3 Mart 2026 Salı

Anna - Der geheimnisvolle Briefkasten

Entstanden Ende Oktober 2024 Überarbeitet März 2026 °°°

mini-Liebesroman 💞

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Bei einem Blumenladen arbeiteten die Eheleute Huber schon jahrelang. Sie waren kinderlos geblieben, deswegen war für sie der Blumenladen ihr Ein und Alles. Jetzt, da sie alt geworden waren, beschlossen sie, eine Verkäuferin einzustellen.

Ein Zettel wurde ins Schaufenster geklebt.

Die junge Anna war gerade mit ihrer Lehre als Gärtnerin fertig und auf der Suche nach einer neuen Stelle. Beim Vorbeigehen sah sie den Zettel. Gleich ging sie hinein und stellte sich vor. Sie waren sich sofort einig, und am nächsten Tag fing Anna bei ihnen zu arbeiten an.

In den darauffolgenden Tagen bemerkte Anna, dass sie eine Wohnung suchte. Die Eheleute wussten sofort Rat:

„Hier drüben bei den Nachbarn ist eine Wohnung frei, da kannst du sicherlich einziehen.“

Abends gingen sie zu dritt hinüber, weil die Besitzer die Eheleute gut kannten. Da sie auch noch ein gutes Wort für Anna einlegten, bekam sie die Wohnung und konnte gleich am nächsten Tag einziehen.

Das freute Anna riesig, und sie bedankte sich recht herzlich bei allen.

Am nächsten Tag machte sie sich gleich daran, die Wohnung herzurichten.

Vor der Haustüre fiel ihr, an der Seite hängend, ein kleiner, weißer, altmodischer Briefkasten auf. In das Blech waren Verzierungen eingestanzt.

„Der ist ganz bestimmt schon sehr alt“, dachte sich Anna.

Im Wohnzimmer stellte sie ihre Puppenküche auf. Sie war von ihrem verstorbenen Vater. Er hatte sie ihr gebaut, als sie noch ein Kind gewesen war. Anna hatte immer gerne damit gespielt. Ihr Vater hatte immer wieder etwas daran verbessert, kleine Lichter eingebaut – bei der Küche war alles funktionell. Es gab zwei kleine Herdplatten, Küchengeschirr wie Töpfe und Teller.

Nun hatte die Puppenküche in ihrem Wohnzimmer einen Ehrenplatz erhalten.

Anna hatte ein Ziel.

Sie träumte davon, eines Tages ihren eigenen Blumenladen zu haben.

Draußen auf dem Balkon hatte Anna in den Blumenkästen die schönsten Blumen gepflanzt. Nach dem Feierabend stand sie dort gerne mit einer Tasse Tee und träumte von ihrem eigenen Blumenladen.

Beim Gießen flüsterte Anna den Blumen leise ihren Traum zu.

***

Bei ihrer neuen Arbeit im Blumenladen waren die drei in kurzer Zeit ein richtig gutes Team geworden. Noch dazu hatten die Eheleute Huber Anna in ihr Herz geschlossen.

Einmal in der Woche kam Johann, ihr Lieferant, vorbei. Er hatte eine eigene Gärtnerei. Sie kannten sich gut, denn als Junge hatte er sich gerne bei ihnen im Blumenladen aufgehalten.

Herr Huber sagte lachend:

„Ja, da kommt unser Johann. Weißt du noch, wie du als Junge immer zwischen der Tür herumgelaufen bist?“

Johann grinste über das ganze Gesicht und nickte.

In Eile sagte er:

„Es tut mir leid, ich muss wieder weiter, die nächste Lieferung wartet.“

Dabei lächelte Johann zu Anna hinüber. Eine unsichtbare Verliebtheit lag in der Luft. Die Eheleute Huber nickten sich zu.

***

So vergingen einige Jahre scheinbar wie im Flug.

Anna hatte all die Jahre gespart. Vor Kurzem hatte sie einen Blumenladen gefunden und ihr Ankaufangebot abgegeben. Es waren schon einige Wochen vergangen – das kam Anna seltsam vor.

