perfekte Lockmittel, mit dem sein Bruder hereingelegt worden war. Damals, vor Jahren, fehlten den Ermittlern noch die heutigen technischen Möglichkeiten. Erst jetzt kamen diese kleinen Details ans Licht.

In den Akten fanden sie auch die dokumentierten Bilder vom alten, stillgelegten Industriehafen Graymoor Harbour. Jahrelang unbenutzt – mitten darin eine große Lagerhalle, durch angrenzende Lagereinheiten gut versteckt. Dort, wo die alten Werftanlagen ins Niemandsland übergingen.

Bilder von riesengroßen Füllfässern und dem breiten, verrosteten Tor mit der Kennzeichnung Block 17. Seltsamerweise fanden sich keinerlei Spuren – keine Fuß- oder Handabdrücke, nicht einmal Reifenspuren auf dem engen Kiesgelände davor.

Gegen Ende blieben nur noch drei rote Pappmappen übrig. Kutto war längst übermüdet, während Hubert sich die Beine vertrat.

In einem Zeitungsartikel stieß Kutto auf ein altes Bild: Flüchtlingskinder, in Decken gehüllt, sitzend in einem Rettungsboot. Damals war Kutto mit seinem Bruder bei den Ermittlungen dabei gewesen. Der Fall war später ergebnislos versandet.

Auf dem Foto fiel Kutto ein Junge besonders auf: ungewöhnlich muskulös, mit einem Verband über der rechten Gesichtshälfte. Ein Gefühl beschlich ihn – irgendetwas kam ihm bekannt vor. Danach steckte er den zusammengefalteten Zeitungsausschnitt in sein Ledertäschchen.

Hubert kehrte mit zwei Tassen Mokka zurück, setzte sich wieder zu ihm – gemeinsam arbeiteten sie sich durch die restlichen Akten.


Im Waggon von Kutto

Die beiden Jungen warteten erwartungsvoll im Waggon.

Kutto und Hubert wirkten noch etwas ermüdet – sie hatten die Nacht über in den Revierbetten bei der Zentrale verbracht. Kutto ging voran und betrat den Waggon, Hubert folgte ihm.

Hubert sagte trocken:
„Keine Spur von Piton.“

Kutto ballte ärgerlich die Fäuste in seinen Hosentaschen und knirschte mit den Zähnen:
„Piton darf nicht entkommen!“

Pit und Jo setzten sich auf die Bank. Hubert stand seitlich neben ihnen – mit seiner breiten, kräftigen Gestalt, den dunklen, kurzen Haaren, dem rundlichen Gesicht und dem verschmitzten Ausdruck auf den Lippen. Er war bestimmt eineinhalb Köpfe größer als Kutto und trug ein modisches Jackett, das bis zum Po reichte.

Pit, sichtlich angespannt, fragte:
„Was ist Piton eigentlich für ein Typ?“

Kutto antwortete sofort:
„Piton ist schon als Mafiaboss geboren!“

Hubert nickte zustimmend.

Kutto, inzwischen auf der Bank gegenüber, holte eine selbst zusammengestellte Aktenmappe hervor – darin alte, verblasste Zeitungsausschnitte.

Piton als Bodybuilder-Kind, neun bis zehn Jahre alt, mit Glasauge auf der rechten Seite – in Zusammenhang mit einem Doping-Skandal im Jugendbereich. Wie so oft konnte nichts nachgewiesen werden. Nur der Name Piton tauchte auf. Nichts Handfestes, nur Gerüchte, die von der Presse aufgebauscht wurden. Und dann verschwand er spurlos.

Auf einem anderen Zeitungsabschnitt wurde ein Jugendlicher als jüngster Mafia-Boss bekannt – Piton. Ihm konnte jedoch nichts nachgewiesen werden, denn seine Männer, allesamt ebenfalls Jugendliche, nahmen die Schuld auf sich.

 Pit nachdenklich:
„Wie kann das sein?“

Kutto erklärte:
„Alle mit Glatze sehen ähnlich aus. Für Zeugen sehen alle gleich aus. Der sagt: ‚Der war’s.‘ Der Verdächtige schweigt – wenn überhaupt sagt er nur: ‚Ich war es.‘ Da sind einem die Hände gebunden!“

Kutto nahm aus seiner Hosentasche ein Bild aus seinem Ledermäppchen und legte es wortlos daneben.

Sofort fiel allen im Raum die Ähnlichkeit auf.

Pit entdeckte eine schlanke Gestalt ganz im Hintergrund, halb abgeschnitten auf dem ersten Bild – doch dieser moorfarbige Kittel! Auf dem anderen Foto war er besser zu erkennen, das modisch vermummte Gesicht – wieder dieser moorfarbige Kittel. Das war doch dieser verrückte Professor.

Pit hatte ihn sofort erkannt – es war der Mann, den sie damals bei der Rettung ihrer Oma gesehen hatten.

