24 Ağustos 2026 Pazartesi

Bauernhof am Horizont

Liebesgeschichte 💞


 

Zum Einstieg

Türkischer Bauernhof – Traditioneller Familienbetrieb

München – Ein modernes Unternehmen im 5. Stock eines großen Bürogebäudes.

Ali Taşoğlu

Geschäftsname: Talu

Das Unternehmen stellt Tonblumentöpfe und Holzblumenkästen her. Zusätzlich handelt es mit Bio-Lebensmitteln.

Ali stammt ursprünglich aus der Türkei und hat das Unternehmen in München aufgebaut.

Seine Tochter heißt Daniela.

Danielas Mutter war Deutsche und starb bei ihrer Geburt.

Isabell (Deutsche) ist eine enge Arbeitskollegin und Freundin von Daniela.

Yaman ist der Hauptcharakter der Geschichte.

Sein Vater und Ali waren miteinander verwandt.

Noch zu Lebzeiten sagte Yamans Vater zu ihm, dass er nach seinem abgeschlossenen Studium bei Ali Abi im Unternehmen arbeiten solle.

Yaman studiert Agrarwirtschaft.

Später soll er den Bauernhof übernehmen.

Nach dem Tod seines Vaters, der bei einem Autounfall ums Leben kam, kümmert sich seine Tante Melek, die Schwester seines Vaters, um Yaman.


Name

•Yaman•

Fatih (Freund)

Tante Melek

Onkel Hassan

Tante Debra

Susan

Tolga (Freund)

• 

Denn  Kadir (Gegner)

•

Ali (Vater)

Leyla, Schwester von Ali und Ersatzmutter für Daniela

Hund Timmy

Haluk (Chauffeur)


Bauernhof am Horizont

Yaman hatte sein Studium erfolgreich abgeschlossen. Voller Freude kannte er nur ein Ziel: so schnell wie möglich bei Ali Abi anzukommen.

Schon seit Tagen war er unterwegs. Seine Kleidung war schlicht und etwas schlapprig. Fast alles war kaffeebraun – nur seine Krawatte war in einem dunklen Weinrot. Es war die Glückskrawatte seines Vaters.

Mittlerweile war sein Bart etwas gewachsen. Dadurch wirkte er ungepflegt, doch für Yaman war das kein Problem.

Auf dem Weg vom Bahnhof zum Unternehmen begann es zu regnen. Yaman blickte kurz zum Himmel. Kein Grund, deshalb nicht weiterzugehen.

Etwas durchnässt kam er schließlich vor dem Firmengebäude an.

Voller Vorfreude betrat er das Gebäude fast im Laufschritt.

Plötzlich stolperte er beinahe über einen kleinen Hund, der durch die Empfangshalle lief. Er trug ein Halsband und musste also jemandem gehören, dachte Yaman.

Kurzerhand bückte er sich zu dem kleinen Kerl hinunter.

„Du schaust hungrig aus.“

Er nahm ein belegtes Brötchen aus seiner Tasche, teilte es in kleine Stücke und gab sie dem Hund.

Anschließend stand Yaman wieder auf, streckte seine Beine und ging, noch etwas steif, zum Empfang.

„Guten Tag. Da ist ein kleiner Hund ...“

Die Dame am Empfang antwortete eher desinteressiert:

„Ja, der gehört zum Unternehmen Talu.“

Yaman nickte erfreut.

„Ja, genau dort wollte ich hin. Melden Sie mich bitte an.“

Die Empfangsdame zögerte kurz.

„Beim Personalbüro?“

Yaman hörte gar nicht richtig hin.

„Genau, genau. Wo muss ich hin?“

„Das Unternehmen befindet sich im fünften Stock. Dritte Tür.“

Yaman eilte zum Fahrstuhl.

Oben angekommen, stand die dritte Tür bereits offen. Er trat ein, zog seinen nassen kaffeebraunen Mantel aus und hängte ihn an die Garderobe.

Gerade wollte er sich setzen.

Da betraten zwei Frauen, die sich auf dem Flur unterhalten hatten, das Büro.

Einen kurzen Moment sahen sie ihn an, danach blickten sie sich gegenseitig an.

„Guten Tag. Ich bin Daniela Taşoğlu, und das ist meine Kollegin Isabell. Was können wir für Sie tun?“

Daniela trug eine dunkelbraune Kurzhaarfrisur. Isabell hatte lange blonde Haare, die zu einem Zopf geflochten waren. Beide waren schlank und elegant gekleidet.

Sie setzten sich hinter den Schreibtisch und musterten ihn.

Das lindgrüne Jackett, die kaffeebraune, etwas schlapprige Hose und dazu diese weinrote Krawatte ...

Innerlich schüttelte Daniela den Kopf.

Aufgeregt holte Yaman seine Aktenmappe hervor. Mit leicht zitternden Händen legte er seine Unterlagen auf den großen Schreibtisch.

„Ich bin zu Ali Abi gekommen. Ich habe mein Studium beendet. Hier sind meine Unterlagen.“

Daniela warf Isabell einen kurzen Blick zu.

Sie sah auf die Mappe, ohne sie zu öffnen.

"Ali Abi?"

Yaman nickte lächelnd.

Daniela erwiderte kühl:

„Wissen Sie was? Ich werde mir Ihre Unterlagen in Ruhe ansehen und Ihnen dann Bescheid geben.“

Yaman freute sich. Er nahm seinen Mantel, bedankte sich freundlich und ging zur offenen Glastür. Nur noch wenige Schritte trennten ihn vom Fahrstuhl.

Die beiden Frauen glaubten bereits, er sei außer Hörweite.

Isabell bekam einen Lachanfall.

„Hast du gesehen ...?“

Daniela schüttelte grinsend den Kopf.

„Wie der angezogen war! Alles kaffeebraun, dieses altmodische lindgrüne Jackett ...“

„... und diese weinrote Krawatte“, ergänzte Isabell lachend. „Zum Weinen!“

Daniela lachte hämisch weiter.

„Und dann noch sein Schuldeutsch ... Das geht ja gar nicht!“

„Was machen wir mit der Akte?“, fragte Isabell.

Daniela antwortete kühl:

„•Ab in den  Schredder.•“

Draußen hatte Yaman jedes einzelne Wort gehört.

Ein dumpfer Stich. Er legte die Hand auf sein Herz. Mit wackligen Schritten ging er zum Aufzug.

Unten in der Lobby verließ er wie benommen das Gebäude.

Krankenhausbekanntschaft

Bänke, Brunnen – alles verschwamm vor seinen Augen. Yaman taumelte benommen und wäre fast zu Boden gestürzt, doch plötzlich fing ihn jemand auf.

Orientierungslos saß er wenig später auf einer Bank. Er war kaum ansprechbar und bekam nur schwer Luft.

Die junge Frau neben ihm, eine angehende Medizinstudentin, reagierte sofort und rief einen Krankenwagen. Sie begleitete ihn sogar ins Krankenhaus.

Dort erhielt Yaman die nötige Versorgung.

Nach einiger Zeit nahm er die junge Frau bewusst wahr und fragte nach ihrem Namen.

„Susan“, antwortete sie. Sie war ebenfalls Türkin, studierte hier Medizin und wollte später wieder in die Türkei zurückkehren.

Yaman erzählte ihr den ganzen Vorfall.

Susan nickte verständnisvoll und drückte seine Hand.

Leise sagte sie: „Lass solche Leute einfach. Brauchst du das wirklich? Du erzählst so begeistert von eurem Bauernhof. Mach lieber etwas daraus. Dort bist du frei und kannst alles so gestalten, wie du es willst.“

Yaman schaute die junge Frau, die bestimmt nicht älter war als er selbst, mit großen Augen an.

Innerlich wusste er, dass sie recht hatte.

Er drückte ihre Hand und nickte entschlossen.

„Weißt du was, Susan? Wenn du mit deinem Studium fertig bist, besuchst du uns auf unserem Hof.“

Susan lächelte.

„Das mache ich bestimmt.“

Yaman nickte überschwänglich.

„Ich gebe dir unsere Adresse. Momentan haben wir noch keinen Telefonanschluss. Den muss ich erst legen lassen.“

Erschöpft lächelte er.

Beide tauschten ihre Adressen aus. Susan schrieb auch ihre Handynummer auf den Zettel.

Als Yaman sie fragend ansah, lächelte sie.

„Wenn ihr einen Telefonanschluss habt, ruf mich an und sag mir, ob es dir gut geht.“

Nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu:

„Ich würde dir außerdem empfehlen, dir ein Handy anzuschaffen. Das wirst du brauchen.“

Yaman nickte, faltete den Zettel sorgfältig zusammen und steckte ihn in seinen Geldbeutel.

So verabschiedeten sie sich.

Yaman hielt sein Versprechen. Von Zeit zu Zeit telefonierten sie miteinander, wenn es ihre Zeit zuließ.

Doch im letzten halben Jahr wurde es still. Susan hatte eine Prüfung nach der anderen zu bestehen, und Yaman arbeitete mehr denn je, um die Schulden vom Bauernhof abzubezahlen.

Derweil waren sieben Jahre vergangen …

Inzwischen hatte Yaman seinen Bauernhof aufgebaut und die einzelnen Bereiche gut aufgeteilt.

Sein Onkel Hasan, der Bruder seiner Tante Melek, kümmerte sich hauptsächlich um die Tiere und die Melonenfelder. Seine Tante Melek führte die kleinen, gemütlichen Ferienhäuschen und war für die Küche verantwortlich, unterstützt von Debra, der Frau von Onkel Hasan.

Im offenen Küchenhaus wurden das Frühstück und das Abendessen für die Gäste zubereitet.

Den Essbereich hatten Yaman, Onkel Hasan und Fatih gemeinsam um eine großzügige Holzterrasse erweitert. Von dort führte ein Holzweg bis zum etwa einen Kilometer entfernten Meeresstrand. Am Ende befand sich ein langer, schmaler Holzsteg, von dem aus man weit über das Meer blicken konnte.

Entlang des Weges, zwischen kleinen Palmen und Bäumen, standen Holzpfosten, an denen Lichterketten mit verschiedenfarbigen, ausgehöhlten Melonenlampen hingen.

Am Abend tauchten sie den Weg in ein warmes, stimmungsvolles Licht und erhellten den langen Holzweg.

Inzwischen war alles bestens eingespielt.

 Schlechte Nachrichten bahnten sich an …

Yamans engster Freund Fatih kam außer Puste auf dem Bauernhof an. Gerade standen alle beisammen.

Völlig atemlos keuchte er:

„Der Bankkredit wurde abgelehnt!“

Yaman hob ungläubig beide Arme und ließ sie wieder fallen.

„Was ist da los? Wir waren uns doch einig!“

Tante Melek legte sich erschrocken eine Hand aufs Herz. Die anderen schüttelten fassungslos den Kopf.

Fatih rang noch immer nach Luft.

„Neuer Bankdirektor …“

„Ach so, daher weht der Wind …“, murmelte Yaman. „Also wieder alles von vorn.“

Zur gleichen Zeit tauchte ein schicker Sportwagen auf. Auf dem letzten Stück beschleunigte der Fahrer noch einmal, nur um anschließend scharf abzubremsen. Eine große Staubwolke wirbelte über die Feldstraße.

Weil.

Yamans Konkurrent und größter Gegner.

Mert stieg aus, dicht gefolgt von seinem FreundKadir. Mit einem überheblichen Grinsen schlenderte er auf die kleine Gruppe zu. 

Mit kurzem Abstand blieb er stehen und sagte lässig:

„Na, verkauft ihr mir den Hof? Habt ihr euch schon entschieden?“

Tante Melek stemmte die Hände in die Hüften.

„Das kannst du vergessen!“

Mit einer Hand wischte sie sich den Schweiß von der Stirn.

Yaman trat gefährlich nah an Mert heran.

„Du warst das!“

Mert schmunzelte siegessicher.

„Was soll ich gewesen sein?“

Yaman hob wütend die Augenbrauen.

„Das mit dem Bankdirektor!“

Mert winkte im Weggehen nur lässig ab.

„Was kann ich dafür? Also, ich höre von euch.“

Yaman wollte mit geballter Faust auf ihn zustürmen.

Doch alle hielten ihn zurück.

„Lass! Das bringt doch nichts!“, beschwichtigte Tante Melek.

Die Umstehenden murmelten aufgebracht vor sich hin.

Schließlich ergriff Tante Melek entschlossen das Wort:

„Jetzt machen wir erst einmal Abendessen. Morgen ist ein neuer Tag, und viel Arbeit wartet auf uns.“


Das Zusammentreffen

Ein paar Tage später waren Yaman und Fatih unterwegs, um Pilze zu suchen.

Zur gleichen Zeit machten zwei junge Damen ganz in der Nähe mit ihrem Auto eine Pause.

Während sie sich angeregt unterhielten, holten sie ihre Stoffklappstühle und einen kleinen Klapptisch aus dem Kofferraum.

Nach einigem Hin und Her, bis sie einen geeigneten geraden Platz gefunden hatten, setzten sie sich endlich.

Gerade wollten sie ihre Picknickbox öffnen, als ihnen auffiel:

„Timy ist weg!“

Etwas übertrieben hysterisch rief Daniela:

„Wo ist Timy? Immer büxt er aus!“

Die Box wurde sofort wieder abgestellt. Etwas unbeholfen liefen beide durch das für sie ungewohnte Gelände.

Abwechselnd riefen sie:

„Timy! … Timy!“

Yaman und Fatih hörten die Stimmen.

Fatih blickte auf.

„Hast du das auch gehört?“

Yaman schaute nach vorn.

„Ja. Das kam von da drüben.“

Vor ihnen plätscherte ein kleines Bächlein. Yaman wollte gerade darüber gehen, während Fatih etwas ungeschickt nach seiner Wasserflasche suchte.

Plötzlich tauchte auf der gegenüberliegenden Seite ein kleiner schwarzer Hund auf. Aufgeregt schnüffelte er umher, während sein Schwanz unaufhörlich hin und her wedelte.

„Wo kommt der denn her?“, fragte Yaman und erkannte, dass der Hund genau dort zwischen den Pilzen herumlief, nach denen er gesucht hatte.

Er machte einen Satz nach vorn.

Der Hund erschrak, rutschte in das Bächlein und begann quietschend zu strampeln.