„Das kann doch nicht sein, dass der Brief immer noch nicht da ist“, redete Anna mit sich selbst.

Sie ging noch einmal zum Briefkasten hinaus und schaute hinein – aber nichts.

Entschlossen montierte Anna den Briefkasten ab, trug ihn ins Wohnzimmer und legte ihn auf den Wohnzimmertisch. Dort rüttelte und schüttelte sie ihn.

Es brachte nichts.

Sie stellte den Briefkasten vor sich hin, da entdeckte sie doppelte Türschienen. Sie holte sich eine Lupe und erkannte einen doppelten Boden an der inneren Rückwand. Mit einem flachen Schraubenzieher schob sie das Blech von der Seite weg.

Da ertönte ein leises: „Aua!“

Anna machte große Augen. Da stand ein kleines Zwergen-Männchen und schimpfte vor sich her:

„Schau mich nicht so an! Musste das sein?“

Anna antwortete:

„Ja! Und wer bist du denn?“

Der Zwerg, der ganz bestimmt nicht größer als ein halber Daumen war, erklärte stolz:

„Ich bin der Briefwächter!“

Anna sagte erleichtert:

„Das trifft sich gut. Ich suche den Brief von der Gärtnerei Hubmaier.“

Als sie das sagte, entdeckte sie ganz flach am Deckel liegend den Brief. Sie nahm ihn heraus und las:

„Leider abgelehnt.“

Da wurde Anna sehr traurig und war enttäuscht.

„Warum hast du den Brief behalten?“, fragte sie den Zwerg.

Aufgeregt erklärte er:

„Eben darum! Es ist meine Aufgabe, Briefe mit schlechten Nachrichten zu behalten!“

Anna nickte langsam.

„Ach so. Hab verstanden.“

Besorgt fragte der Zwerg:

„Was mache ich jetzt? Ich habe kein Zuhause mehr.“

Anna nahm das Zwerg-Männchen auf ihre Hand und ließ ihn beim Puppenhaus wieder hinunter.

Freundlich sagte sie:

„Hier kannst du wohnen.“

Erstaunt bedankte sich das Zwergen-Männchen.

„Wie heißt du?“, fragte Anna.

Der Zwerg überlegte.

„Eigentlich? Briefwächter!“

Anna lächelte.

„Gut, du sollst ab heute Heinz heißen.“

°°

Es war schon spät geworden, da klingelte es an der Tür. Anna öffnete. Davor stand Johann, bis zum Kinn mit Blumenkästen beladen.

Anna wunderte sich.

„Was machst du noch so spät hier?“

Johann entschuldigte sich.

„Ja, tut mir leid, ich habe es nicht mehr geschafft. Bei mir ist es spät geworden.“

Anna winkte ihn herein.

„Komm, stell die Blumenkästen bei mir in den Gang.“

Johann stellte sie ab und sagte:

„Ich wollte die Blumenkästen nicht vor dem Laden stehen lassen.“

Anna nickte und fragte dann:

„Willst du Tee trinken?“

Johann lächelte.

"Ja, das würde ich gerne."

Sie saßen zusammen im Wohnzimmer auf der Couch. Während sie sich unterhielten, bemerkte Johann, nachdem er sich umgeschaut hatte:

„Schön hast du es hier eingerichtet. Als ich vor einem Jahr zuletzt bei meinem Opa hier war, war alles noch altmodisch eingerichtet.“

Anna war überrascht.

„Was, tatsächlich? Dein Opa hat hier gewohnt?“

Johann erzählte:

„Nach dem Autounfall meiner Eltern lebte ich bei meinem Opa. Da war ich zwölf Jahre alt.“

Anna sagte leise:„Das tut mir leid.“

Johann winkte ab.„Ist schon lange her.“

Anna lenkte ab.

„Ah, deshalb erzählen die Eheleute Huber immer von dir.“

Johann nickte.