Da wurde Kutto einiges klar.

Piton war mit den neuesten Pillen im Rauschgifthandel unterwegs – mit Hilfe des verrückten Professors. Dieser Professor hatte Piton groß gemacht, er war der wahre Drahtzieher hinter allem!

Dann pinnte Kutto die Artikel an die Wand.

„Wenn ich Piton erwische“, sagte er, „lege ich von meinem Bruder eine seiner Zigarren auf seinen Bilderrahmen.“ Dabei blickte er zum Tisch, auf dem einige Zigarrenschachteln lagen, und klopfte mit seiner Pfeife darauf.

Nach dem Vorfall mit Piton zogen sich Kutto und Hund Hektor in die Jagdhütte seines Bruders Mario zurück – auf die sogenannte Bäreninsel, wie Hubert sie nannte. Man konnte sie nur mit dem Hubschrauber erreichen. Von oben sah sie aus wie ein Bärenkopf.

 

Kutto Krimi 🕵️‍♂️ KKR 004

Ring – Geheimnisvolle Spuren

Jo saß mit angewinkelten Beinen auf dem Couchrand, den Kopf betrübt gesenkt. Pit warf ihm einen besorgten Blick zu – auch Kutto entging das nicht.

„Was ist los?“, fragten beide fast gleichzeitig.

Jo antwortete leise mit gesenktem Blick:

„Ich bin vor zwei Wochen achtzehn geworden … und musste meinen Geburtstag ohne unsere Oma feiern.“

Pit und Kutto schauten sich an. Dann ging Pit die wenigen Schritte zu Jo hinüber und legte ihm mitfühlend die Hand auf die Schulter.

Währenddessen hob Kutto eine durchsichtige Tüte hoch, in der ein kleiner Gegenstand lag:
„Schaut mal, was mir Hubert gebracht hat. Das hier wurde jetzt endlich von der Asservatenkammer freigegeben – der Ring, den man damals an der Fundstelle am Meer entdeckt hat.“

Pit fuhr sichtlich aufgeregt hoch:
„Warum erst jetzt?“

Kutto zuckte die Schultern:
„Bei wichtigen Beweisen dauert das manchmal. Dann heißt es: Spezialuntersuchung … oder sie wissen einfach nicht weiter.“

Er zog ein Stofftaschentuch hervor und legte den Ring vorsichtig hinein.

„Seht euch das an – da ist ein Monogramm eingraviert. Bisher konnte es niemand entziffern.“

Alle drei versammelten sich um den Fund. Pit holte eine Lupe, beugte sich darüber und runzelte die Stirn:

„Diese Schrift kenn ich … eine alte Urschrift, noch von vor Omas Zeit. Mein Vater hatte ein Buch mit solchen Zeichen – er hat sie mir erklärt. Das ist ein R mit einem P – doppelt graviert.“

Kutto nickte sofort:
„‚P‘ wie Piton.“

Pit überlegte kurz, dann weiteten sich seine Augen:
„Warte mal … dieses Zeichen … das kommt mir bekannt vor. Genau dieses! Das haben wir doch mal im Stadtpark von Greenwich gesehen – eingestanzt in die Rinde vom alten Lindenbaum!“

Im Waggon, gleich bei der Tür, wurde Hund Hektor unruhig. Seine Ohren zuckten aufgeregt auf und ab, als würde er auf ein Zeichen warten.

Kutto zog sich eine Umhängetasche über die Schulter – gefüllt mit wichtigen Ermittler-Utensilien.

Er machte eine winkende, auffordernde Handbewegung in Richtung Tür. Und rückte sein Cap zurecht.

Dann gab er das ersehnte Kommando:
„Na los, Hektor, alter Kumpel – auf geht’s!“

Erleichtert jaulte Hektor vor Freude – und sprang sofort voraus in Richtung Greenwich.


Raus in Richtung Greenwich – Stadtpark

An dem sonnigen Nachmittag, als sich Kutto, Pit, Jo und Hund Hektor auf den Weg machten, fühlte es sich wie ein spannender Abenteuerspaziergang an – zumindest für die beiden Jungen. Oder sollte man sagen: jungen Männer?

Im Stadtpark angekommen, gingen sie zielstrebig auf den alten Lindenbaum zu. Alle drei begannen sofort, die Rinde abzusuchen. Pit ging besonders gründlich vor – er nahm sogar eine Lupe und tastete den Baum Zentimeter für Zentimeter ab.

„Da!“, rief er plötzlich. In die Rinde war ein Zeichen eingestanzt – genau dasselbe wie auf dem Ring. Und tatsächlich: Der Ring passte perfekt auf die Vertiefung.