Im selben Moment tauchten auch die beiden Damen auf.

„Oje!“, riefen sie erschrocken.

Daniela lief voraus und rief im Befehlston:

„Tun Sie doch etwas!“

Dabei sah sie Yaman direkt und auffordernd an.

Yaman zeigte auf sich selbst, blickte nach unten, schnitt in aller Seelenruhe seine Pilze ab und verpackte sie sorgfältig.

Dann sagte er gelassen:

„Guten Tag auch.“

„Ja, von mir aus guten Tag. Aber bitte, können Sie meinen Hund retten?“

Yaman wandte den Blick von ihr ab und murmelte halblaut:

„Dem passiert nichts. Dort ist es nicht tief. Der Kleine schwimmt vor Schreck nur auf der Stelle.“

Er warf einen kurzen Blick auf den strampelnden Hund, trat einen Schritt näher, beugte sich leicht hinunter und hob ihn mit einer schnellen Armbewegung aus dem Bächlein.

Sofort schleckte der kleine Hund ihm über die Nase.

Yaman musste lachen.

„So, mein Kleiner …“

Dann setzte er das nasse Wollknäuel kurzerhand auf Danielas Arme.

Überrumpelt und überrascht streckte sie ihm die Hand entgegen.

"Daniela Taşoğlu."

Yaman ignorierte ihre ausgestreckte Hand. Er sah sie nicht einmal an.

Seine wilden Blicke richtete er auf den Boden.

Daniela bemerkte sofort, wie abweisend er sich verhielt.

Langsam zog sie ihre Hand wieder zurück.

„Ist etwas?“, fragte sie direkt.

Yaman schüttelte nur den Kopf, ohne aufzusehen.

Dann drehte er sich zu Fatih um.

„Komm, lass uns gehen.“

Ohne sich noch einmal umzusehen, verließ er den Ort.

Isabell wiegte nachdenklich den Kopf, legte Daniela sanft eine Hand auf den Rücken und schob sie leicht in Richtung Auto.

„Komm“, sagte sie ruhig. „Wir fahren wieder.“

Rückfahrt nach München

Am Auto angekommen schimpfte, Daniela aufgebracht:

„Ich verstehe nicht, wieso ein attraktiver Mann so grob reden kann.

Hast du seine Muskeln unter dem Achselshirt gesehen?“

„Vergiss es. Männer eben!“

Daniela warf ihre schönen, langen dunkelbraunen Haare nach hinten.

„Pech gehabt. So eine Schönheit wie mich findet er nicht so leicht wieder.“

Mit einem überzeugten Grinsen setzte sie sich ans Steuer und fuhr in Richtung Hauptstraße.

„Na dann, los nach Hause“, nickte Isabell ihr zu.

***

Unterwegs auf der Autobahn in Richtung München lagen nur noch wenige Stunden Fahrt vor ihnen.

Plötzlich klingelte das rote Geschäftshandy.

Daniela stöhnte genervt.

„Die wissen doch, dass ich im Urlaub bin!“

Widerwillig nahm sie den Anruf an.

„Ich, Daniela der Spiele.“

„Mmh … okay. Was ist passiert?“

Sie schaltete den Lautsprecher ein.

Die Stimme des Chauffeurs ihres Vaters und zugleich seines engsten Mitarbeiters war zu hören:

„Frau Daniela, Sie müssen sofort zurückkommen. Es gibt eine dringende Sitzung.“

Daniela schüttelte den Kopf.

„Was ist denn passiert? Na gut, wir sind sowieso schon auf dem Weg.“

Isabell sah sie fragend an und schüttelte ebenfalls den Kopf.

„Morgen sehen wir uns“, antwortete Daniela und beendete das Gespräch.

Aufregung in München

Stunden zuvor hatte sich vor dem Unternehmen in München eine Menschentraube gebildet. Lautstark beschwerten sich die Mitarbeiter.

Ali Taşoğlu stieg angespannt aus seinem Wagen und ging zielstrebig auf die Menschen zu, die ihn sofort aufgebracht ansprachen.

Beruhigend hob er die Hände.

„Moment mal! Was ist denn los?“

Ein Mann trat einen Schritt auf ihn zu.

„Wir sind alle gekündigt worden! Was sollen wir jetzt machen? Wir haben Schulden abzubezahlen.“

Eine Frau meldete sich ebenfalls verzweifelt zu Wort.

„Ich habe Kinder. Ich brauche diese Arbeit.“

Ali blieb ruhig, obwohl ihm der Ärger deutlich anzusehen war.

„Niemand ist gekündigt. Das ist eine falsche Information. Beruhigen Sie sich bitte. Gehen Sie erst einmal nach Hause und kommen Sie morgen alle wieder. Diesmal treffen wir uns im neuen Firmenflügel.“

Die Anspannung löste sich langsam.

Erleichtert nickten die Mitarbeiter. Einige murmelten neugierig:

„Im neuen Firmenflügel?

„Bis morgen, Chef!“, riefen einige, während sie nach und nach nach  Hause gingen.

Als der Platz endlich leer war, drehte sich Ali zu Haluk um.

„Haluk, ruf sofort meine Tochter an!“

„Wird erledigt, Ali Abi.“

***

Am nächsten Morgen saß Daniela frisch und voller Elan ihrem Vater gegenüber.

Ali begann ohne Umschweife.

„Wie konntest du Menschen einfach kündigen, ohne über die Folgen nachzudenken? Diese Menschen haben Rechnungen zu bezahlen, Kredite abzuzahlen und Kinder zu ernähren.“

Er schüttelte enttäuscht den Kopf.

„Es war ein Fehler, dir die Personalabteilung zu überlassen.“

Daniela lächelte selbstsicher.

„Aber Papalein, das Team hat sich doch nicht mehr gelohnt.“

Ali schwieg einen Moment, um sich zu beherrschen.

„Ja, da muss sich noch eine Lösung finden. Aber nicht so!“

Seine Stimme wurde bestimmt.

„Du gehst wieder in dein altes Büro und machst von jetzt an nur noch das, was ich dir sage. „Punkt, aus, Pasta!“

Daniela setzte sich leicht trotzig an den riesigen Bürotisch.

„Aber Papalein …“

„Nichts da! Ich will nichts mehr hören. Und deine Spaßpläne – London und Paris – sind erst einmal gestrichen.“

Beleidigt verließ Daniela das Büro ihres Vaters.

Isabell wartete bereits.

„Und?“, fragte sie mit großen Augen.

Daniela warf ihren Notizblock auf den Schreibtisch.

„London und Paris sind gestrichen!“

Beide zogen enttäuscht eine Schnute.

Schweigend setzten sie sich an den Schreibtisch, stützten die Ellbogen auf und blickten bedrückt  drein.

Am Abend klagte Daniela ihrer Tante Leyla, der Schwester ihres Vaters und zugleich ihrer Ziehmutter, ihr Leid.

„Tante Leyla, was soll ich nur machen? Papalein will nicht mehr mit mir sprechen.“

Tante Leyla sprach ruhig und beschwichtigend.

„Daniela, denk einmal in Ruhe über das nach, was dein Vater dir gesagt hat.“

Doch Daniela blieb stur.

„Kann ich nicht noch einmal mit ihm reden?“

Tante Leyla schüttelte leicht den Kopf.

„Er ist jetzt in seinem Arbeitszimmer und möchte nicht gestört werden.“

Nach einer Weile schlug sie vor:

„Komm, geh erst einmal ins Bett. Es ist schon spät geworden.“

Beim Bauernhof

Das Frühstück war schon lange vorbei. Zurzeit waren nur wenige Gäste auf dem Hof. Ein ruhiges, schlankes Ehepaar hatte sich bewusst für eines der hinteren Ferienhäuschen entschieden, um etwas Abstand und Ruhe zu haben.

Der andere Gast war ein älterer Pensionär. Er war jeden Morgen der Erste beim Frühstück, weil ihm Meleks Essen besonders gut schmeckte.

Inzwischen war es später Nachmittag. Eine unangenehme Hitze herrschte. Alle saßen unter dem großen Holzpavillon, dessen Dach mit Stroh gedeckt war.

Yaman ließ sich auf einen der Stühle fallen, streckte sich fast liegend aus und blieb eine Weile schweigend sitzen.

Die übrigen Familienmitglieder saßen auf den Bänken des Pavillons.

Alle blickten bedrückt vor sich hin.

Wie sollte es nur weitergehen?

Die ausstehenden Rechnungen mussten in Kürze bezahlt werden.

Yaman schüttelte den Kopf und überlegte laut:

„Wir bräuchten einen Investor. Aber woher nehmen?“

Plötzlich begannen Meleks Augen zu leuchten.

„Ich weiß da jemanden. Den kann ich bitten.“

Alle sahen sie erwartungsvoll an, doch niemand sagte etwas.

Tante Melek stand auf, ging zu ihrem Häuschen hinüber und griff zum Handy.

In München klingelte das Geschäftshandy.

Ali hob ab.

Seine Sekretärin teilte ihm mit:

„Eine Frau aus der Türkei möchte Sie sprechen.“

Ali runzelte kurz die Stirn.

„Wer?“

„Sie sagt, sie wäre Melek vom Bauernhof am Horizont.“

Sofort hellte sich sein Gesicht auf.

„Gut, gut. Bitte stellen Sie sie durch.“

Mit einem erfreuten Lächeln sagte er:

„Melek! Wie geht es dir? Kann ich etwas für dich tun? Brauchst du Hilfe?“

Melek stockte einen Moment.

„Du … ja, du kannst uns tatsächlich helfen. Du weißt doch, Yaman … wir bräuchten einen Investor. Du erinnerst dich sicher noch – alles frisch vom Bauernhof.“

Ali nickte eifrig.

„Weißt du was? Das trifft sich gut. Mir fehlt ein neuer Lieferant.“

Nach kurzem Überlegen fügte er hinzu:

„Schick mir Yaman. Dann setzen wir uns zusammen.“

Einen Moment schwieg er.

„Melek … geht es dir wirklich gut?“

Melek räusperte sich. Ihr Hals war ganz trocken.

„Ja, sicher. Mir geht es gut.“

„Na dann. Bis bald“, sagte Ali.

Melek legte auf.

Sie holte tief Luft, bevor sie zu den anderen zurückging.

Noch bevor sie den Pavillon erreichte, rief sie laut:

„Yaman, du kannst kommen! Das Unternehmen Talu erwartet dich!“

Mit einem Schlag erhellten sich alle Gesichter.

Yaman lächelte.

„Gut, dann ziehe ich meine rote Glückskrawatte an!“

Die anderen sahen sich kurz erschrocken an.

Fatih warnte vorsichtig:

„Yaman … die ist unmöglich. Ich weiß, sie stammt von deinem Vater, aber …“

„Kein Aber!“, unterbrach ihn Yaman. „Schwarzer Anzug und rote Krawatte gehen immer.“

Niemand traute sich, etwas dagegen zu sagen.

„Nicht wahr, Tante Melek?“, fragte er und zwinkerte ihr erwartungsvoll zu.

Tante Melek fächelte sich mit der Hand Luft zu.

„Hauptsache, du bekommst eine Chance.“

Yaman wandte sich zu Fatih.

„Du kommst auch mit.“

Fatih grinste bis über beide Ohren.


München, Unternehmen Talu

Yaman und Fatih fuhren mit dem Fahrstuhl nach oben. Beide sahen sich etwas unsicher und nervös an.

„Schauen wir gut aus?“, fragte Yaman.

Fatih rückte ihm die Krawatte zurecht.

„Alles klar.“

„Alles klar“, bestätigte Yaman und umklammerte den Präsentkorb.

„Bing.“

Der Fahrstuhl öffnete sich.

Gerade bogen sie um die Ecke des Flures, als Ali aus dem Besprechungsraum trat.

„Yaman! Du siehst deinem Vater wirklich ähnlich.“

Sein Blick fiel auf Fatih.

„Wen hast du denn da mitgebracht?“

„Das ist mein bester Freund Fatih.“

Fatih überreichte Ali den Präsentkorb.

Yaman erklärte:

„Ein kleines Präsent von unserem Bauernhof, zusammengestellt von Tante Melek, Onkel Hasan und seiner Frau Debra.“

Ali lächelte erfreut und ließ seinen Blick über die Köstlichkeiten schweifen. Vorsichtig stellte er den Korb an der Seite des Besprechungstisches ab.

Zwei weitere Herren aus dem Unternehmen saßen ebenfalls mit am Tisch.

„So …“, sagte Ali und rieb sich die Hände. „Dann legen wir mal los. Zeig uns deine Unterlagen. Was kannst du uns anbieten? Diese Herren sind meine Berater. Zurzeit suchen wir einen neuen Lieferanten für unseren Bio-Lebensmittelbereich.“

Er nickte Yaman zu.

„Da kommst du gerade zur rechten Zeit.“

Eineinhalb Stunden später war alles besprochen.

Yaman unterschrieb den Vertrag.

Man umarmte sich.

„Auf gute Geschäfte!“, sagte Ali strahlend.

Yaman gab ihm noch einmal einen kräftigen Händedruck.

Dann rief Ali einer Sekretärin zu:

„Bitte holen Sie meine Tochter.“

Die Sekretärin eilte davon und kam kurz darauf mit Daniela zurück.

„Guten Tag“, begrüßte sie die Anwesenden.

Als sich ihre Blicke trafen, erstarrten beide.

Yamans Augen funkelten überrascht und zugleich aufgebracht.

Ali blickte zu seiner Tochter.

„Daniela, das sind ab heute unsere neuen Lieferanten für den Bio-Bereich.“

Er sah seine Tochter ernst an.

„Und du wirst künftig den Bio-Bereich führen. Es wird Zeit, Verantwortung zu übernehmen.“

Daniela war alles andere als begeistert.

„Das bringt doch keinen Umsatz. Was soll das mit so einem kleinen Bauernhof?“

Ali wurde deutlich.

„Du hast keine Ahnung, wie schwer die Arbeit auf einem Bauernhof ist.“

Daniela trat einen Schritt nach vorn.

„Ich habe keine Ahnung?“

Ali hob die Augenbrauen.

