Sage aus der Märchenwelt 👡👡
Es war einmal ein Haus, in dem es an allem Notwendigen oft fehlte, und über jedes Brot, jedes Gemüse und jede Kleinigkeit gesprochen wurde.
Immer wieder schrieb die Frau des Hauses eine Liste.
Keine besonderen, keine kostbaren Dinge – nur das, was man zum täglichen Leben braucht.
Brot, Öl, Reis, etwas Gemüse.
Dinge, die kommen und gehen wie die Tage selbst.
Doch jedes Mal, wenn der Mann die Liste sah, begann das alte Lied.
Die Liste sei zu lang, schimpfte er.
Manches brauche man nicht sofort, meinte er.
Und manches vielleicht überhaupt nicht.
Da seufzte die Frau eines Tages und sprach:
„Ich habe doch keine goldenen Steckelschuhe verlangt.“
Niemand wusste genau, wie diese Schuhe aussahen.
Ob sie glänzten oder nur im Kopf funkelten.
Doch seit diesem Tag standen sie unsichtbar zwischen den Zeilen der Einkaufsliste.
Einmal schrieb die Frau sie sogar auf –ganz unten, klein und still:
Goldene Steckelschuhe.
Nicht weil sie sie wollte, sondern weil sie zeigen wollte,
So erzählt man sich, dass die goldenen Steckelschuhe keine Schuhe waren, sondern ein Zeichen:
Und bis heute, so sagt man, tauchen sie manchmal auf – nicht in Truhen oder Schaufenstern, sondern auf Zetteln, zwischen Brot und Salz.