Sie blickten einander an. „In welche Richtung weiter?“

Kutto und Pit warfen sich einen kurzen Blick zu und nickten. Dann sagte Kutto entschlossen:
„Das P zeigt nach Süden – dort, wo das Wehr ist.“

Sie machten sich auf den Weg zum Wasserfall. Dort hüpften sie geschickt über die grauen Betonpfeiler bis hin zu einem alten Überflutungstunnel. Ein Schild warnte in verblassten roten Buchstaben:

GEFAHR! – BETRETEN VERBOTEN

Jo glitt mit einem lauten „Juhuu!“ in den Tunnel hinein – er hatte sichtlich Spaß daran.

Pit blieb stehen und deutete auf die Tunnelwand: Neben dem Schild, innen an der Tunnelwand, entdeckten sie erneut das geheimnisvolle Monogramm – dieses P-Zeichen.

„Ganz schön dunkel hier!“, bemerkte Pit.

Kutto witzelte:
 „Licht gibt’s hier wohl eher keins“, zückte seine Taschenlampe – und grinste.

Sie liefen in den Schacht hinein – einen engen, langen, schmalen Tunnel, wie man sie in England öfter findet. Es roch muffig, die Luft war kaltfeucht, alte nasse bemooste Gemäuer.

Abrupt blieb Kutto stehen. 
„Hier! Ein weiteres Zeichen.“

Er leuchtete mit der Taschenlampe auf die Wand. Genau: das gleiche Monogramm. Im Lichtkegel der Taschenlampe wurde es sichtbar – wieder das eingestanzte P.

In diesem Moment stieß Hektor, der hinter Kutto lief, mit dem Hinterteil gegen eine gebogene Mauerfläche – und wie von Geisterhand öffnete sich ein schmaler Spalt in der Wand.

Ohne zu zögern schlupften sie hindurch und krochen alle drei nacheinander hinein. Sie folgten dem einmannbreiten Tunnel – der Gang war eng, sie mussten sich ducken. Es schien endlos lang …

Doch dann öffnete sich der Tunnel in einen unerwartet großen, viereckigen Raum.

Alle sechs Augen wanderten prüfend umher. Scheinbar eine Sackgasse?

Hund Hektor schnupperte aufgeregt überall herum.

Erstmal ausstrecken – man war das Genick schon ziemlich steif geworden von der ständigen Bückerei. Pit richtete sich auf, rieb sich den Nacken.

Dabei fiel sein Blick auf die herunterbaumelnde Glühbirne mit Ziehschnur.

Ein schneller Sprung – zack – er schnappte sich die Schnur und zog daran.

Ein Ruck ging durch die Wand – eine Geheimtür schob sich zur Seite.

Dahinter lag – der nächste Raum.



Der unterirdische Geheimplatz

Ein versteckter unterirdischer Geheimplatz – ein geräumiger Raum mit Sitzbänken und Tischen, dahinter eine Theke. Es wirkte fast wie eine Mischung aus Aufenthalts- und Speiseraum.

Kutto tippte schweigend mit einer Hand auf seine Umhängetasche und zog hellblaue Ermittlerhandschuhe hervor. Gleich neben dem Eingang stand eine Plastikbox mit hellblauen Überziehern – die sie sich über ihre Schuhe und Hektor über die Pfoten streiften.

Hund Hektor mit seiner Spürnase nach unten folgte ihnen auf Schritt und Tritt, gelegentlich niest Hektor – denn irgendwas stört seine feine Nase.

Neben dem Aufenthaltsraum befanden sich Wasch-, Toiletten- und Duschräume. Weitere Zimmer boten abgetrennte Schlafplätze, ausgestattet mit Bett und Kleiderschrank.

Ein Raum enthielt gestapelte Plastikboxen mit sorgfältig beiseitegelegten Deckeln – genau dieselben, die damals in der verlassenen Lagerhalle gefunden worden waren. Hier waren vermutlich Drogen gelagert worden.

Ein weiteres schmales Zimmer hatte farbige Wände und eine Liege, links davon ein länglicher Hängeschrank. Darunter befand sich eine lange Arbeitstheke mit seltsamen Geräten.

Offenbar war dieser Raum als Untersuchungszimmer genutzt worden, vielleicht als ärztliches Labor?

Kutto öffnete vorsichtig mit den behandschuhten Fingern eine der Schranktüren. Im oberen Regal befanden sich eingepackte Nadelkanülen und leere Spritzenhüllen. Darunter: kleine Schalen mit Pillen, alle sauber verschlossen mit Deckeln.

Dieser Ort war das Zentrum der Manipulation. Keine Tür trennte diesen Raum, sondern nur ein schwerer Stofffaltvorhang.

Sie entdeckten noch eine Tür – mit Zahlencode-Feld. Offenbar war durch Stromausfall die Sperre deaktiviert worden. Vorsichtig stieß Kutto die Tür mit dem Ellenbogen an.

Die drei staunten: 
Auf einer breiten Arbeitstheke standen Gerätschaften, an der Wand hingen Pläne. In leicht geöffneten Schubfächern lagen Schriftstücke.