„Nein, Daniela. Du hast keine Ahnung.“

Nach einem kurzen Moment sagte sie:

„Gut. Dann werde ich mir das Ganze vor Ort ansehen.“

Ali sprach weiter:

„Nein. Du wirst es dir nicht nur ansehen – du wirst mithelfen. Vielleicht lernst du dann, Verantwortung zu übernehmen.

Danach kannst du deinen London und Paris-Spaß haben.“

Daniel, bitte.

„Na gut. Wie lange?“

Yaman und Fatih hatten das Wortgefecht ungläubig verfolgt.

Da mischte sich Yaman ein.

„Sechs Wochen. Das halte ich für angemessen.“

Ein listiges Grinsen huschte über sein Gesicht.

Ali sah seine Tochter fragend an.

Daniela nickte widerwillig.

„Gut. Sechs Wochen. Danach bekomme ich aber meine Reise nach London und Paris.“

Zur Besiegelung der Abmachung reichte sie ihrem Vater die Hand.

Draußen, in der Parkanlage vor dem Unternehmen, sah Fatih seinen Freund kopfschüttelnd an.

„Sag mal, bist du noch ganz dicht? Ich dachte, du kannst sie nicht ausstehen.“

Yaman lächelte genüsslich.

„Sie ist meine Helferin … meine Helferin.“

Ein schelmisches Grinsen huschte über sein Gesicht.

„Für Prinzessin Daniela lasse ich mir schon etwas Schönes einfallen.

Und er lachte. „Ha, ha …“


Zwei verschiedene Welten

Gleich nachdem Yaman und Fatih auf dem Bauernhof angekommen waren, freuten sich alle über die gute Nachricht.

Es wurde keine Zeit verloren. Jeder machte sich wieder an seine Aufgaben.

Drei Tage später war inzwischen auch Daniela mit ihrem Auto in der Türkei angekommen und unterwegs zum Bauernhof.

Die schmale Straße führte auf der einen Seite an einer Felswand entlang, auf der anderen eröffnete sich eine wunderschöne Landschaft. Nach einiger Zeit konnte Daniela zwischen den gedrungenen Bäumen und Büschen das Meer erkennen.

Sie entdeckte auf der linken Seite eine kleine Sandbucht, von der aus man weit über das Meer blicken konnte. Sie lenkte ihren Wagen dorthin, stieg aus und genoss den Ausblick.

Gedankenverloren stand sie da. Der warme Wind strich sanft über ihre Haut. Die angenehme Wärme ließ sie für einen Moment alles um sich herum vergessen.

Gerade wollte Daniela wieder zu ihrem Auto gehen, als ein Sportwagen mit hoher Geschwindigkeit heranraste und abrupt anhielt.

Sie schob ihre Sonnenbrille hoch.

Das darf doch nicht wahr sein, schoss es ihr durch den Kopf.

•Mert•

Er stieg aus und kam mit großen Schritten auf sie zu.

„Was für eine süße Überraschung!“, grinste er.

Daniela war alles andere als begeistert.

„Ja … kommt ganz darauf an.“

Sie verschränkte die Arme.

„Ich sage es dir gleich. Ich will mit dir nichts mehr zu tun haben. Wir waren einmal verliebt, aber das ist längst vorbei.“

Mert ließ sich nichts anmerken.

„Was machst du denn hier?“

„Ich fahre zum Bauernhof am Horizont. Mein Vater investiert dort. Er hat mich dorthin geschickt.“

Leise murmelte Mert vor sich hin:

„Damit kann er also den Kredit decken.“

Unbemerkt ballte er die Hand zur Faust.

Mit abgewandtem Gesicht blickte er einen Moment finster zu Boden. Dann drehte er sich zu Daniela um und lächelte freundlich.

„Dann sehen wir uns bestimmt noch.“

Daniela seufzte.

„Wird sich wohl nicht vermeiden lassen. Ich muss jetzt los. Ich bin schon spät dran.“

Sie stieg in ihren Wagen und fuhr weiter.

Am späten Nachmittag bog sie schließlich auf den Bauernhof ein.

Melek entdeckte sie als Erste.

„Da kommt sie.“

Yaman schüttelte nur den Kopf.

Daniela stieg aus und kam auf die kleine Gruppe zu.

„Du bist ziemlich spät dran“, sagte Yaman.

Daniela sah darin kein Problem.

„Tut mir leid. Ich habe die schöne Meeraussicht genossen.“

Yaman war müde vom langen Tag.

„Gut. Ich zeige dir deine Unterkunft.“

Daniela sah einen Mann mit Strohhut heranlaufen.

Er verneigte sich leicht und nahm den Hut vor die Brust.

„Ich bin Hasan.“

Dann deutete er mit dem Kinn zur Seite.

„Und das ist meine Schwester Melek.“

„Freut mich“, sagte Daniela. „Bitte bringen Sie meine Koffer zu meiner Unterkunft.“

Hasan nickte eifrig.

Yaman ging wortlos voraus. Vor einem der kleinen Häuschen blieb er stehen.

Daniela verzog sofort das Gesicht.

„Das ist doch nicht dein Ernst. Da gehe ich nicht rein. Das ist ja ein Schuhkarton.“

Yaman sah sie müde und genervt an.

„Ach so … die Prinzessin braucht wohl etwas Besseres.“

In diesem Moment kam Tante Melek dazu.

Sie sah die genervten Gesichter der beiden an.

„Was ist denn mit euch zwei los?“

Daniela lächelte leicht.

„Tut mir leid. Das ist nichts für mich.“

Tante Melek überlegte kurz.

„Zwei neue Häuschen sind bereits geplant, aber das wird noch etwas dauern.“

Sie lächelte Daniela freundlich an.

„Weißt du was? Du kannst erst einmal in meinem Gästezimmer übernachten.“

Yaman schüttelte energisch den Kopf.

Doch Tante Melek schob Daniela bereits in Richtung ihres kleinen, gemütlichen Hauses.

Yaman hielt sich mit beiden Händen den Kopf.

Am besten verschwand er jetzt. Er stieg in sein einfaches Auto und fuhr zu seinem kleinen, schlichten Haus.

Er wollte einfach nur noch schlafen.

Daniela war mit ihrem Gästezimmer zufrieden. Es war gemütlich eingerichtet und bot genügend Platz für ihre Kleidung.

Auch sie legte sich schließlich in das weiche Bett, das angenehm nach frischer Wäsche duftete.


Nächster Tag auf dem Bauernhof

Nach dem Frühstück zeigte Yaman Daniela die Stallungen mit den Kühen, Schafen und einem Pferd.

Vor den Stallungen blieb er stehen.

„Du liebst Tiere?“

Daniela trat einen Schritt näher und lächelte fast belustigt.

„Natürlich liebe ich Tiere. Du kennst doch meinen Liebling Timy.“

Wie gerufen stand Timy plötzlich schwanzwedelnd hinter den beiden.

Im nächsten Moment sauste der Hund auf Yaman zu, lief zwischen seinen Beinen hindurch und setzte sich brav vor ihn auf seinen Hintern.

Yaman blickte kurz zu ihm hinunter.

„Lauf, Timy! Hier bist du frei!“

Sofort flitzte Timy davon.

Daniela sah ihn verwundert an.

„Was war das denn?“

„So“, sagte Yaman und zeigte auf den Stall. „Heute stapelst du die Heuballen.“

Er deutete auf einen mittelgroßen Anhänger, der bis oben hin mit quadratischen Heuballen beladen war.

Mit Leichtigkeit griff Yaman einen der mit Schnüren zusammengebundenen Heuballen in der Mitte der Schnur, hob ihn hoch und wuchtete ihn im Stall an die Wand.

„So wird das gemacht. Das ist heute deine Aufgabe.“

Natürlich wollte Daniela keine Schwäche zeigen. Sie griff ebenfalls nach einem Heuballen, merkte aber schnell, dass sie ihn nicht mit einer Hand tragen konnte. Also packte sie die Schnur mit beiden Händen und schleppte den Ballen mühsam in den Stall.

Gerade als sie ihre Kleidung betrachtete, reichte Yaman ihr eine altmodische Schürze.

Daniela starrte das hässliche Ding an.

„Das ist doch nicht dein Ernst!“

„Damit schützt du deine Kleidung.“

Yamans Blick wanderte an ihr hinunter. Daniela trug eine zartrosa Bluse mit Ärmeln bis zu den Ellbogen, einen kurzen weißen Rock und dazu gelbe Gummistiefel.

Murrend zog sie die Schürze über und band sie hinter ihrem Rücken zusammen.

Schmunzelnd drehte sich Yaman um und winkte ihr im Weggehen noch einmal zu.

Etwas weiter entfernt stand sein Traktor. Gerade wollte er aufsteigen, als Timy angerannt kam und aufgeregt an ihm hochsprang.

„Na, mein Kleiner …“

Yaman beugte sich zu dem Hund hinunter. Da fiel sein Blick auf das runde Amulett am Halsband.

Das kannte er doch …

Da erinnerte er sich.

Das war der kleine Hund von damals aus der Empfangshalle.

Yaman wuschelte durch Timys Fell.

„Na, mein kleiner Kerl, hast du mich nicht vergessen?“

Er strahlte über das ganze Gesicht.

„Komm, lauf! Lass es dir hier gut gehen und genieße deine Freiheit.“

Liebevoll gab er Timy einen kleinen Klaps auf den Hintern.

Schon flitzte der Hund wieder davon.

Yaman fuhr mit dem Traktor hinaus auf die Felder.

Daniela schleppte Heuballen um Heuballen. So stur, wie sie war, machte sie keine einzige Pause. Nur eine Wasserflasche stand neben ihr.

Irgendwann brach ihr bei der Arbeit ein Fingernagel ab.

Was für eine Tragödie!

Natürlich musste dieser furchtbare „Unfall“ sofort dokumentiert werden. Sie schickte ihrer besten Freundin Isabell ein Foto davon.

Anschließend ging sie in ihr Zimmer, holte ihre Notfalltasche, schnitt ein riesiges Pflaster zurecht und versorgte ihren Finger.

Mit großem Bedauern machte Daniela weiter.

Die Arbeit dauerte bis zum Abend.

Als Yaman müde vom Feld zurückkam, saßen bereits alle am langen Tisch.

Nach dem Essen fragte er:

„Wo ist Daniela?“

Onkel Hasan und Tante Debra zuckten mit den Schultern.

Während sie den Tisch abräumte, antwortete Tante Melek:

„Daniela ist in die Stadt gefahren. Sie wollte dort zu Abend essen.“

Yaman klopfte mit den Fingerknöcheln auf die Tischplatte.


Beim Strandlokal

„Tante Melek, ich fahre noch zu meinem Lieblingslokal. Ich muss mich ein bisschen erholen.“

Tante Melek nickte verständnisvoll.

Am Strandlokal angekommen, ging Yaman den Holzweg entlang in das offene Lokal. Vorne erkannte er die halbrunde Theke.

Er wollte gerade darauf zugehen …

Ungläubig blieb er stehen.

Daniela.

Und neben ihr saß ihre Freundin Isabell.

Die beiden hatten sich spontan dort getroffen. Daniela war bereits leicht angetrunken.

Yaman hatte überhaupt keine Lust, ihr zu begegnen. Frustriert drehte er sich um und wollte seine Schritte beschleunigen.

Plötzlich hüpfte ihm auf dem Holzweg eine junge Frau entgegen.

"•Yaman•!"

Mit leuchtenden Augen sah Susan ihn an.

Sie blickte ihn einen Moment nachdenklich an.

„Ist etwas passiert?“

Yaman schaute sie überrascht an.

„Susan?“

Sie lachte.

„Genau. Susan. Ich bin fertig mit meinem Studium und arbeite seit Kurzem als Ärztin im neuen Aksoy-Krankenhaus.“

„Das freut mich riesig.“

Yaman umarmte sie herzlich.

Gemeinsam setzten sie sich an einen freien Tisch.

Sie unterhielten sich eine ganze Weile. Yaman erzählte von der unerwarteten Begegnung mit Daniela und davon, dass sie noch immer keine Ahnung hatte, wer er wirklich war.

„Und wo wohnst du jetzt?“, fragte Yaman.

Susan hob leicht die Schultern.

„Im Moment noch in den Personalzimmern des Krankenhauses. Aber auf Dauer ist das nichts für mich.“

Ganz selbstverständlich bot Yaman an:

„Dann komm doch zu uns auf den Bauernhof.“

Susan lächelte erfreut.

„Ja, danke. Das mache ich gern.“

Gerade wollten sie sich verabschieden …

Da schwankte Daniela leicht beschwipst an ihnen vorbei und redete laut und völlig durcheinander.

Yaman sprang sofort auf den Holzweg.

Kopfschüttelnd hob er Daniela vorsichtig auf seine Arme und trug sie davon.

Isabell eilte ihnen hinterher.

„Daniela!“, rief sie besorgt.

Ohne sich umzudrehen, sagte Yaman laut:

„Ich bringe sie zurück zum Bauernhof!“

Susan schaute den beiden verwundert hinterher.

Am Tag darauf auf dem Bauernhof

Schon vor dem Frühstück saß der ältere Pensionär Mehmet Bey vor dem Frühstückshaus.

Melek trat hinaus.

„Guten Morgen, Mehmet Bey. Wie immer einen schwarzen Kaffee? Heute gibt es frischen Ziegenkäse und Tomaten aus dem Garten. In Kürze bringe ich Ihnen einen Teller.“

Dabei lächelte sie freundlich.

Mehmet Bey war entzückt.

„Alles, was Sie servieren, ist köstlich – und wunderbar … genauso wunderbar wie Sie.“

Melek hatte sich bereits wieder umgedreht. Für sie war diese Freundlichkeit nichts weiter als reine Höflichkeit.

Nicht lange danach kamen auch Yaman, Hasan und Debra dazu. Debra brachte wie gewohnt dem Ehepaar Yılmaz das Frühstück.

Nun saßen alle gemeinsam am Tisch, frühstückten und besprachen die Arbeiten des Tages.

Yaman fuhr später mit Fatih hinaus auf die Felder, während Hasan sich wie immer um die Ställe kümmerte und die Tiere fütterte.

Einige Zeit später erschien auch Daniela und setzte sich an den Frühstückstisch.

Tante Melek ging sofort zu ihr.