„Ja, nach der Schule habe ich mich gerne bei ihnen aufgehalten. Mir machte es Spaß, immer zwischen der Tür hin und her zu laufen, weil mir das Klingeln so gut gefiel.“

Anna nickte.

„Ja, diese Geschichte habe ich schon mehrmals erzählt bekommen.“

Da fiel Johann das Puppenhaus auf, und er bemerkte:

„Sehr schöne Handarbeit. Man merkt gleich, sie ist selbst gemacht.“

Anna erwiderte leise:

„Genau. Die ist von meinem verstorbenen Vater. Er hat sie mir gemacht, als ich ein Kind war.“

Johann sagte betrübt:

„Oh, das tut mir leid. Was ist mit deiner Mutter?“

Anna blickte in ihre Teetasse.

„Sie ist gestorben, da war ich noch ganz klein. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass sie mit mir Fangen gespielt hat.“

Johann flüsterte nachdenklich:

„So etwas … uns verbindet wohl das gleiche Schicksal.“

Anna schwieg.

Beim Aufstehen bemerkte Johann den Briefkasten und entdeckte den doppelten Boden. Er murmelte vor sich hin:

„Das Geheimnis …“

Er erinnerte sich daran, dass sein Opa ihm immer geheimnisvolle Geschichten vom Briefkasten erzählt hatte.

Anna fragte: „Was?“

Daneben sah Johann den Brief. Er warf einen Blick darauf.

„Eine Absage.“

Anna nickte betrübt. Sie erzählte ihm von ihrem Traum, einen eigenen Blumenladen zu besitzen.

Johann sagte spontan:

„Morgen ist Sonntag, da hast du frei. Ich hole dich morgen Vormittag ab.“

Anna machte überrascht große Augen. Sie hüpfte vor Freude auf den Zehenspitzen auf und ab.

Johann sagte beschwingt:

„Überraschung!“

***

Am nächsten Vormittag war Anna total aufgeregt. Johann holte sie ab. Beim Vorbeifahren gab Johann bei den Hubers die Blumenkästen ab.

Endlich angekommen, erkannte Anna sofort eine riesengroße Gärtnereihalle.

Johann führte sie hinein und zeigte ihr alles. Sie war begeistert. Als sie von der Rückseite zur Vorderseite gingen, sah Anna einen kleinen Laden. Die Halle war direkt an das Haus angebaut worden.

Sie betraten gemeinsam den Laden. Er war klein, aber sehr gemütlich. Man konnte sogar noch den Blumenduft wahrnehmen.

Spontan plapperte Anna los. Sie fühlte sich, als wäre es bereits ihr Laden. Ihr ganzes Gesicht lächelte.

Freudestrahlend sagte Johann:

„Es soll dein Blumenladen sein!“

Gleichzeitig umarmten sich beide.

Auf der Heimfahrt machte Anna vor Freude schon Pläne, wie schön alles werden würde.

Dann fiel ihr plötzlich ein:

„Was ist mit den Eheleuten Huber?“

Johann beruhigte sie.

„Mach dir keine Gedanken. Wir erklären ihnen alles.“

***

Am nächsten Tag in der Früh standen beide im Blumenladen und erzählten ihnen alles. Die Eheleute Huber waren zwar etwas traurig, aber die Freude überwog. Sie wünschten Anna nur das Beste.

Die Eheleute sagten zu Johann:

„Pass gut auf unsere Anna auf.“

Johann nickte überglücklich.

°°°

Einige Tage später hatte Anna den Blumenladen regelrecht in ein Blumenparadies verwandelt. Gezielte stellte sie kleine Blumensträuße auf, daneben einzelne, farblich abgestimmte Blumen in kelchähnlichen Blumentrögen.

An den Wänden hingen Bilder von Seen und Bergen. Eines zeigte einen stillen See am Waldrand; nah am Wasser stand ein Hirsch – wunderbar passend zur Stimmung des Ladens.

Johann war mehr als überrascht und freute sich sehr darüber, wie Anna den Laden in eine kleine Oase verwandelt hatte. Im Laden lag wieder dieser süßliche Blumenduft in der Luft.