Kutto murmelte nachdenklich:
 „Ich will lieber gar nicht wissen, wofür all diese Geräte gedacht waren …“

Eines davon schien eindeutig zur Herstellung von Pillen bestimmt.

Vorsichtig öffnete Kutto einen Oberschrank. Darin lagen gestapelte Papiere, Notizen – und eine Blechkassette, die er auf die Theke stellte.

Dokumente von einem gewissen Rupert Piton. Kutto erkannte das Gesicht – vom verrückten Professor – das war derselbe Mann vom Zeitungsausschnitt, mit dem moorfarbenen Kittel.

Dieser Rupert war all die Jahre der Drahtzieher hinter allem gewesen!

Weitere Beweise hingen offen an der Wand – seine Aufzeichnungen, seine Machtgier, seine Vision, der größte Drogenboss zu werden. Und die Entwicklung einer Injektion, die seine Anhänger gefügig machen sollte.

All das lag jetzt vor ihnen. Ein letzter Blick nach oben. An der Decke entdeckten sie eine runde Falltür. Kutto zog sie herunter. Sie stiegen nacheinander hinauf – und fanden sich plötzlich in einem riesigen, runden Edelstahl-Kessel wieder.

Sie öffneten eine Innentür und traten hinaus – klick, sie fiel hinter ihnen zu.

Jo und Pit schauten sich verdutzt an.

Pit sprang vom kleinen Podest, breitete die Arme aus, drehte sich leicht im Kreis:
„Durch diese Geheimtür im Kessel sind sie einfach verschwunden!“

Jo trat einen Schritt zurück, stieß gegen die Geheimtür – klick – sie öffnete sich erneut.

Die riesigen Kessel waren ehemalige Füllfässer – niemand hatte darauf geachtet!

Vor dem Lagerhaus zückte Kutto sein Spezial-Funkhandy und informierte sofort die ISE. Dann drehte er sich kurz um. Ein Erinnerungsmoment: das Bild aus den alten Akten.

„Genau deswegen! Genau deswegen konnten damals keine Spuren gefunden werden!“, rief er aufgeregt.

Er erkannte es sofort: Das war die alte Industrielagerhalle, die damals durchsucht worden war. Das rostige Tor mit dem Kennzeichen „Blook 17“, umgeben von Lagereinheiten – ein ideales Versteck.

Kutto informierte direkt Hubert bei der NCA, Abteilung CCU (Cold Case Unit).

Ein riesiger Fall war aufgeklärt – dank seiner beiden Helfer Jo und Pit.

Wenige Stunden später wimmelte es vor Ermittlern in weißen Schutzanzügen.

Mit Spezialgurten holten sie Hund Hektor über die Falltreppe hinaus.

Was für eine Freude! Hektor sprang aufgeregt herum und blieb die restliche Zeit oben – es gab genug für seine Spürnase zu entdecken.

Ohne viele Worte reichte Kutto den beiden neue Ermittlerhandschuhe. Die benutzten wanderten in eine Plastiktüte in seine Tasche.

Kutto sagte cool: 
„Die Ehre gebührt euch!“

Einer der Oberkommandanten – ein „Aufpasser“, wie Kutto ihn nannte – verkündete bestimmt:
„Nur eine Stunde – dann ist das hier Sperrzone.“

Alle drei nickten. Ab zur Spurensuche! Anspannung und Aufregung lagen in der Luft.

Sie waren mitten im Geschehen, durften zeigen, erzählen, erklären – doch die Stunde verging wie im Flug.

Tage später berichtete Kutto:
Die Halle wurde nun als Quartier übernommen. Die Aufarbeitung und Forschung an Ruperts Plänen würde Jahre dauern. Es waren kaum Spuren gefunden worden – offenbar wegen eines Sprays, das fast nicht mehr nachweisbar war. Der Ort war stets gereinigt worden, bis auf die letzten Jahre – was sich anhand der Staubschicht feststellen ließ.

Ein idealer Ort für ein neues geheimes Ermittlerrevier – grinste Kutto unter seinem verkniffenen Mund.

Kutto Krimi 🕵️‍♂️ KKR 005

Insel der Rettung – Finale

= „Piton war wie eine Eidechse – nicht zu fassen“ = 

Fernab jeder Zivilisation, bei einer unbekannten Insel, strandete das U-Boot mit Piton an Bord und wurde von den Wellen hin- und hergetrieben.

Die Inselbewohner, die Hugisch, bargen das U-Boot.

Mit Hilfe von Hand- und Fußzeichen gelang es, gemeinsam mit dem Häuptlingsjungen, das U-Boot hinter die Insel in eine versteckte Höhle zu bringen.

Mafiaboss Piton wurde als Hammerfisch verehrt.

Die Bewohner glaubten, er sei ein Seelenverwandter des heiligen Tieres ihrer Kultur – wegen seiner markanten Glatze.

Piton wurde schnell klar, dass er so bald wie möglich einen Weg finden musste, damit seine Kontakte zu den Drogenmachenschaften nicht abbrachen.