„Daniela, komm und frühstücke erst einmal. Bevor Yaman zurückkommt. Der ist sowieso noch sauer auf dich.“

Daniela hob müde den Kopf, der noch immer leicht brummte.

„Uff …“,entfuhr es Daniela

Rasch stellte Melek ihr das Frühstück auf den Tisch.

In diesem Moment stand Timy schwanzwedelnd vor Daniela.

Lächelnd streichelte sie den Hund. Nach einem kurzen Bellen lief Timy zielstrebig zu seinem Futternapf.

Gerade erklärte Tante Melek ihr, dass sie besser ein langärmeliges Oberteil und eine lange Hose anziehen sollte, als Yaman mit einer verärgerten Miene auf sie zukam.

„So, los geht's. Zieh dir etwas Langärmeliges an. Es geht zu den Apfelbäumen. Pflücken.“

Daniela wollte protestieren.

Doch Tante Melek griff sofort ein.

„Das habe ich ihr schon gesagt. Komm, mach schnell.“

Unwillig stieg Daniela auf den Traktor. Sie hob beide Hände, als wollte sie sagen: Was soll man machen?

Tante Melek sah die Geste und rief ihr lächelnd nach:

„Debra ist auch dabei!“

Kurz darauf machten sie sich auf den Weg.

An den Apfelbäumen angekommen, erklärte Debra Daniela in aller Ruhe, wie die Arbeit ablief.

Yaman arbeitete derweil auf dem gegenüberliegenden Feld und pflügte den Acker.

Die unerwartete Überraschung

Unerwartet tauchte Ali gemeinsam mit seinem Chauffeur Haluk und seiner Schwester Leyla auf.

Der Wagen mit dem schicken, modernen Wohnwagen blieb am Rand des Feldes stehen.

Ali machte sich mit schnellen Schritten auf den Weg zu den Apfelbäumen.

Daniela stand gerade auf einer Leiter zwischen den Ästen und pflückte Äpfel.

Leyla und Haluk folgten ihm.

Schließlich blieben die drei nebeneinander stehen. Mit gerunzelter Stirn blickte Ali zu Daniela hinauf.

Leyla rief entsetzt:

„Das … das ist unmöglich! Schau dir nur unsere Daniela an! Mit einem Bauernkopftuch, einem hellblauen Hemd und einer khakibraunen Hose!“

Daniela drehte sich überrascht um. Dabei geriet die Leiter ins Wanken.

Debra reagierte blitzschnell und hielt die Leiter gerade noch rechtzeitig fest.

Vorsichtig stieg Daniela herunter und nahm ihr Kopftuch ab.

Yaman hatte den Wohnwagen schon von Weitem gesehen und anschließend die kleine Menschenansammlung um Daniela bemerkt.

Er fuhr mit dem Traktor das kurze Stück hinüber und sprang schwungvoll herunter.

Fragend blickte er in die Runde.

Ali gefiel das alles überhaupt nicht.

„Was soll das? Daniela ist noch nie auf einen Baum geklettert!“

Daniela atmete tief durch.

„Uff … Mir ist doch nichts passiert. Und diese Kleidung ist nun einmal Arbeitskleidung.“

Ali und Leyla sahen sie weiterhin besorgt an.

Schließlich ergriff Ali das Wort.

„Daniela, du kommst sofort mit.“

Leyla nickte zustimmend.

„Genau. Du kommst mit uns.“

Doch Daniela schüttelte den Kopf und verschränkte die Arme.

„Das kommt überhaupt nicht infrage. Wir haben sechs Wochen vereinbart.“

Ali kannte seine Tochter. Er wusste genau, wie stur sie sein konnte. Gegen ihren Willen hatte er jetzt keine Chance.

Er trat ein paar Schritte zur Seite.

Leyla folgte ihm.

Leise sagte Ali:

„Eigentlich gefällt mir das. Sie zeigt endlich einmal Durchhaltevermögen.“

Nachdenklich fügte er hinzu:

„Wir lassen den Wohnwagen hier.“

„Dann bleibe ich ebenfalls hier und kümmere mich um sie“, sagte Leyla.

Ali nickte und nahm seine Schwester kurz in den Arm.

Anschließend winkte er Daniela und Yaman zu sich.

„Gut, wir lassen dir den Wohnwagen hier. Yaman wird bestimmt einen schönen Platz dafür finden.“

„Stimmt's, Yaman?“

Yaman nickte.

Was blieb ihm auch anderes übrig?

Der Wohnwagen bekam einen schönen Platz zwischen dem Bauernhof und dem Meer.

Alle waren zufrieden.

Für Yaman ging die Arbeit am späten Nachmittag ganz normal weiter.

Währenddessen im Wagen überlegte Ali einen Moment.

„Haluk, wir bleiben ebenfalls hier. Wir fahren zu meinem Anwesen.“


Inzwischen in der Stadt …

Mert und sein Handlanger Kadir saßen in dem Restaurant, das Mert gehörte. Doch nicht nur das Restaurant gehörte ihm, sondern auch das Aksoy-Krankenhaus und das dazugehörige Gebiet.

Lässig hing Mert in seinem bequemen Stuhl.

Die beiden heckten einen Plan aus, wie sie Yaman schaden könnten.

„Zuerst machen wir ihnen Angst“, grinste Mert.

„Heute Nacht jagen wir die Hühner aus dem Stall bis hinüber zum Wald. Den Rest erledigen die Wölfe.“

Ein hämisches Grinsen breitete sich auf den Gesichtern der beiden aus.

Noch in derselben Nacht fuhr Kadir mit einem alten Lieferwagen zum Bauernhof.

Leise löste er ein Holzbrett am Hühnerstall und jagte die Hühner in Richtung Wald.

Zufrieden mit dem angerichteten Schaden fuhr er beinahe lautlos wieder davon.

Unterwegs rief Kadir Mert an.

„Ist erledigt.“

Mehr sagte er nicht und legte wieder auf.

Mert schenkte sich in seiner Penthousewohnung, die direkt an das Aksoy-Krankenhaus angrenzte, ein Glas Wein ein und nahm genüsslich einen Schluck.

***

Aufruhr auf dem Bauernhof

Auf dem Bauernhof waren alle auf der Suche nach den Hühnern.

Tante Melek schimpfte:

„Ich habe euch schon lange gesagt, dass das Hühnerhaus neue Bretter braucht.“

Yaman suchte bereits eine ganze Weile nach der Ursache. Doch außer einem zur Seite gedrückten Holzbrett konnte er keine Beschädigung entdecken.

Aufgebracht sagte er:

„Also, das Brett hat sich ganz bestimmt nicht von allein zur Seite geschoben.“

Fatih sah ihn eindringlich an.

„Denkst du dasselbe wie ich?“

Yaman nickte.

„Ja, schon. Aber wir haben keine Beweise.“

Beide sagten fast gleichzeitig:

„Mert, dieser Blödmann!“

„Komm, wir müssen zuerst die Hühner finden“, sagte Yaman.

Gemeinsam liefen sie ein gutes Stück auf den Wald zu

Plötzlich kam ihnen Susan entgegen.

Auf ihrem Arm trug sie ein Huhn, dessen Fuß sorgfältig verbunden war.

Yaman und Fatih schauten sie erfreut und zugleich verwundert an.

Susan deutete mit dem Daumen hinter sich.

„Vorne an der Landstraße liefen die Hühner herum. Dieses hier hat sich anscheinend an Dornen verletzt. Die anderen sind in meinem Auto. Ich habe sie einfach mitgenommen.“

Yaman trat vor Freude auf sie zu und umarmte sie seitlich.

„Susan, du bist … einfach unglaublich!“

Susan lächelte.

„Na ja, wenn man auf einem Bauernhof aufgewachsen ist …“

Die Hühner wurden vorübergehend in einem Steinschuppen untergebracht. Yaman, Hasan und Fatih errichteten zusätzlich einen stabilen Drahtzaun darum.

Später am Abend saßen alle gemeinsam am langen Esstisch.

Yaman blickte in die Runde.

„Darf ich vorstellen? Das ist Susan. Sie ist Ärztin und arbeitet im neuen Aksoy-Krankenhaus.“

Dann stellte er die anderen vor.

„Das ist meine Tante Melek, mein Onkel Hasan und seine Frau Debra. Fatih hast du ja bereits kennengelernt.“

Dabei zwinkerte er Fatih zu.

„Und das sind Daniela und ihre Tante Leyla.“

Susan nickte allen freundlich zu.

„Freut mich sehr.“

Nach dem Abendessen stand Yaman auf und gab Susan ein Zeichen.

„Komm, ich zeige dir dein neues Reich.“

Nach wenigen Minuten erreichten sie das kleine Häuschen.

Es war schlicht, aber gemütlich und erst vor Kurzem von Yaman hellblau gestrichen worden.

Susan gefiel es auf Anhieb.

„Das schöne Hellblau gefällt mir.“

Gemeinsam gingen sie hinein.

„Oh, sogar eine kleine Kochecke.“

Yaman nickte erfreut.

„Dann wünsche ich dir eine gute Nacht. Schlaf gut.“

Susan blickte ihm nach, als er hinausging.

„Gute Nacht!“

Leicht wippte sie auf den Zehenspitzen.


Alles läuft schief

Mert hatte schnell erfahren, dass der Plan nicht aufgegangen war.

Kadir, sein Handlanger, erzählte:

„Susan, du weißt schon, die neue Ärztin im Krankenhaus, hat ihm geholfen und die Hühner eingesammelt.“

Mert schnaufte wütend und fegte mehrere Gegenstände vom Sideboard.

 

Auch bei Daniela lief es nicht gerade perfekt. Zwei Wochen harte Arbeit und zuletzt das Olivenpflücken hatten ihr den Rest gegeben, obwohl ihr jeder davon abgeraten hatte. Diese Arbeit bedeutete ständiges Bücken, belastete den Rücken, und die Körbe waren viel zu schwer. Doch natürlich hatte Daniela sich nichts sagen lassen und half nach einer Nacht mit Schmerztabletten vorne im Küchenbereich wieder mit.

Daraufhin tauchten Ali und sein Chauffeur Haluk wieder auf. Gemeinsam setzten sie sich mit Yaman und Daniela zusammen.

Mit ernster Mine sagte Ali:

„So geht das nicht weiter! Daniela, du kommst sofort mit.“

Daniela stand energisch auf.

„Das kommt gar nicht infrage. Jetzt habe ich erst die Hälfte geschafft. Die letzten drei Wochen schaffe ich auch noch.“

Yaman nickte mürrisch.

„Siehst du, Ali Abi.“

In diesem Moment kamen Onkel Hasan und dicht hinter ihm Fatih herbeigeeilt.

Hasan hob verzweifelt die Hände.

„Yaman, wir haben ein riesiges Problem! Das Lager platzt vor Erdbeeren. Wir müssen uns etwas einfallen lassen, sonst verderben sie alle.“

Gemeinsam schauten sie in das Lager. Tatsächlich war alles bis oben hin überfüllt.

„Was machen wir nun?“, fragte Yaman.

Zusammen gingen sie zurück zur Außenküchentheke und überlegten.

Da hob Daniela plötzlich den Zeigefinger.

"Marmelade!"

Dabei zeigte sie auf ihre Tante.

Leyla lächelte.

„Genau! Ich mache die beste Erdbeer-Orangen-Marmelade.“

Ali runzelte die Stirn.

„Seid ihr euch da sicher? Schafft ihr das?“

Auch Yaman hob nachdenklich die Augenbrauen.

Leyla verschwand hinter der Theke.

„Kommt, fangen wir an!“

Tante Melek winkte Debra herbei.

Sofort machten sich alle an die Arbeit.

Leyla lächelte in die Runde.

„Ich mache meine berühmte Erdbeer-Orangen-Marmelade. Ihr habt doch sicher Orangen?“

Fatih nickte eifrig.

„Wir haben ein ganzes Orangenfeld. Ich kümmere mich sofort darum.“

Dabei gab er Yaman einen Ellenbogenstoß und verschwand mit dem Traktor.

Ali und Haluk bekamen trotz des ganzen Durcheinanders noch ihr Abendessen.

Ali lächelte Melek dankbar an.

„Das wäre doch nicht nötig gewesen. Vielen Dank!“

Melek schmunzelte ihn nur an.

Nach dem vorzüglichen Abendessen standen Ali und Haluk auf. Ali wollte nicht länger stören und verabschiedete sich mit einem Handzeichen aus der Ferne.

„Das Essen war ausgezeichnet. Vielen Dank noch einmal.“

Dann wandte er sich an Daniela und Leyla.

„Passt gut auf euch auf … und viel Glück.“

Anschließend sagte er zu Daniela:

„Ich bin ein paar Tage in München. Du kannst mich jederzeit auf dem Handy erreichen.“

Daniela blickte kurz von ihrer Arbeit auf.

"Okay, Papalein."


Der Verkauf

Nach drei Tagen war nun auch der letzte Topfkessel abgefüllt.

Ein Pickup war voll beladen mit Marmeladengläsern. Sorgfältig von Hand beschriftete Etiketten zierten jedes einzelne Glas. Einige enthielten Erdbeermarmelade, andere eine Erdbeer-Orangen-Marmelade.

In den sozialen Medien hatten sie bereits Werbung gemacht. Nun ging es in die Stadt.

Daniela und ihre Freundin Isabell waren etwas aufgeregt. Ob wohl alles klappen würde?

Der Verkauf lief gut an.

Sogar auf einer Fähre konnten sie einige Gläser verkaufen.

Sie fragten in vielen Läden nach, handelten geschickt und verkauften ihre Marmelade. Bis zum Abend hatten sie bereits mehr als die Hälfte geschafft und kehrten zufrieden zum Bauernhof zurück.

Gemeinsam wurden die übrigen Gläser wieder im Lager verstaut.

Daniela und Isabell saßen müde beim Abendessen und stocherten nur noch lustlos in ihrem Essen herum.

Tante Melek gab Yaman mit ihren Augen ein Zeichen.

Yaman ließ es sich nicht nehmen.

„Na, echte Handarbeit und das Leben auf einem Bauernhof sind eben etwas anderes, als im Büro zu telefonieren.“

Kaum hatte Tante Melek ihm einen mahnenden Blick zugeworfen, fügte er schnell hinzu:

„Aber Daniela, du hast das tatsächlich durchgezogen.“

In diesem Moment kam Susan dazu.