Anna strahlte ihm entgegen, und Johann nickte ihr anerkennend zu und legte dabei leicht seine Hand auf ihre Schulter.

Sie verliebten sich, und ihre Liebe keimte zwischen den Blumen.

Einige Zeit nach der Eröffnung machte Anna Johann den Vorschlag, die Gärtnereihalle ebenfalls für Kunden zugänglich zu machen, denn es kamen so viele Anfragen. Anna lief immer zwischen Laden und Halle hin und her.

Diese Idee fand Johann wunderbar. Dann müsste er nicht mehr so viel ausfahren, und er könnte sich einen Fahrer einstellen.

***

In der Zwischenzeit lief das Geschäft bei den Eheleuten Huber nicht mehr so gut. Zudem kam hinzu, dass der Besitzer die Geschäftshäuser abreißen lassen wollte, weil dort nun ein Einkaufszentrum entstehen sollte.

Somit mussten sie auch aus ihrer Wohnung ausziehen.

Ein paar Tage später drängelte Johann:

„Komm, Anna, wir fahren rüber zum Blumenladen der Hubers.“

Als sie mit dem Auto ankamen, sah Anna schon die Eheleute mit Koffern auf der Straße stehen, und in den Umzugswagen wurden gerade die Möbel eingeladen.

Johann stieg aus, Anna hinterher.

Johann ging auf die Hubers zu, breitete die Arme aus und rief:

„Überraschung! Die Hubers kommen mit uns!“

Dabei drehte er sich zu Anna um.

Anna schaute alle drei an und küsste Johann, ohne zu überlegen.

Beide sahen sich verliebt an.

Die Hubers nickten sich zu und bestätigten:

„Haben wir es doch gleich gewusst!“

Nachdem sich alle gegenseitig umarmt hatten, stiegen sie zu viert ins Auto.

Bei der Gärtnereihalle angekommen, wurde erst einmal der Laden begutachtet. Die Hubers waren begeistert.

Während sie so schön beieinanderstanden, rückte Johann mit einer weiteren Überraschung heraus. Er hatte nämlich heimlich seinen Bungalow, der sich hinter der Gärtnereihalle befand, für die Eheleute Huber hergerichtet – und über dem Laden die große Wohnung für Anna und ihn eingerichtet.

Alle waren freudig überrascht.

Johann fuhr die Eheleute zu ihrem neuen Zuhause. Schnell kam er wieder zurück, um endlich Anna die obere Wohnung zu zeigen.

Anna war mehr als überrascht. Das Erste, was sie erblickte, war ihr Puppenhaus – es hatte im Wohnzimmer wieder einen Ehrenplatz erhalten.

Anna blickte ihn verliebt an. Er zog sie an sich, und sie küssten sich.

Anna sagte überwältigt:

„Also wirklich, diese Überraschung ist dir gut gelungen. Alles ist wie in einem Traum.

Du, Johann, ich habe gesehen, den kleinen weißen Briefkasten von deinem Opa hast du auch draußen neben der Eingangstür aufgehängt.“

Johann erklärte lächelnd:

„Das ist in Zukunft unser Liebespostkasten, in den wir unsere Geheimnisse hineinstecken.“

Anna nickte gerührt und grinste Johann an.

***

Am nächsten Tag in der Früh saß Johann im Wohnzimmer am Esstisch und war gerade dabei, seinen Kaffee zu Ende zu trinken. Anna räumte den Tisch ab, als ihm beim Puppenhaus auffiel, dass einige Töpfe und Teller woanders standen.

Johann fragte:

„Anna, sag mal, standen diese Töpfe und Teller nicht vorher woanders?“

Anna überlegte und antwortete dann:

„Manchmal räume ich die Sachen um, einfach so.“

Johann runzelte die Stirn und nickte langsam.

In den Monaten darauf beobachtete Johann gelegentlich weitere Veränderungen im Puppenhaus. Ihm kam der Gedanke, vielleicht sei es die Seele von Annas verstorbenem Vater – doch er schwieg darüber.