Schon nach wenigen Tagen erlernte er die einfache Sprache der Inselbewohner.

Diese lebten schlicht – doch sie litten:

Eine baumartige Pflanze wuchs dort, deren Blätter besonders für Kinder gefährlich waren.

Piton erkannte sie sofort – eine wilde Tabakpflanze.

Daraufhin ließ er rund um die Strohhütten die Buschbäume roden.

Die Einwohner waren ihm dankbar.

Die Hugisch – gutmütig.

Auf der Insel gab es eine Höhle mit zwei Eingängen.

Auf der einen Seite lebte der Häuptling Hug, der andere Eingang war durch einen schmalen Durchgang verbunden, jedoch nie genutzt worden.

Dieser Bereich galt ihnen als heilig.

An den Felswänden leuchtete Glitzerlicht – so hell wie Tageslicht.

Diesen Teil der Höhle bekam Piton – mit allen Annehmlichkeiten: Bambusbett, Bambusthron …

Als Zeichen des Vertrauens und als Lehrmeister unterstellte der Häuptling seinen Sohn Gogo Piton.

Piton beobachtete, wie mit Kanus Nahrungsmittel vom englischen Festland geholt wurden.

Er brachte dem klugen Häuptlingssohn – seinem besten Mann – Englisch bei.

Nach und nach baute er mit Gogos Hilfe einen versteckten Tabakhandel auf.

Piton stellte den Kontakt zu seinen Männern im Mafiaviertel Doogy, am Umschlagsplatz des Drogenmarkts, wieder her.

Mit dem Erkennungszeichen: einem Halstuch, das Gogo trug.

Das Halstuch war zwar wertlos geworden, aber als Mafiaerkennungszeichen perfekt geeignet.

Von der Insel aus betrieb Piton nun Schmuggel mit getrockneten Tabakpflanzen.

Er war irritiert, aber zugleich fasziniert – und fand zunehmend Gefallen am Inselaufenthalt.

Er genoss es, wie die jungen Mädchen vor ihm tanzten, ihm Essen und Obst brachten.

Zwar konnte er mit diesen Bräuchen nichts anfangen, doch er genoss es, im Mittelpunkt zu stehen.

Jahre später hatte Piton einen regen Drogenhandel aufgebaut.

Einige seiner Männer hatten sich inzwischen selbstständig gemacht.

Die Wirkung der Langzeitinjektion verflüchtigte sich allmählich.

Piton nahm an, sie seien ihm treu ergeben.

Doch einige von ihnen behielten einen Teil der Mafiaeinnahmen für sich.

Piton konnte das nicht überprüfen, da er sich weiterhin auf der Insel befand.

Er glaubte, im Geld zu schwimmen – und plante, zur richtigen Zeit abzutauchen und ein Luxusleben zu beginnen.

Doch durch auffällige Machenschaften in der Drogenszene kam Kutto ins Spiel.

Immer mehr sickerte durch.

In der Mafiabranche wurde es unruhig.

Die ehemaligen Männer prahlten, warfen mit den letzten Pillen um sich –
und betonten, diese seien von Drogen-Rupert, dem einzigen Meister, den es je gegeben habe …



Überraschung für Kutto

Pit hatte sich schon früh zum Ziel gesetzt, einmal Detektiv zu werden.

Heimlich lernte er den Beruf – als Überraschung für Kutto.

Als junger Mann tauchte er dann ganz selbstverständlich bei Kutto auf, um ihn mit der Neuigkeit zu überraschen:

Er war jetzt offiziell Ermittler geworden.

Nach einer herzlichen Umarmung fragte Pit aufgeregt und neugierig:
„Na, was sagst du?“

Kutto lächelte, brummelte leise und zwinkerte:
„Meinst du, du könntest unauffällig bleiben? Hubert hat mir schon vor einiger Zeit davon berichtet.“

Pit staunte:
„Dieser Hubert! Typisch Berichterstatter!“

Doch Kutto sah es ganz praktisch:
„Na, auf jeden Fall kommst du genau zur richtigen Zeit zum Einstand – wirklich genau richtig.

Die Gerüchte über Piton haben sich bestätigt.“

Dann grinste er über seinen verkniffenen Mund hinweg:
„Da kann ich so einen Partner wie dich gut gebrauchen.“

Und so begannen die beiden gemeinsam mit den Vorbereitungen …


Die nächsten Tage – auf dem Umschlagplatz im Mafiaviertel Doogy

Pit, der nun ebenfalls Detektiv war und Kutto zur Seite stand, mischte sich unter die Leute.

Er gab sich als Käufer aus, um an Informationen zu kommen.

Geschickt fragte er sie aus – die Ganoven –, ließ sich sogar das Beschaffungs-Kanu zeigen.

Dies war jetzt die Gelegenheit – nur noch den richtigen Zeitpunkt abwarten …
und ihnen unauffällig mit einem Fischerboot folgen.