Yaman winkte sie sofort heran.

„Komm, setz dich. Du hast bestimmt Hunger.“

Susan zögerte.

„Es ist schon spät. Ich bin bestimmt zu spät dran.“

Yaman schüttelte den Kopf.

Noch bevor Susan etwas sagen konnte, brachte Tante Melek ihr bereits einen Teller mit warmem Essen.

„Hoffentlich schmeckt es dir“, sagte sie freundlich.

Susan lächelte.

„Das ist einfach wunderbar.“

Dankbar begann sie zu essen.

Nach und nach standen alle auf und wünschten sich einen schönen Abend.

Nur Yaman blieb noch bei Susan sitzen, während Tante Melek in der offenen Küche verschwand, um aufzuräumen.

Die beiden unterhielten sich noch eine Weile.

Als Susan aufgegessen hatte, begleitete Yaman sie zu ihrem kleinen Häuschen.

Vor der Tür blieben beide einen Moment unschlüssig stehen.

Yaman zeigte mit der Hand auf das Häuschen.

„Hast du dich schon schön eingerichtet?“

Susan nickte lächelnd.

"Ja."

„Und hast du dich schon eingelebt?“

„Ja, habe ich. Es gefällt mir hier sehr gut.“

Yaman lächelte.

Leise murmelte er: „Also … gute Nacht.“ und ging langsam davon.

Susan blieb noch einen Moment draußen stehen und schaute Yaman so lange nach, bis er verschwunden war.

 

Verkauf im nächsten Stadtteil

Daniela und Isabell hatten gemeinsam mit Fatih die restlichen Marmeladengläser auf den Pickup geladen.

Gerade wollten sich Daniela und Isabell ins Auto setzen, als Yaman mit einer riesigen Kühlbox von der Seite kam. Er stellte sie auf die Ladefläche und stieg hinten ein.

Daniela blickte fragend nach hinten.

"Reichtum?"

Yaman antwortete mürrisch:

„Ich muss zum Fischerhafen. Ihr fahrt sowieso in die Richtung.“

Daniela passte das irgendwie überhaupt nicht. Leise murmelte sie zwischen den Zähnen:

„Wie man sieht.“

Schweigend fuhren sie los.

Niemand sprach während der Fahrt.

Heute führte ihr Weg durch die Stadt in den nächsten Stadtteil. Schon nach kurzer Zeit fiel ihnen auf, dass überall Schilder mit der Aufschrift Aksoy standen.

„Was ist das?“, fragte Daniela.

„Das gehört alles Mert“, antwortete Yaman kurz.

In der Nähe des Hafens stieg Yaman aus. Er winkte einem Mann zu, der ihm einen Handwagen brachte.

Daniela und Isabell fuhren noch ein Stück weiter, bis sie einen geeigneten Parkplatz fanden.

Mit einem altmodischen Kinderwagen mit großen Rädern, den Tante Melek ihnen mitgegeben hatte, zogen sie los. Darin standen die Marmeladengläser sorgfältig gestapelt.

Mal verkauften sie mehr, mal weniger. Doch langsam leerte sich der Wagen.

Schließlich kamen sie an einem Restaurant vorbei.

Mert bemerkte die beiden sofort. Neben ihm stand wie immer sein Schatten Kadir.

Mit einem schiefen Lächeln ging Mert auf sie zu.

„Daniela, was machst du denn hier?“

Daniela antwortete frech:

„Ich verkaufe Marmelade. Siehst du doch.“

Mert hob das Kinn.

„Und hast du noch viele Gläser?“

Isabell überschlug kurz.

„Bestimmt noch über hundert Stück.“

Mert grinste.

„Die nehme ich alle.“

Im ersten Moment freute sich Daniela. Doch sofort stieg ein mulmiges Gefühl in ihr auf.

„Mach ich nicht!“

Mert hob überrascht die Augenbrauen.

„Was? Warum denn nicht?“

„Ganz einfach. Du willst bestimmt wieder etwas dafür von mir. Essen gehen, einen Strandspaziergang oder so etwas ähnliches.

Mert grinste.

„Warum nicht? Gute Idee.“

Daniela wollte gerade mit ihrer Handtasche auf ihn losgehen.

Doch plötzlich stand Yaman vor ihr. Er hatte die Szene schon von Weitem beobachtet.

Kadir zog Mert sofort ein Stück zurück.

Mert schaute verblüfft.

Isabell blickte verwundert zwischen den beiden hin und her.

Daniela trat dicht an Yaman heran, legte ihren Kopf an seine Schulter und flüsterte:

„Nicht bewegen … bitte beschütze mich.“

Yaman war zwar etwas irritiert, blieb aber ruhig und ging langsam mit ihr weiter.

Mert blickte ihnen wütend hinterher.

Kadir schob ihn zurück in sein Restaurant.

Drinnen ließ Mert seinen Frust an seinem Personal aus.

Schließlich schob Kadir ihn in sein Büro.

Wütend ließ sich Mert in seinen breiten Lederstuhl fallen und schlug mit der Faust auf die Tischplatte.

„Das gibt Rache!“

Seine Augen funkelten gefährlich.

Er leerte ein Glas Whisky in einem Zug.

Kadir nahm ihm das Glas aus der Hand.

„Mert, du brauchst einen klaren Kopf. Wir brauchen einen neuen Plan.“

 ***

Später, auf der Rückfahrt, fragte Yaman:

„Was war da eigentlich los?“

Daniela seufzte.

„Uff … das ist schon lange her. Damals, während des Studiums, waren Mert und ich verliebt . Aber er war viel zu besitzergreifend. Deshalb habe ich Schluss gemacht. Mert hat das bis heute nicht begriffen.“

Yaman nickte.

„Ja, das sieht ihm ähnlich.“

Isabell wechselte das Thema.

„Gut, was machen wir jetzt mit den restlichen Gläsern?“

Daniela dachte kurz nach.

„Ich weiß nicht. Wir haben inzwischen so viele Anfragen bekommen. Wir bräuchten einen …“

Beide sahen sich an, zeigten mit den Zeigefingern aufeinander und wippten dabei grinsend hin und her.

„… einen Laden, wo die Kunden ihre Ware abholen können!“

Beide fingen an zu kreischen und lachten.


Der Laden

Kurz vor dem Bauernhof, dort, wo die Landstraße endete und in eine Kiesstraße überging, die bereits von den ersten Baumgruppen gesäumt wurde, klopfte Daniela auf einmal auf das Lenkrad.

„Ich hab's! Genau hier, direkt vor der Einfahrt, machen wir einen Laden. Den können die Kunden sofort erkennen.“

Alle stiegen aus.

Begeistert zeigte Daniela mit den Händen, wie sie sich alles vorstellte.

Yaman zog die Augenbrauen hoch.

„Und woher bekommst du den Holzladen?“

Daniela antwortete entschlossen:

„Yaman, du und Fatih könnt den doch bauen.“

Yaman lächelte müde. Die harte Arbeit der letzten Tage steckte ihm noch in den Knochen.

„Sicher, sicher, Daniela. Darum musst du dich diesmal aber selbst kümmern. Ich muss jetzt zu den Olivenfeldern und nachsehen, wie weit die Arbeiter sind.“

Er hob seine große Kühlbox aus dem Pickup, stellte sie auf seinen Traktor und fuhr davon.

Daniela zog sofort ihr Handy hervor.

„Papa, wie geht es dir?“

Isabell sah sie neugierig an.

„Und?“

Daniela strahlte.

„Alles klar!“

Zwei Stunden später stand der kleine Holzladen. In den Regalen standen Marmeladengläser, Tomaten, Auberginen, Pflaumen, Orangen und weitere Produkte vom Bauernhof.

„So, los geht's!“

Kurz darauf ertönte ihr Handy.

Die Adressdaten des Hofladens waren bereits verschickt.

Schon wenig später trafen die ersten begeisterten Kunden ein.

Bis zum Abend waren alle Waren ausverkauft.

Beim gemeinsamen Abendessen lehnte sich Daniela stolz zurück.

„Ich habe gewonnen. Na, Yaman? Jetzt sagst du nichts mehr.“

Tante Melek schüttelte nur den Kopf.

Yaman sprang wütend auf. Seine Augen funkelten.

„Na klar! Wenn man nur Papa anrufen braucht! Du bist verwöhnt und verzogen. Was weißt du schon davon, sich alles selbst aufzubauen?“

Tante Leyla blickte schweigend auf die Tischplatte.

Yaman drehte sich um und ging.

Auch Onkel Hasan und Debra verließen schweigend den Tisch. Isabell folgte ihnen und ging hinüber zum Wohnwagen.

Yaman stapfte zu seinem Auto und fuhr aufgebracht davon.

Tante Melek warf Daniela einen traurigen Blick zu.

„Yaman ist seit dem Unfall seines Vaters nicht mehr derselbe. Er hat so hart gearbeitet, um den Bauernhof aufzubauen.“

Daniela senkte den Blick.

„Entschuldigung …“

Tante Melek sah sie ruhig an.

„Bei mir brauchst du dich nicht zu entschuldigen, sondern bei Yaman.“

Langsam stand Daniela auf.

Sie ging hinüber zu den Ställen.

Alle Tiere schliefen bereits. Nur das Pferd streckte neugierig den Kopf aus der Box.

Daniela trat näher, streichelte ihm über den Kopf und sagte leise:

„Na, meine Süße. War das alles wirklich so falsch von mir?“

Das Pferd wieherte leise.

Erschrocken zuckte Daniela zusammen.

Plötzlich stand Yaman neben ihr. Mit einem Heuballen in der Hand verteilte er das Heu im Futtertrog.

Ohne sie anzusehen, sagte er:

„Du weißt es nicht besser.“

Daniela blickte ihm tief in die Augen.

„Entschuldigung, Yaman. Habe ich dir irgendwas getan?“

Yaman schwieg einen langen Moment.

Dann wich er ihrem Blick aus.

„Es ist schon spät.“

Daniela streichelte noch einmal über den Kopf des Pferdes.

„Wie heißt sie?“

„Lena“, antwortete Yaman.

„Lena? Ist das nicht ein deutscher Name?“

Yaman nickte.

„Lena war der Name von Tolgas Mutter. Als sie starb, kaufte sein Vater ihm dieses Pferd, damit er etwas Trost fand. Lena gehört meinem besten Freund Tolga. Eigentlich ist er mehr als ein Freund – er ist wie ein Bruder. Wir sind zusammen aufgewachsen und haben gemeinsam Agrarwirtschaft studiert. Seit Jahren habe ich nichts mehr von ihm gehört. Er ist nach Amerika gegangen und wollte sich dort etwas Eigenes aufbauen.“

Daniela war verblüfft, dass Yaman ihr das alles erzählt hatte.

Nachdenklich nickte sie.

Dann verabschiedete sie sich gähnend und ging schlafen.


Einladung zum Anwesen

Im Außenbereich wurden Tische und Stühle zusammengestellt. Ali war mit seinem Chauffeur Haluk gekommen. Alle saßen zufrieden beisammen und plauderten.

„Morgen lade ich euch auf mein Anwesen ein. Eine kleine Feier auf euren Erfolg.“

Dabei lächelte er Daniela und Isabell entgegen und nickte Yaman anerkennend zu.

„Gut, gut“, stimmte Melek zu, und die anderen nickten lächelnd.

Nach und nach löste sich die Runde auf.

Spät am Abend gingen Ali und Melek gemeinsam den langen Holzweg hinunter zum Meer. Am Anfang des Holzsteges setzten sie sich. Ihre Füße hingen frei über dem Meer.

Ali sprach leise:

„Ich hatte ein wenig Angst vor dieser Begegnung.“

Melek drehte ihr Gesicht leicht zur Seite.

„Doch, doch. Vor der früheren Melek vielleicht.“

Ali schwieg und blickte hinaus aufs Meer.

Enttäuscht fragte Melek ruhig:

„Warum? Warum hast du das gemacht? Ich habe so lange auf dich gewartet. Du bist nie zurückgekommen. Anscheinend hast du mich vergessen … und dann hast du auch noch geheiratet.“

Ali stand langsam auf, trat vor Melek und kniete sich vor sie.

Mit einem ehrlichen, verzweifelten Blick sagte er:

„Weil Menschen Fehler machen. Ich habe einen Fehler gemacht. Weil ich mich falsch entschieden habe.“

Melek sah ihm lange in die Augen.

Schließlich nickte sie.

„Gut. Lassen wir die Vergangenheit ruhen.“

Sie stand auf, und beide gingen langsam nebeneinander zurück.

Unterwegs blieb Ali stehen und ließ seinen Blick über die vielen Melonenlampen schweifen.

„Das habt ihr schön gemacht mit der Beleuchtung.“

Melek lächelte leicht.

„Das war alles Yamans Werk.“

Anerkennend nickte Ali, und gemeinsam gingen sie den Weg weiter zurück.

Beim Anwesen

Rund um das Anwesen standen viele Defneağacı. (Lorbeerbäume)

Vor der Villa, die Ali einst gemeinsam mit seinem Vater restauriert hatte, trafen sich alle. Vor dem Pool stand ein langer, weiß gedeckter Tisch. Dort warteten bereits Ali, seine Tochter Daniela, Isabell und Leyla, die seit dem Vortag ebenfalls da war.

Ali breitete die Arme aus.

„Es freut mich, dass ihr gekommen seid.“

Debra machte große Augen.

„Wirklich wunderschön haben Sie es hier, Herr Ali Bey. Und draußen die vielen  Defneağacı – die mögen Sie wohl besonders.“

Onkel Hasan platzte unüberlegt heraus:

„Ja, Melek liebt  Defneağacı auch.“

Melek zuckte leicht zusammen und drehte sich mit einem verlegenen Lächeln zur Seite.

Schnell setzte sie sich neben Yaman. Haluk saß bereits am Tisch.

Alle nahmen Platz und genossen auf ihre Weise die besondere Atmosphäre.

Beim Nachtisch konnte Debra sich nicht mehr zurückhalten.

„Wirklich wunderschön ist es hier. Wie in einem Traum. Was für ein besonderer Ort.“

Ali lächelte traurig.

„Ja … das hat mein Vater auch immer gesagt.“

 ***

Unterdessen wollte Mert seinen Plan, Yaman und seinem Bauernhof zu schaden, in die Tat umsetzen.