Es kam öfter vor, dass Johann seine Schlüssel, besonders den Autoschlüssel, verlegte. Wenn er es eilig hatte, suchte er ungeduldig und murmelte:

„Wo könnte der Autoschlüssel nur sein?“

Genau dann, wenn er Anna fragen wollte, lag der Autoschlüssel vor seiner Nase auf dem Tisch.

Johann sagte zu Anna:

„Da ist er! Da habe ich doch schon mehrmals geschaut! Wie kann das sein?“

Anna rutschte heraus:

„Das wird ganz bestimmt Heinz gewesen sein.“

Johann runzelte die Stirn und überlegte.

„Welcher Heinz?“

Anna lenkte ab:

„Das Heinzelmännchen. Kennst du nicht das Heinzelmännchen, das dir beim Aufräumen hilft?“

Johann lächelte darüber.

„Danke, Heinzelmännchen.“

Dann umarmte er Anna und eilte zur Arbeit.

°°°°

Einige Monate später herrschte hinter der Gärtnereihalle, im Garten des Bungalowhauses, reges Treiben. Eine kleine Feier wurde vorbereitet.

Alles wurde prunkvoll mit Blumen geschmückt, Stühle wurden aufgestellt, eine Musikbox aufgebaut. Die kleine Gruppe von Mitarbeitern und das Ehepaar Huber halfen fleißig mit.

Johann hatte etwas Besonderes geplant.

Anna wurde unter einem Vorwand mit ihrer Lieblingsverkäuferin Marie weggeschickt, um – wie sie annahm – die vorbereiteten Arbeitsuniformen für die Mitarbeiter abzuholen.

Vor Wochen waren sie und Johann beim Schneider gewesen, um neue Arbeitsuniformen anfertigen zu lassen, auch für Anna und ihn.

Dort ließ Johann Anna ihr zukünftiges Brautkleid zeichnen, passenden Stoff aussuchen, und sie schmiedeten Pläne und kicherten in Vorfreude.

Was Anna nicht wusste: Johann hatte alles vorbereitet.

Die Arbeitsuniformen waren bereits geliefert worden.

Als die Vorbereitungen beendet waren, zogen auch die Mitarbeiter ihre Festtagskleidung an, die sie erhalten hatten.

Danach stand jeder von ihnen wartend mit einer Rose in der Hand.

Anna erschien.

Sie sah aus wie eine Prinzessin in ihrem wunderschönen, atemberaubenden weiß schimmernden Brautkleid – zarte Puffärmel reichten bis zu ihren Ellbogen, und bei jedem Schritt schwang es sanft mit.

Johann trug ebenfalls einen sehr eleganten Anzug.

Er nahm ihren Arm und ließ den Blick nicht von ihr abweichen. Er begleitete sie hinüber zu einem geschmückten kleinen, runden Stehtisch.

Erwartungsvoll herrschte erstaunte Stille.

Gespannt wartete jeder.

Im Hintergrund setzte leise Musik ein. In diesem Moment ging Johann auf die Knie und machte ihr einen Heiratsantrag.

Aus Annas Mund schallte es:

"Ja!"

Alle klatschten.

Hinter einer mit grünem Blumenmusterstoff überzogenen Holzgitterwand traten nun ein Standesbeamter und der Bürgermeister hervor.

Johann hatte alles heimlich organisiert, und alle waren glücklich überrascht.

Bei Anna war Marie Trauzeugin.

Die Eheleute Huber waren natürlich ebenfalls Trauzeugen.

Die Eheleute Huber bestanden darauf, dass sie ab heute mit ihren Vornamen angesprochen werden wollten.

Der Standesbeamte sagte:

„Dann kann es jetzt losgehen.“

„Somit frage ich Sie, Anna Gruber: Wollen Sie Johann zu Ihrem Mann nehmen?“

Ohne zu zögern kam ein deutliches:

"Ja."

„Johann Lieblich, wollen Sie Anna zu Ihrer Frau nehmen?“

Es folgte ein ebenso deutliches:

"Ja."