Inselfest

Es schien ein Fest stattzufinden auf der kleinen, überschaubaren Insel.

An der Vorderfront konnten sie beobachten, dass dort irgendetwas vor sich ging. Ein Lagerfeuer wurde vorbereitet.

Die beiden – Kutto und Pit – ruderten mit dem Fischerboot unauffällig in sicherer Entfernung daran vorbei. Links hinter dem Felstunnel schlichen sie an der Felshöhlenwand entlang, lehnten sich flach gegen das Gestein und warteten auf den richtigen Moment. Außerdem warteten sie auf die ISE-Einheit – mit dabei: Pits Bruder Jo, der als Dolmetscher fungierte.

Kutto und Pit beobachteten die Szene: Am Lagerfeuer stand eine große, brockige Gestalt mit markanter Glatze – Piton – ganz deutlich im Licht der Flammen zu erkennen. Pit und Kutto blickten sich an – sie konnten gegenseitig ihre Herzen spüren, wie sie vor Aufregung pochten. Ihre Augen gaben Zeichen, und in diesem Moment erkannten sie ein leicht schimmerndes, deutliches Aufblinken, das sofort in der Dämmerung verschwand. Die Einheit war zur Unterstützung eingetroffen. Erleichtert und erwartungsvoll blickten sie auf das Geschehen – den richtigen Moment.

Die Hugisch hielten ein Fest zu Ehren des Mondes. Alle schauten zum Himmel hinauf und erhoben in wilden Tänzen ihre Arme. Das war die Gelegenheit!

Gemeinsam mit der ISE stürmten sie die Feier. Die Inselbewohner wurden zur Seite geschoben, und Jo – der die Sprache rasch verstand – übersetzte ihnen, warum sie gekommen waren.

Piton nutzte das ganze Durcheinander aus, entwischte und rannte durch den dichten Wald – direkt auf das dahinterliegende Felsgebirge zu. Kutto hinterher. Zuerst schlugen ihm breite Palmenblätter oder schmale, dicht gewachsene Grasstängel ins Gesicht, bevor er sich orientieren konnte.

Die ISE teilte sich in Gruppen auf, und Pit wurde von der hinteren, schmalen Seite des Felstunnels angesetzt – vielleicht konnten sie ihn dort stellen.

Piton kannte sich gut aus. Er rannte geschickt – mal rechts, mal links – geduckt, wie eine Pendeluhr wich er aus. Er musste den Gebirgsberg erreichen.

Das einzige Problem: Er musste ihn erklimmen. Der Berg war zwar nicht hoch, aber felsig. Auf der anderen Seite der Felsenhöhlen – hinter dem Gebirge – lag sein verstecktes Mini-U-Boot. Hastig kletterte er hinauf.

Kutto verlor ihn kurz aus den Augen, entdeckte ihn aber an einem Felsabhang wieder. Piton musste springen, um zu entkommen. Ruhig überblickte Kutto die Bergfelsgegend. Er war trainiert, hatte keine Hast. Mit schnellen, sicheren Schritten kletterte er ihm entgegen.

Piton sah ihn – und sprang vom gegenüberliegenden Felsvorsprung. Das war geschafft –
doch es gab keine Fluchtmöglichkeit mehr. Höchstens: springen. Springen ins Meer!

Kutto mahnte ihn an: „Piton, gib auf!“

Piton deutete einen Sprung in seine Richtung an und rief: „Niemals!“

In dem Moment zielte Kutto auf Piton – und schoss ihm auf die Schulter.

Dieser verlor das Gleichgewicht, rutschte ab – und stürzte auf die Meeresfelsen hinunter …

Einige der ISE-Einheit steuerten mit dem Schlauchboot darauf zu. Nur noch der Leichnam konnte geborgen werden.

Im Schnellboot der ISE umarmten sich Kutto, Pit und Jo. Kutto bekam feuchte Augen.

Endlich, nach all den Jahren, hatte er den Schuldigen gefasst – den Mann, der seinen Bruder Mario getötet und hintergangen hatte.

Was für ein Befreiungsschlag.

Aus einer schmalen Schachtel, in der zwei Zigarren lagen, zog Kutto eine heraus, zündete sie an – und paffte daran.

Kutto, befreit und gelöst:
„So. Jetzt gibt’s die: Fall-gelöst Zigarre“, meinte er mit schiefem Grinsen.

„Die zweite leg ich – wie versprochen – auf den Bilderrahmen von meinem Bruder“, sagte er erleichtert.

Und dann stimmten sie zusammen einen Freudenschrei über das Meer an – mit gewaltiger Stimmenmacht.


ENDE Ende Ende

Kutto Krimi - Die Entführung

Zigarrenschachteln – Erinnerungen an alte Fälle 🔎

Die beiden Brüder Pit und Jo hatten schon seit Jahren immer wieder verstohlen zu den Zigarrenschachteln hinübergespäht.