„Kadir, du weißt Bescheid.“

Kadir grinste schief.

„Strom abschalten. Ohne Strom bekommen sie Probleme.“

Beide lachten hämisch.

„Du weißt, wo der letzte Strommast hinter den Olivenfeldern steht. Er steht auf seinem Grundstück. Dort kommt niemand vorbei“, sagte Mert hinterhältig grinsend.

„Mach die Sicherung kaputt.“

Kadir nickte gierig.

Vor Ort kletterte er auf den Strommast. Es war stockdunkel. Seine Taschenlampe flackerte ständig, und außerdem hatte er keine Ahnung. Brummelnd tastete und klopfte er am Schaltkasten herum.

„Wo ist denn diese verdammte Sicherung?“

Plötzlich entdeckte er einen Hebel.

„Ah! Ein Hebel. Super!“

Er legte ihn um.

Ein lautes Klacken war zu hören.

Zufrieden grinste Kadir.

„Geschafft!“

Wenig später traf er wieder bei Mert ein.

„Mert, erledigt!“

Mert rieb sich zufrieden die Hände.

***

Auf dem Anwesen war es inzwischen still geworden.

Daniela blieb noch zwei Wochen auf dem Bauernhof. So hatten sie es gemeinsam beschlossen. In dieser Zeit sollte sie im Küchenbereich oder im Hofladen mitarbeiten.

Damit waren alle einverstanden.


Am frühen Morgen

Melek und Yaman suchten nach der Ursache, warum es keinen Strom gab. Auch die Gäste standen unruhig vor dem Küchenhaus und fragten nach.

Onkel Hasan kam angelaufen.

„Ich habe schon bei der Stromversorgung angerufen. Von deren Seite ist alles in Ordnung. Das Problem liegt anscheinend bei uns.“

Debra, die gerade im Küchenbereich das Frühstück vorbereitete, schüttelte den Kopf.

„Gut, dass wir hier einen Gasherd haben.“

Yaman und Melek sahen sich fragend an.

Susan kam dazu, sah die fragenden Gesichter und bemerkte sofort, dass alle nervös waren.

„Was ist los?“

Yaman antwortete knapp:

„Wir haben keinen Strom. Die Versorgungsstelle sagt, von ihrer Seite gäbe es keine Probleme.“

Susan nahm zwei Frühstücksteller und setzte sich.

„Komm, Yaman. Mit leerem Magen lässt es sich schlecht denken.“

Yaman trank nachdenklich seinen Tee.

Susan fragte:

„Habt ihr keinen Strommast in der Nähe?“

Da fiel es Yaman plötzlich ein.

„Doch! Der Strommast hinter den Olivenfeldern. Es gibt zwar einen Weg dorthin, aber der gehört zu unserem Grundstück. Da kommt normalerweise niemand hin.“

Susan sprang auf, stellte die Teller an die Außentheke und drehte sich zu Yaman um.

„Okay, komm. Ich begleite dich.“

Ohne auf eine Antwort zu warten, lief sie voraus in Richtung Traktor. Yaman folgte ihr.

Schweigend fuhren sie zu den Olivenfeldern. Vor dem Feld hielt Yaman an.

„Wir müssen zu Fuß weiter. Der Weg kommt erst weiter vorne und ist kaum noch zu erkennen.“

Gemeinsam gingen sie durch das Feld.

Eine ganze Weile liefen sie schweigend, bis Susan leise sagte:

„Diese Olivenbäume erinnern mich an meine Oma und ihren Bauernhof. Sie hat mich großgezogen.“

Yaman sah sie lange an.

„Tante Melek hat sich um mich gekümmert. Mein Vater ist mit seinem besten Freund bei einem Autounfall gestorben. Sein Sohn Tolga war wie ein Bruder für mich. Wir sind hier zusammen aufgewachsen. Das ist alles schon lange her.“

Er schwieg kurz.

„Tolga ist nach Amerika gegangen. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört.“

Eine Weile sagten beide nichts.

Dann nahm Susan Yamans Hand und drückte sie tröstend. Yaman ließ ihre Hand nicht mehr los.

So gingen sie wie selbstverständlich Hand in Hand weiter.

Endlich erreichten sie den Strommast.

Susan löste ihre Hand aus seiner, kletterte hinauf und überprüfte den Kasten. Sie erkannte sofort die Ursache und legte den Hebel wieder um.

Im Inneren entdeckte sie an der Seite Kratzer und Schrammen.

Als Susan wieder herunterkam, sagte sie:

„Jemand war hier.“

Yaman ballte seine Faust.

„Ich kann mir schon denken, wer das war. Mert!“

Kurz sahen sie sich an.

Dann gingen sie gemeinsam Hand in Hand zurück.

Kurz bevor sie den Traktor erreichten, blieb Susan stehen. Sie blickte auf ihre Hände und sah anschließend Yaman an.

Vorsichtig sagte sie:

„Yaman, du solltest das zwischen dir und Daniela aufklären.“

Yaman fuhr sich mit der Hand über den Nacken.

„Oder es soll einfach so bleiben, wie es ist.“

Schweigend gingen sie weiter.

Am Bauernhof angekommen, hob Yaman Susan vom Traktor herunter. Dabei standen sie so dicht beieinander, dass sich ihre kleinen Finger berührten.

Melek kam ihnen entgegen.

„Und? Was war los? Ist alles wieder in Ordnung?“

Yaman nickte.

„Alles ist wieder in Ordnung.“

Susan trat nach vorne.

„Ich kenne jemanden bei der Stromversorgung. Sie ist mir noch etwas schuldig.“

Alle waren erleichtert und gingen wieder ihrer Arbeit nach.

***

Am Abend nach dem Essen suchten sich die beiden immer wieder verstohlene Blicke.

Niemand schien es zu bemerken, denn am Frühstückshaus war dank Daniela viel Betrieb. Viele Besucher waren gekommen und neue Gäste eingetroffen.

Melek, Debra, Leyla und Daniela wechselten sich ab, um die Gäste zu bewirten.

Hasan stellte zusätzlich noch Strohschirme auf und setzte sich später zufrieden hin, um das Geschehen zu beobachten.

Susan stand langsam auf.

Yaman folgte ihr.

„Komm, ich begleite dich.“

Er lächelte ihr entgegen.

Am kleinen Häuschen angekommen, berührten sich ihre kleinen Finger.

Susan flüsterte leise:

"Reichtum..."

Ruhig.

Yaman trat näher, strich ihr sanft über die Haare, blickte ihr in die Augen und flüsterte:

„Susan, ich bin verliebt in dich.“

Susan hauchte:

„Ich auch.“

Ihr Herz fühlte sich an, als würde es ihr bis zur Zunge schlagen. Schnell legte sie ihren Kopf an Yamans Schulter.

Dort standen sie nun. Es schien wie eine Ewigkeit.

***

Am nächsten Morgen kam Susan mit winkendem Handy schnellen Schrittes auf sie zu.

„Alles erledigt! Morgen kommt ein Mitarbeiter und nimmt den Strommast offiziell auf. Er bekommt eine Nummer und wird eingetragen.“

Sie hob einen Finger.

„Das Einzige ist: Der Weg dorthin muss freigemacht werden.“

Yaman strahlte Susan an und blickte dann in die Runde.

„Kein Problem. Das wird erledigt.“

„Komm her und frühstücke mit uns“, winkte Yaman Susan zu.

Susan überlegte kurz.

„Okay, aber nur kurz. Ich muss danach noch zur Arbeit.“

Sie setzte sich zu den anderen.

Alle waren da: Tante Melek, Fatih, Onkel Hasan, Tante Debra, Daniela, Isabell, Leyla, Ali und Haluk saßen gemütlich zusammen und genossen das Frühstück.

Bevor das Frühstück beendet war, nahm Yaman Susans Hand und sah sie sanft an.

Jeder bemerkte es.

Fatih nickte Yaman mild lächelnd zu.

Niemand sagte etwas. Alle lächelten nur und gingen ohne Worte.

Auch Yaman und Susan verließen schweigend den Tisch.


Bei Mert's

In seinem Büro in der Stadt kochte Mert vor Wut.

Sein Gesicht war hochrot. Wütend warf er Dartpfeile auf die Dartscheibe. Auch andere Gegenstände waren vor seinem Zorn nicht sicher.

Kadir stand hinter ihm und sagte:

„Vielleicht sollten wir erst einmal etwas Zeit verstreichen lassen.“

Mert drehte einen Dartpfeil gefährlich zwischen seinen Fingern und fauchte bedrohlich:

„Das weiß ich auch! Das weiß ich auch!“

Ein weiterer Pfeil flog durch den Raum.

„Der nächste Plan muss sitzen.“

Beide blickten sich verschwörerisch an und lächelten überlegen.


Neuanfänge

Daniela und Isabell saßen vor dem Wohnwagen.

Isabell bemerkte:

„Hast du gesehen? Yaman und Susan.“

Daniela zuckte nur mit den Schultern.

 

Eine Überraschung bahnte sich an.

Yamans Handy klingelte.

„Yaman, Bauernhof am Horizont. Guten Tag.“

Aus dem Hörer erklang eine freundliche Stimme.

„Hallo. Ich habe aus den Medien erfahren, dass es einen Paradies-Bauernhof gibt. Genau das Richtige, um mich von meinem Auslandsaufenthalt zu erholen.“

Yaman schmunzelte.

Daniela hatte wohl ganz schön Werbung gemacht.

„Mmh. Mmh. Im Moment sind wir leider ausgebucht. Ich könnte Ihnen nur noch einen Wohnwagen anbieten. Auf welchen Namen?“

Aus dem Hörer ertönte ein Lachen.

„Na, für Bruder Tolga.“

Yaman hielt überrascht inne.

„Was? Tolga? Du?“

„Genau. Ich komme heute vorbei.“

Ungläubig legte Yaman auf und lief sofort zu Tante Melek.

Schon von Weitem rief er:

„Tante Melek! Weißt du, wer nach all den Jahren kommt?“

Melek drehte sich um.

"Tolga!"

Überrascht lächelte sie.

„Es wird höchste Zeit. Er soll kommen.“

Vor Freude umarmten sich Yaman und Tante Melek.

Spät am Abend war das Abendessen längst beendet.

Gemütlich saßen alle beisammen.

Daniela und Isabell blätterten auf ihren Handys durch die neuesten Modetrends.

Yaman und Susan ließen ihre Blicke füreinander sprechen.

Hasan und Debra genossen die bequemen Stühle, während Melek und Leyla sich über neue Kochrezepte unterhielten.

Plötzlich waren dumpfe Schritte zu hören.

„Hallo!“

Yaman drehte sofort den Kopf, drückte Susan kurz die Hand, sprang auf und schloss Tolga fest in die Arme.

Kurz darauf kamen auch Melek, Fatih, Hasan und Debra dazu und begrüßten Tolga herzlich.

Gerührt wischte sich Tolga eine Träne aus dem Gesicht.

„Gut, gut … lasst mir erst einmal etwas Luft.“

Langsam ließen ihn alle wieder los.

Auch Yaman wischte sich die Tränen aus den Augen.

Dann stellte er Tolga den anderen vor.

Als Tolga Daniela sah, lächelte er.

„Oh, sehr erfreut, meine Süße.“

Daniela warf Isabell einen kurzen Blick zu, schüttelte leicht den Kopf und verabschiedete sich wenig später.

„Gute Nacht“, nickten sie allen zu.

Yaman räusperte sich.

„Es ist schon spät. Ich zeige dir deinen Wohnwagen.“

Nachdem Yaman Tolga alles gezeigt und erklärt hatte, ging er kurze Zeit später zu Susans kleinem Häuschen

Draußen saßen sie gemeinsam auf der alten, geborstenen Holzbank, lehnten sich aneinander und genossen schweigend ihre gemeinsame Zeit.


Tolga-Typ

Tolga lehnte lässig an seinem Wohnwagen. Er trug ein Achselshirt und eine typisch amerikanische, bunt gemusterte Sommerhose. Seine dunkelblonden, kurzen Wuschelhaare standen leicht zerzaust ab. Groß und schlank summte er mit amerikanischem Akzent ein türkisches Liebeslied vor sich hin.

Ein leises Klopfen war zu hören.

Tante Melek brachte ihm das Frühstück.

„Danke, Tante Melek.“

Tolga nahm das Tablett entgegen und stellte es auf den kleinen Klapptisch.

Melek umarmte ihn herzlich.

„Ich freue mich so, dass du da bist. Bleibst du länger?“

Tolga lächelte verschmitzt.

„Es wird wohl ein längerer Aufenthalt werden.“

„Na, dann komm erst einmal richtig an. Ich freue mich, dass du da bist.“

Strahlend sah sie ihn an und ging wieder.

Am späten Nachmittag ging Tolga den Holzweg hinunter in Richtung Steg.

Als er an Danielas Wohnwagen vorbeikam, entdeckte er sie.

Unter einem Sonnenschirm lag sie auf einem Klappliegestuhl. Eine Sonnenbrille verdeckte ihre Augen. Ihre langen dunkelbraunen Haare fielen offen über ihre Schultern. Sie trug ein kurzes orangefarbenes Oberteil und eine kurze Hose.

Tolga blieb direkt vor ihr stehen.

„Oh, meine Süße … Daniela.“

Daniela schob die Sonnenbrille hoch.

„Gehst du nicht ins Meer? Herrliches Wetter heute.“

Sie blinzelte gegen die Sonne.

„Mir ist das Wasser zu nass.“

Tolga lachte.

„Ach so. Prinzessin will ihre Haare nicht nass machen.“

Mit einem breiten Grinsen fragte er:

„Wo ist eigentlich deine hübsche Begleitung?“

Daniela zog die Sonnenbrille wieder auf die Nase.

„Isabell? Die ist shoppen.“

Tolga ging weiter zum Steg.

Er zog seine Sommerhose aus. Darunter trug er bereits eine Badeshorts. Das Achselshirt ließ er an.

Er suchte sich eine geeignete Stelle und sprang mit einem Satz ins Meer.

Insgeheim wusste er, dass Daniela ihn beobachtete.

Mit kräftigen, eleganten Zügen schwamm er zum Anfang des Steges zurück.

„Das ist gar keine schlechte Idee mit dem Shoppen. Daniela, dann kannst du dir gleich einen Bikini kaufen und mit mir schwimmen gehen.“

Daniela sprang von der Liege auf.

Neben dem Steg stand ein Eimer.

Kurzerhand füllte sie ihn mit Wasser und schüttete den Inhalt über Tolgas Kopf.

Zuerst prustete er.

Dann fing er laut an zu lachen.

Mit einer schnellen Bewegung strich er sich das Wasser aus dem Gesicht, sprang auf den Holzsteg und blieb direkt vor Daniela stehen.

Sein nasses Achselshirt klebte an seinem muskulösen Oberkörper.

Nur wenige Zentimeter trennten die beiden.

Erschrocken machte Daniela einen Schritt zurück, um nicht noch nasser zu werden.

Für einen kurzen Moment stockte ihr der Atem.

Tolgas sportliche Erscheinung ließ sie sprachlos werden.

Tolga genoss den Augenblick, ließ sich jedoch nichts anmerken.

Mit einem verschmitzten Grinsen hob er seine Sommerhose auf.

„Wir sehen uns bestimmt noch.“

Dann ging er langsam zurück zu seinem Wohnwagen.

Der besondere Abend

Yaman stellte sich das Abendessen auf einem Tablett zusammen und eilte damit zu Susan.

Als Susan Yaman mit dem Tablett kommen sah, rückte sie den kleinen Klapptisch zurecht.

Sie setzten sich.

Wie von selbst berührten sich ihre kleinen Finger.

Sie sprachen nicht viel.

Nach dem Essen bat Yaman Susan, ihn zum Stall zu begleiten. Er winkelte seinen Ellbogen an, und Susan hakte sich lächelnd bei ihm unter. Zärtlich legte sie ihren Kopf an seine breite Schulter.

Am Stall angekommen, führte Yaman die Stute Lena vorsichtig aus der Box. Er legte ihr eine Pferdedecke auf, holte einen Hocker und stieg hinauf.

Susan machte es ihm nach.

Yaman reichte ihr die Hand und zog sie behutsam zu sich nach oben.

Langsam führte Yaman die Stute über einen langen, schmalen Weg. Nach einiger Zeit erreichten sie einen uralten Lindenbaum. Ringsherum war nichts als eine weite Wiese.

Yaman stieg ab und half Susan vom Pferd.

Gemeinsam gingen sie auf den alten Lindenbaum zu.

Jetzt erst bemerkte Susan die vielen kleinen Metallherzen, die an den Ästen hingen.

Ihr Blick traf sofort Yaman.

In seiner Hand hielt er ein kleines Herz.

Fast flüsternd sagte er:

„Das ist ein Liebesbaum.“

Behutsam zog er Susan an sich.

Einen langen Augenblick sahen sie sich tief in die Augen.

Dann küsste Yaman sie – lange und zärtlich.

Überglücklich lächelte Susan ihn an.

Yaman legte ihr das kleine Metallherz in die Hand.

Darauf standen ihre beiden Namen.

Vor Rührung lief Susan eine Träne über die Wange.

Yaman gab ihr einen sanften Kuss auf die Augen und sagte leise:

„Du hängst das Herz auf. Such dir einen schönen Platz aus.“

Nach einer Weile befestigte Susan das Herz an einem Ast.

Beide legten ihre Hände darauf.

Susan küsste das Herz.

Yaman machte es ihr lächelnd nach.

Dann gab Susan Yaman ein Küsschen auf die Wange.

Yaman erwiderte es auf traditionelle Weise mit einem Kuss auf ihre Stirn.

Hand in Hand gingen sie zur Stute.

Yaman half Susan hinauf und stieg anschließend hinter ihr auf den Rücken des Pferdes.

So ruhig und behutsam, wie sie gekommen waren, ritten sie gemeinsam wieder zurück.


Entscheidungen

Mert stand in seinem Büro und strahlte siegessicher.

Kadir kam zur Tür herein und bemerkte sofort sein Grinsen.

„Mert, du hast einen Plan!“

Mert zog die Schultern selbstsicher hoch.

„Ich werde Yamans Fischerkutter in die Luft jagen.“

Dabei hielt er eine geschützte Box in den Händen. Vorsichtig öffnete er sie. Darin befand sich ein spezieller Sprengstab.

Kadir wurde kreidebleich.

„Bist du verrückt geworden? Damit kannst du dich selbst in die Luft jagen! Das ist lebensgefährlich.“

„Mert! Lass die Finger davon!“, schrie Kadir.

Mert schloss die Box wieder sorgfältig und sperrte sie in den Tresor.

An Kadir vorbeigehend drängte er ihn leicht zur Seite.

„Dann eben nicht.“

Doch als er das Büro verließ, huschte ein hämisches Grinsen über sein Gesicht.

Entscheidungen treffen

Susan war gerade vom Krankenhaus auf dem Bauernhof angekommen. Sie hatte einen Entschluss gefasst und ging zielstrebig zu Danielas Wohnwagen.

Daniela und Isabell saßen auf ihren Liegestühlen unter dem großen weißen Sonnenschirm.

Als Susan bei ihnen ankam, begrüßte sie beide.

„Daniela, ich möchte etwas Wichtiges mit dir klären.“

Daniela nahm Isabell an.

Isabell stand auf.

„Dann gehe ich solange ...“

Susan räusperte sich.

„Das betrifft dich auch.“

Jetzt war das Interesse der beiden geweckt.

Fragend sahen sie Susan an.

Susan erzählte ihnen kurz und ohne Umschweife von damals und weshalb Yaman bis heute so verletzt war.

Betreten blickten Daniela und Isabell zu Boden.

Isabell sagte leise:

„Warum nur Daniela? Ich bin genauso schuld.“

Susan schüttelte den Kopf.

„Weil Daniela seine Akte vernichtet hat.“

Daniela hob erschrocken die Hand.

„Abgelehnte Akten wurden bei uns doch immer in der Personalmappe abgelegt.“

Sie wurde ganz blass.

„Verdammt!“

Susan nickte.

„Ihr beide solltet euch bei Yaman entschuldigen.“

Dann ging sie weiter.

Daniela blieb nachdenklich zurück.

„Wie mache ich das nur? Wie entschuldige ich mich?“, fragte sie leise.

Nach einer ganzen Weile des Grübelns stand Isabell langsam auf und packte ihre Strandtasche.

„Kommst du mit? Ich gehe zum Strand hinunter. Den Kopf frei bekommen.“

Daniela schüttelte den Kopf.

„Nö. Ich gehe noch etwas spazieren.“

Dabei kam sie an Tolgas Wohnwagen vorbei.

Wie immer lümmelte Tolga ganz entspannt in seinem Klappstuhl. Die Beine hatte er auf eine kleine Obstkiste gelegt.

Daniela blieb stehen.

„So sorglos wie du würde ich auch gern dasitzen.“

Tolga sah sie einen Moment aufmerksam an.

„Dann komm. Setz dich.“

Er rückte einen zweiten Klappstuhl zurecht.

Daniela wusste selbst nicht, warum, doch sie setzte sich.

Tolga ging in den Wohnwagen und kam kurz darauf mit einer kalten Limonade zurück.

Er drückte ihr ein Glas in die Hand.

„Hausgemacht.“

Grinsend setzte er sich wieder.

„Was ist los?“, fragte er sanft.

Daniela schwieg lange.

Nachdenklich nippte sie an der kühlen Limonade.

Tolga nickte ihr aufmunternd zu.

Schließlich holte Daniela tief Luft.

Dann sprudelte alles aus ihr heraus.

Sie blickte auf den Boden.

Tolga hob ihr sanft das Kinn an.

„Du bist nicht mehr die Daniela von damals. Du hast gesehen und gespürt, wie hart die Arbeit hier ist. Mit deinen eigenen Händen hast du mit angepackt.“

Er lächelte.

„Das gehört bereinigt. Entschuldige dich bei Yaman.“

Daniela blickte entschlossen auf.

„Ja. Das werde ich heute noch machen.“

„Ich komme mit.“

Gemeinsam gingen sie schweigend den Holzweg Richtung Steg entlang.

Yaman bereitete dort gerade seine Angelsachen vor.

„Yaman!“, rief Daniela und winkte dabei.

Yaman blickte auf.

Dann erkannte er Tolga.

Dieser nickte ihm nur ruhig zu.

Tolga blieb bewusst im Hintergrund stehen.

Daniela ging allein weiter.

Yaman saß inzwischen am Rand des Stegs. Seine Füße hingen über dem Wasser.

Daniela setzte sich im Schneidersitz neben Yaman auf den Steg.

Eine Weile schwiegen beide.

Dann begann sie leise:

„Yaman ... ich muss etwas mit dir bereinigen.“

Ihre Blicke trafen sich.

„Wegen damals ... im Unternehmen. Ich kann mich wieder daran erinnern.“

Yamans Augen wurden groß. Aber er schwieg.

„Deine Akte wurde nie geschreddert. Das war die alte Daniela.“

Sie legte eine Hand auf ihr Herz und streckte ihm die andere entgegen.

„Entschuldige, Yaman. Es tut mir von Herzen leid. Kannst du mir verzeihen?“

Ihre Stimme zitterte.

Yaman stand langsam auf.

Sein Blick wanderte hinüber zu Tolga.

Tolga nickte ihm nur still zu.

Dann machte Yaman einen Schritt auf Daniela zu.

Auch sie stand auf.

Schweigend nahmen sie sich in die Arme.

Als sie sich wieder voneinander lösten, wischten sich beide verstohlen die Tränen aus dem Gesicht.

Isabell, die alles vom Strand aus beobachtet hatte, kam zu ihnen gelaufen.

Vor Yaman blieb sie stehen und streckte ihm ernst die Hand entgegen.

„Yaman ... entschuldige bitte auch mich.“

Yaman nahm ihre Entschuldigung an.

Verlegen griff er sich in den Nacken und blickte zu Tolga hinüber.

„Gut ... dann sind wir Freunde.“

Daniela und Isabell sahen sich kurz an und sprangen gleichzeitig leicht in die Höhe.

„Freunde!“

Jetzt stand auch Tolga bei ihnen.

Lächelnd griffen sich Yaman und Tolga gegenseitig freundschaftlich in den Nacken.

Überraschung für Melek

Ali hatte eine Überraschung für Melek vorbereitet.

Schick angezogen lud er sie zu einem Treffen ein.

Sein Chauffeur Haluk holte Melek ab und brachte sie zu ihrem Lieblingsplatz – einer abgelegenen Wiese.

Unter dem Schatten einiger Bäume wartete Ali bereits mit einem überdimensionalen Blumenstrauß.

Haluk hielt an, stieg aus und öffnete Melek die hintere Wagentür.

Sie stieg aus und schüttelte leicht den Kopf.

Ali gab Haluk ein Zeichen.

Dieser verschwand hinter der Biegung der Kiesstraße.

Ali lächelte.

„Vielleicht können wir Freunde sein.“

Melek blickte mit großen Augen auf den riesigen Blumenstrauß.

„Ali … du weißt, dass wir einmal mehr als Freunde waren.“

Ali hatte den Blumenstrauß inzwischen auf die Motorhaube gelegt.

Dann holte er hinter seinem Rücken einen kleinen Blumenstock mit Meleks Lieblingsblumen hervor und sah sie liebevoll an.

Melek lächelte verlegen.

„Gut. Dann versuchen wir es noch einmal von vorne.“

Ali atmete erleichtert auf und überreichte ihr den Blumenstock.

Ein schöner Abend

Heute war ein besonders heißer Tag gewesen.

Gemeinsam saßen Tante Melek, Fatih, Tante Debra, Onkel Hasan, Daniela, Isabell, Yaman und Susan nach dem Abendessen müde, aber entspannt am Esstisch zusammen.

Yaman nahm Susans Hand, blickte in die Runde und sagte mit ruhiger Stimme:

„Susan und ich werden uns verloben.“

Mit klopfendem Herzen sahen sich Yaman und Susan an.

Yaman holte einen schlichten, schönen Ring hervor und steckte ihn Susan an den Ringfinger.

Anschließend gab er ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn.

Beide umarmten sich innig.

Ringsum lächelten alle schweigend und gerührt.

Später am Abend begleitete Yaman Susan zu ihrem kleinen Häuschen.

Vor der Tür blieben beide stehen.

Yaman lächelte erleichtert.

Susan bemerkte es sofort.

„Yaman, du lächelst heute so befreit.“

Yaman erzählte ihr, dass Daniela sich von Herzen bei ihm entschuldigt hatte.

Susan freute sich für ihn.

„Komm, wir setzen uns noch in unsere gemütliche Ecke.“

Als sie dort saßen, küssten sie sich leidenschaftlich.

Kopf an Kopf aneinandergelehnt schliefen sie schließlich ein.


Tief in der Nacht

Mert war mit seiner Yacht allein unterwegs. Den gefährlichen Sprengkörper hatte er in der geschützten Box mit dabei.

Im Schneckentempo und fast lautlos steuerte er seine Yacht auf die andere Seite des Hafens, dort, wo Yamans Fischkutter lag.

Als er nah genug heran war, holte er die Box hervor.

Vorsichtig nahm er den gefährlichen Spezialsprengstab heraus und murmelte:

„Daran ziehen … und zielen.“

Ungeschickt hantierte Mert damit herum. Hastig zog er daran.

Erst im nächsten Sekundenbruchteil warf er ihn.

Zu spät.

Ein dumpfer Wumms.

Ein greller Lichtblitz.

Dann war alles vorbei.

Von der Yacht war nichts mehr zu sehen.

 

Die Hafenpolizei rückte sofort aus.

Doch in der Dunkelheit konnten die Taucher nichts entdecken.

Außer einigen Trümmerteilen war nichts zu finden.

Der Tag danach

Am nächsten Tag führten Hafenpolizei und Polizei ihre Befragungen durch und suchten auch Yaman auf dem Bauernhof auf.

Es lag der Verdacht nahe, dass Mert Aksoy einen Anschlag auf Yamans Fischkutter geplant hatte.

„Hat Mert Aksoy Ihnen jemals gedroht?“, fragte der Hauptkommissar.

Yaman erzählte den gesamten Vorfall.