Doch bislang hatten sie sich nicht recht getraut, Kutto darauf anzusprechen – sie wussten, dass einer der beiden Stapel seinem verstorbenen Bruder Mario gehörte.

Nun waren einige Jahre vergangen, und sie hatten inzwischen genügend von den alten Fällen durchgenommen …

„Sag mal“, fing Jo an, „hier riecht es immer leicht nach Kaffee!?“

Kutto nickte verschmitzt, denn im Waggon gab es einen Durchgang – dahinter einen kleinen Vorraum, der zum Duschraum führte.

„Schau mal hinter dem Vorhang – dort steht noch ein übriggebliebener Kaffeesack. Das war mal ein Kaffeegüterwaggon.“

Jo schlüpfte neugierig hinein – tatsächlich!

Beim Hinaustreten fiel sein Blick auf eine Zigarrenschachtel mit auffälligem Muster und fremdartigen Verzierungen.

Mutig fragte er: „Was hat es eigentlich mit dieser Zigarrenschachtel da auf sich?“

Er konnte seine Neugier nicht mehr zurückhalten.

Kutto holte seine Pfeife hervor, stopfte frischen Tabak hinein und hielt sie an die Lippen. Hinter seinem verkniffenen Mund lächelte er leicht.

Kutto witzelte:
„Ach, das ist gleich in Kürze erzählt.“

Die beiden Brüder Pit und Jo – fast gleichzeitig:
„Ach, bitte, Kutto!“



Die Entführung

Die Tochter eines arabischen Geschäftsmannes war entführt worden. Sie war gerade mal neunzehn Jahre alt.

Durch seine Kontakte zur Geheimpolizei wurde sofort reagiert. Dort arbeitete Kuttos Bruder Mario, und die ISE wurde unverzüglich eingeschaltet.

Es geschah in einem gehobenen Einkaufszentrum – in einem eigens organisierten Einkaufsbereich mit reichlich Bodyguards und Aufpassern.

Nach einer kurzen Umziehaktion war seine Tochter plötzlich nicht mehr aufgetaucht.

Kurz darauf begannen die Erpresser mit Anrufen im Hotel. Sie drohten dem reichen arabischen Vater, seiner Tochter etwas anzutun, und forderten eine hohe Summe Bargeld.

Eine Spur führte nach Venedig …

In einer Gondel wurden die beiden Verliebten – die verschwundene junge Frau, Arm in Arm mit einem jungen Mann – von einem Paparazzo fotografiert. Das Bild landete kurzzeitig in den Medien, wurde jedoch rasch wieder zurückgezogen.

Der Vater erfuhr nichts davon.

Mario konnte die junge Frau aufspüren und brachte sie unversehrt zurück.

Kutto fand heraus: Der „Freund“ – einer der Aufpasser, in den sich die junge Frau verliebt hatte – hatte alles nur vorgespielt.

Die Erpresser waren seine Kumpels. Sie wollten das große Geld erpressen, und der angebliche Freund wollte sie danach einfach abservieren.

Von alldem erfuhr der arabische Geschäftsmann nichts.

Die junge Frau war Kutto und Mario dankbar – denn sie hatte die Wahrheit erkannt:
Sie war nur ausgenutzt worden – und jetzt heil wieder bei ihrem Vater.

Als Zeichen seiner Dankbarkeit schenkte der Geschäftsmann – denn er hatte in Erfahrung gebracht, womit man ihnen seine Anerkennung zeigen konnte – eine Zigarrenschachtel mit arabischen Zigarren.

Kutto Krimi - Verdächtiger Edelweiß-Hut

Zigarrenschachteln – Erinnerungen an alte Fälle 🔎

Diese Zigarrenschachtel mit der englischen Flagge und dem CSI-Stempel hatte schon lange das Interesse der Brüder Pit und Jo geweckt.

Die alten Fälle hatten sie bereits mehrmals durchgegangen …

„Diese englische Zigarrenschachtel“, begann Jo,
und Pit beendete den Satz: „… mit dem CSI-Zeichen drauf – was hat sie zu erzählen?“

Kutto lächelte leicht hinter seinem verkniffenen Mund und holte seine Pfeife hervor.
„Das ist ein sehr interessanter Fall“, begann er:


Verdächtiger Edelweiß-Hut

Außerhalb von England, kurz hinter der Stadtgrenze, wo sich die Hochhäuser aneinanderreihen, wurde auf der Rückseite eines Blockhauses eine Männerleiche gefunden.

Ein Spaziergänger, der täglich mit seinem Hund unterwegs war, hatte die Polizei informiert.

Zunächst schien es ein Fall wie viele:
Ein Sturz vom Balkon im fünften Stock – über die niedrige Brüstung gefallen.

Das Opfer war ein Mann mit korpulentem Körperbau – vermutlich hatte das eigene Gewicht den Sturz mitverursacht.

Doch bald stellte sich heraus:
Der Tote war kein Unbekannter – es handelte sich um den deutschen Bauunternehmer Anton Hackel, der wegen Unterschlagung von Firmengeldern gesucht wurde.

Auffällig war die ungewöhnliche Stelle der Aufprallverletzung am Kopf – eher untypisch für einen Selbststurz.

Die Sondereinheit der Geheimpolizei – dort war Mario tätig – wurde eingeschaltet.
Mario bat seinen Bruder Kutto um Unterstützung.

Anton Hackel hatte sich seit Jahren versteckt gehalten und lebte dort zurückgezogen und unauffällig.

Die Wohnung wurde durchsucht – nichts Verdächtiges.
Nur: zwei Gedecke, zwei Gläser, eine geöffnete Weinflasche – alles stand bereit auf dem kleinen Balkontisch.
Offenbar hatte er Damenbesuch erwartet.

Die Nachbarn – überwiegend ältere, alleinstehende Anwohner – mokierten sich bereits:
Immer wieder seien andere Frauen zu Besuch gewesen – mal blond, mal brünett, mit schwarzen oder roten Haaren.

Etwas kam Mario und Kutto seltsam vor.
Sie sahen sich die Aufnahmen der Überwachungskamera an, die am Hauseingang montiert war:
Immer wieder – ein Frauenkopf mit Hut zu erkennen. Ein Edelweiß war darauf eingestickt.

Nach mehreren Durchgängen war den Brüdern klar:
Es war höchstwahrscheinlich immer dieselbe Frau – sie hatte lediglich verschiedene Perücken getragen.
Nur der Edelweiß-Hut – war stets derselbe.

Zurück in der Wohnung untersuchten sie den Balkon.
Kutto entdeckte einen stabilen Haken an der Decke.
Sofort war ihm klar – er kombinierte:
Zwei breite Abdrücke auf dem Teppich fielen ihm auf.
Kofferrollen.

Auch die Spurenspezialisten konnten das bestätigen.


In der Nacht des Geschehens

Anton Hackel hatte an diesem Abend auf seine Geliebte gewartet, die ihn davon überzeugen konnte, mit ihr ein neues Leben zu beginnen.

Er hatte zwei riesengroße Schalenkoffer voll mit Bargeld sowie einige Schatullen mit wertvollen Schmuckstücken vorbereitet.

Doch stattdessen hatte die Frau einen Plan ausgeheckt – raffiniert eingefädelt.

Sie stand unten im Hof, ließ sich von oben die Schlüssel für den Wohnwagen herunterwerfen, der unauffällig in der Sackgasse zum Hinterhof parkte.

Danach ließ sie die Koffer herunterseilen. Erst den einen – dann, beim zweiten Koffer, zog sie mit einem Ruck so kräftig daran, dass Anton, der noch daran hing, in die Tiefe stürzte.

Die Ermittlungen ergaben, dass dem Spaziergänger – der täglich mit seinem Hund unterwegs war – der Wohnwagen schon seit einiger Zeit aufgefallen war.

Im Hinterhof, dort wo ein breiter Gehweg in einer Sackgasse endete, hatte der Wohnwagen seitlich gestanden. Dahinter grenzte eine Wiese an.

Die älteren Bewohner, die schlecht sehen und hören konnten und das Wohnhaus kaum noch verließen, hatten nichts davon bemerkt.

So blieb der Fall zunächst ungeklärt.


Banküberfall

Die Frau war längst untergetaucht.
Sie hatte sich in einem Nobelviertel eingekauft.

Jahre später wurde der Fall erneut aufgerüttelt:
Ein Banküberfall mit Geiseln – die Sondereinheit der Geheimpolizei wurde eingeschaltet.

Auf den Kameraaufnahmen:
Eine Frau mit blonden Haaren – und dem verdächtigen Edelweiß-Hut!

Sofort informierte Mario seinen Bruder Kutto –
schließlich war es auch sein Fall.

Durch einen schnellen, gesicherten Zugriff konnte der Banküberfall vereitelt werden.

Die Frau wurde verhaftet – und dadurch wurden auch die Schließfächer ausfindig gemacht.

Darin: Broschen, Sonderanfertigungen und wertvolle Schmuckstücke –
die dem ermordeten Anton Hackel gehört hatten.

Auf dem Revier war es ein Leichtes,
der Betrügerin ihre Machenschaften nachzuweisen.

Schnell konnte der Fall zu den Akten gelegt werden.

Und so endete ein Fall mit zwei tatkräftigen Ermittlern –
und einer weiteren Zigarrenschachtel
als Anerkennung ihrer Arbeit.

Der vergessene Schlaf des verschlafenen Buches

Horrorgeschichte für Erwachsene  🌑  Ich bin Sena. Befinde ich mich in einem Alptraum – oder bin ich schon wach? Ich träume ein riesiges Buc...