„Beweise hatten wir allerdings nie. Er wollte unseren Bauernhof und auch das Anwesen unbedingt kaufen.“

Nachdenklich fragte Yaman:

„Was ist eigentlich mit seinem Helfer Kadir?“

Der Hauptkommissar schüttelte den Kopf.

„Bisher konnte weder Merts Leiche noch die seines Helfers gefunden werden.“

In diesem Moment klingelte das Handy des Hauptkommissars.

Er trat einige Schritte zur Seite und nahm den Anruf entgegen.

Als er zurückkam, sagte er:

„Mert Aksoy ist tot. Sein Handlanger ist geflohen. Der Tresor stand offen, und sämtliche Konten wurden leergeräumt. Um den Rest wird sich Interpol kümmern.“

Susan, die gerade dazugekommen war, fragte besorgt:

„Was passiert jetzt mit dem Krankenhaus?“

Der Hauptkommissar beruhigte sie.

„Darum wird sich die Gemeinde kümmern.“

Er gab seinen Kollegen ein Zeichen zum Aufbruch.

Hafenpolizei und Polizei stiegen wieder in ihre Dienstwagen und fuhren davon.

Yaman blickte ihnen lange nach.

„Dann wird es hier wohl endlich etwas ruhiger werden.“

Die Anwesenden blickten sich an und atmeten erleichtert auf.


 Herzen der Liebe

Yaman und Tolga schlenderten am Strand entlang und ließen sich die Füße vom Wasser umspülen.

Herzlich scherzten sie miteinander.

Nach einer Weile wurde Yaman nachdenklich.

„Bleibst du jetzt hier, Tolga?“

Tolga hob einen Stein vom Strand auf und warf ihn weit hinaus ins Meer.

Dann blickte er Yaman an.

„Ich bin zurückgekommen. Ich bin inzwischen Teilhaber meines eigenen Unternehmens in Amerika.“

Er schaute aufs Meer hinaus.

„Das Leben ist voller Überraschungen. Yaman … mich hat die Liebe voll getroffen. Daniela lässt mein Herz schneller schlagen.“

Yaman lächelte.

Gemeinsam blickten sie aufs Meer hinaus.

„Gegen die wahre Liebe ist man machtlos.“

Mit einem verträumten Lächeln stupsten sie sich gegenseitig leicht mit den Schultern an.

Oben auf dem Weg lief Fatih vorbei.

Yaman rief hinauf:

„Fatih, wohin so eilig?“

„Yaman, du weißt doch – Fischzeit!“

Schon lief Fatih weiter.

Nächsten Tag

„Guten Morgen!“, trällerte Tolga.

Daniela lag gerade entspannt in ihrer Hängeliege.

Sie blinzelte ihn an.

„Was heißt hier guten Morgen? Es ist schon Nachmittag.“

Tolga schmunzelte.

„Wo ist denn deine hübsche Begleitung?“

„Isabell ist im Hofladen. Ich war heute Vormittag schon dort.“

Tolga grinste locker.

„Dann hast du ja Zeit. Komm, ich lade dich zum Shoppen ein.“

Daniela setzte ihre Sonnenbrille auf und nahm ihren Sonnenhut.

Mit einem kleinen Ruck zog Tolga sie aus der Hängeliege.

Plötzlich standen sie ganz nah voreinander.

Sie glaubte sogar, seinen Herzschlag zu spüren.

Ehe Daniela sich versah, waren sie schon unterwegs.

Tolga fuhr mit ihr in die Stadt und steuerte zielstrebig eine exklusive Boutique an.

Drinnen gab es Badebekleidung.

Daniela sah sich erstaunt um.

„Woher kennst du dich hier so gut aus?“

Tolga lächelte verschmitzt.

„Ich hatte viel Zeit.“

Gemütlich rückte er sich einen der bequemen Sessel zurecht.

„So ... das ist die beste Boutique. Hier findest du bestimmt den schönsten Bikini.“

Dabei zwinkerte er ihr zu.

Geduldig wartete Tolga.

Mal trank er einen Tee, mal einen türkischen Kaffee und beobachtete schmunzelnd Daniela.

„Eine Modenschau gibt es aber nicht“, rief sie ihm lachend im Vorbeigehen zu.

Als es fast Abend war, hatte Daniela zwei Bikinis, passende Handtücher, einige Strandkleider und neue Sonnenbrillen für sich und Isabell ausgesucht.

An der Kasse stellte sie überrascht fest, dass bereits alles bezahlt war.

Sie fuhr erschrocken herum.

Tolga stand dicht hinter ihr.

Für einen kurzen Moment waren ihre Gesichter ganz nah beieinander.

Daniela brachte kein Wort heraus.

Schweigend fuhren sie zurück.

Vor dem Wohnwagen wartete Isabell bereits.

Tolga verabschiedete sich.

„Bis heute Abend“, raunte er Daniela zu.

„Bis später“, antwortete sie lächelnd.

Tolga winkte noch einmal und schlenderte davon.

Daniela machte einen kleinen Hüpfer auf Isabell zu.

Beide fassten sich an den Schultern.

Dann begannen sie gemeinsam vor Freude zu hüpfen.

„Isabell! Ich bin schwer verliebt!“

Aufgeregt kreischten beide los.

Isabell nahm Daniela in den Arm.

„Ich freue mich so für dich!“

Beim Abendessen saßen sich Tolga und Daniela gegenüber.

Bei jeder Gelegenheit flirtete Tolga mit ihr.

Daneben saßen Yaman und Susan, die sich verliebte Blicke schenkten.

Auch Ali, Leyla und Haluk waren an diesem Abend dabei.

Nach und nach verabschiedeten sich Hasan, Debra, Susan und Yaman.

Unbemerkt verschwand Daniela.

Tolga sah Isabell fragend an.

„Wo ist Daniela?“

Isabell lächelte.

„Sie wollte noch zum Pferd.“

Tolga nickte und machte sich auf den Weg zu den Stallungen.

Zum Schluss blieb nur noch Ali am Tisch zurück.

Melek war inzwischen in der Küche.

Leyla trat zu ihr und entdeckte auf der Außentheke den Blumenstock.

Sie lächelte.

„Schöne Blumen.“

Zufrieden nickte sie Melek zu.

Melek blickte auf und flüsterte:

„Ja ... meine Lieblingsblumen.“

Dabei schweifte ihr Blick zu Ali.

Leyla ging an Haluk vorbei und gab ihm unauffällig ein Handzeichen.

Als schließlich alles ruhig geworden war, schlenderten Ali und Melek gemeinsam hinunter zum Meeresstrand.

Inzwischen standen Tolga und Daniela vor der Box der Stute Lena.

Daniela streichelte ihr liebevoll über den Hals.

Tolga führte die Stute heraus.

Gemeinsam ritten sie langsam der Dämmerung entgegen.

Am alten Lindenbaum angekommen, blieb Daniela begeistert stehen.

Tolga holte ein kleines, feines Metallherz hervor.

Darauf standen ihre beiden Namen.

Liebevoll sagte er:

„Das ist ein Liebesbaum.“

Daniela betrachtete das Herz.

Dann bemerkte sie die vielen kleinen Herzen, die bereits am Baum hingen.

Als sie wieder zu Tolga aufsah, küsste er sie ohne ein Wort.

Liebevoll erwiderte sie seinen Kuss.

Überwältigt hauchte Daniela:

„Dann werde ich unser Herz gleich aufhängen.“

Als sie es befestigte, entdeckte sie ganz in der Nähe ein weiteres Herz.

Darauf stand: Ali & Angel

Nachdenklich lächelte sie.

Vor dem Lindenbaum nahm Tolga ihre Hand.

Er blickte ihr tief in die Augen, ging auf die Knie und holte einen wunderschönen Ring hervor.

Behutsam schob er ihn ihr an den Ringfinger.

„Willst du mich heiraten?“

Daniela brachte kein Wort heraus.

Sprachlos blickte sie erst auf den Ring, dann in Tolgas Augen.

Schließlich lächelte sie.

„Du verlierst wirklich keine Zeit.“

Tolga lächelte sanft.

„Mein Vater hat immer gesagt: Bei der wahren Liebe gibt es keine Zeit zu verlieren.“

Daniela spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen.

Langsam nickte sie.

„Ja ... ich liebe dich. Und ja – ich will dich heiraten.“

Mit glänzenden, verträumten Augen sahen sie sich an.

Dann verloren sie sich in einer innigen Umarmung und einem langen Kuss.


Alles geht seinen Weg

Unten am Strand saß Isabell in einem Klappstuhl. Sie trug eines der neuen Strandkleider und ließ ihre Füße ins Wasser hängen.

Im Meer alberten die beiden Paare fröhlich herum.

Yaman zwinkerte Susan zu und flüsterte ihr lächelnd ins Ohr:

„Tolga hat uns überholt.“

Dabei zog er sie ganz nah an sich und küsste sie innig.

Daniela schaute zu den beiden hinüber, dann zu Tolga.

„Ihr beide seid echt verrückt.“

Lächelnd schmiegte sie sich an Tolga.

Die beiden Männer sahen sich verschmitzt und glücklich an.

Später nahm Tolga Yaman am Strand beiseite.

„Yaman, ich werde zusammen mit Daniela nach München gehen.“

Er lächelte.

„Aber versprochen – ich komme oft zurück, Bruder.“

Beide hielten sich gegenseitig am Unterarm fest und besiegelten ihr Versprechen.

Bei der großen Holzterrasse beim Küchenbereich hatte Yaman einen festlich gedeckten Tisch vorbereitet.

Neugierig und aufgeregt waren alle versammelt: Ali, Leyla, Haluk, Tante Melek, Onkel Hasan, Debra, Fatih, Daniela und Tolga sowie Susan.

Alle Blicke richteten sich auf Yaman.

Ruhig sagte er:

„Ali Bey, Tolga möchte Ihnen etwas Wichtiges mitteilen.“

Tolga stand feierlich auf.

„Ali Bey, wie Daniela Ihnen schon erzählt hat, lieben wir uns.“

Einen Moment hielt er inne.

„Daniela und ich werden heiraten.“

Ali wirkte glücklich überrascht.

Daniela war ebenfalls aufgestanden und hielt Tolgas Hand fest umschlungen.

Lange sah Ali die beiden schweigend an.

Dann sagte er mit rauer Stimme:

„Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr beide glücklich werdet.“

Mit glänzenden Augen setzte er sich wieder.

Dann wandte sich Yaman Susan zu.

Er kniete vor ihr nieder. Seine Augen glänzten vor Aufregung.

Langsam nahm er eine kleine Schatulle aus seiner Jackentasche.

„Susan, die Liebe meines Lebens … willst du mich heiraten?“

Einen Moment war es ganz still.

Allen standen Tränen in den Augen.

Susan nickte unter Freudentränen.

„Ja … Ja, ich will.“

In diesem Moment stimmte Onkel Hasan auf seiner Mundharmonika ein Liebeslied an.

Was für ein Abend.

Etwas später sprachen Daniela und Tolga noch mit Ali.

Sie erzählten ihm, dass sie gemeinsam nach München zurückkehren würden.

Ali nickte zustimmend.

„Das ist eine gute Entscheidung. Ich selbst werde lieber hierbleiben. Dafür werdet ihr beide künftig mein Unternehmen führen. So wie ich gehört habe, kennst du dich bestens aus, Tolga.“

Tolga nickte.

„Ja. Darüber haben Yaman und ich schon gesprochen. Zusammen mit meinem Kompagnon aus Amerika werden wir das Unternehmen unterstützen. Zurzeit werden dort besonders Orangen gebraucht.“

Dabei nickte er Yaman zu.

Yaman erwiderte das Nicken lächeln


Finale: Rückkehr

Einige Tage später, nach dem gemeinsamen Kaffee und Kuchen, machten sich Daniela und Tolga auf den Heimweg.

Vor ihnen hatte sich ein Halbkreis gebildet.

Yaman blickte nachdenklich zu Fatih hinunter, der neben ihm stand.

„Und? Bleibst du?“

Fatih ist der Spitzname.

„Ich war nie weg. Du weißt doch, dass ich immer wieder zurückkomme.“

Lächelnd fuhr Yaman ihm durch die kurzen Locken und drückte ihn kurz an sich.

Direkt neben Yaman stand Susan. Die beiden hielten sich an den Händen.

Melek stand neben Ali.

Debra und Hasan verkündeten voller Freude, dass sie ein Baby erwarteten. Glückliche Blicke gingen durch die Runde.

Daneben standen Isabell, Leyla und Haluk.

Vor dem Halbkreis blieben Daniela und Tolga stehen.

Daniela kämpfte mit den Tränen.

„Ich werde euch vermissen.“

Dabei streichelte sie Timy, der auf dem Bauernhof bleiben würde.

Tolga lächelte.

„Wir kommen bestimmt wieder.“

Daniela nickte zustimmend.

Tolga trat einen Schritt nach vorn und sah Yaman an.

„Beim nächsten Mal gibt's eine Doppelhochzeit.“

In diesem Moment berührte Ali Melek leicht mit dem Arm.

Melek schüttelte lächelnd den Kopf.

Während die anderen nach vorn gingen, um Daniela und Tolga zu verabschieden, blieb Yaman noch einen Augenblick stehen und flüsterte Susan zu:

„Wir heiraten erst einmal nur wir zwei.“

Susan lächelte.

„Genau … und danach machen wir die Doppelhochzeit.“

Die beiden gaben sich einen innigen Kuss.

Dann gingen auch sie zu den anderen hinüber und umarmten Daniela und Tolga.

Langsam gingen Daniela und Tolga zum Auto.

Isabell saß bereits auf dem Beifahrersitz.

Alle winkten ihnen nach und blieben noch lange stehen, bis das Auto hinter der nächsten Kurve verschwunden war.

Schließlich standen nur noch Yaman und Susan unten am Holzweg, direkt am Meer.

Susan legte ihre Arme um Yamans Hals.

Ihre Blicke trafen sich.

Sie küssten sich – ein Kuss, der sich wie ein Versprechen für die Ewigkeit anfühlte.

Ende

 

 

🕵️‍♂️Detektiv Bamy – Im falschen Leben

Detektiv- Romanze für Erwachsene Herzen 💗 * Detektiv Bamy schlief tief und fest, aber unruhig. Er träumte … von einem gefundenen Zettel. Er...