Maria und Hans stimmten als Zeugen zu und antworteten nacheinander mit „Ja“.

„Marie, stimmen Sie als Zeugin zu?“

Ein klares „Ja“ kam von Marie.

Alle Beteiligten klatschten glücklich.

Es wurde der Hochzeitswalzer getanzt.

Das Fest dieses wundervollen Abends wurde bis zum Tagesanbruch gefeiert.

Als kleines Dankeschön blieb die Gärtnerei drei Tage geschlossen. Das kam nicht nur den Mitarbeitern zugute, sondern natürlich auch Johann und Anna.

Ihre Hochzeitstage verbrachten sie auf einem kleinen, versteckten, verträumten Bauernhof.

Nach dem Trubel war das eine schöne Wohltat.

Danach ging es wie gewohnt ins Arbeitsleben zurück.

°°°°°

Schnell vergingen zwei liebevoll glückliche und zugleich arbeitsreiche Jahre.

Es war Kaffeezeit, wie jeden Nachmittag. Johann wartete auf Anna.

Als sie hereinkam, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, verkündete sie gleich:

„Johann, ich bin schwanger.“

Überglücklich umarmten sich die beiden. Johann tanzte vor Freude mit Anna durchs Wohnzimmer und rief:

„Wir werden Eltern!“

Ab diesem Moment achtete Johann besonders gut auf Anna. Auch Marie, ihre beste Freundin, beauftragte er, auf Anna aufzupassen.

Maria und Hans, die sonst nur gelegentlich kamen, wenn viel zu tun war, schauten nun jeden Tag vorbei, um nach dem Rechten zu sehen.

Oben in der Wohnung nahmen die drei Anna tagsüber vieles ab.

Abends war Johann da, der Anna liebevoll umsorgte.

An den Abenden, an denen es bei Johann spät geworden war und es in der Wohnung ganz still wurde, lag der kleine Heinz bei Anna und lauschte an ihrem Bauch. Innerlich wünschte er sich, es möge ein Mädchen werden.

Die Zeit verging schnell. Johann wollte unbedingt die letzten Wochen ganz bei Anna sein.

Er schickte alle in den Urlaub.

Ein Schild hing im Laden, das manchen zum Schmunzeln brachte:

Urlaub

Für unbestimmte Zeit geschlossen.

Johann kontrollierte und inspizierte noch einmal alles in der Gärtnereihalle. Ein kleines Holzhäuschen, das sein verstorbener Onkel einst dort aufgestellt hatte, hatte er schon lange keiner Beachtung mehr geschenkt. Ein Samenpäckchen und eine Schere lagen darin, verschiedene kleine Tierfiguren standen verstreut herum, dazwischen ein paar Spielfiguren.

Er nahm eine in die Hand. Dabei bemerkte er, dass das Dach schief hing, und holte Nägel und Hammer. Doch der Nagel schlug schief ein – das Holz war bereits morsch.

Ein Wispern aus dem Inneren des Dachstuhls konnte Johann irritiert hören.

Verärgert schimpfte eine feine Stimme:

„Musste das sein?!“

Als Johann hineinblickte, sah er ein kleines Wesen, dessen Rock vom Nagel festgehalten wurde.

„Das muss doch ein Traum sein“, dachte Johann, während er sie behutsam befreite.

Verwirrt und verwundert nahm er das kleine Mädchenwesen auf und steckte es vorsichtig in seine Jackentasche.

Oben in der Wohnung holte er sie behutsam hervor. Auf seiner flachen Hand saß sie.

Johann lachte verschmitzt.

„Jetzt weiß ich es. Jetzt verstehe ich dein Geheimnis.“

Das Heinzelmännchen schaute sofort neugierig herüber.

Johann setzte das Heinzelmädchen beim Puppenhaus ab. Die beiden kleinen Wesen fielen sich wortlos in die Arme – und wurden unsichtbar.

Als sie langsam verschwanden, schien es, als hörten Anna und Johann einen leisen Hauch wie von einem Glöckchen.

Beide sahen sich an, ob sie es wirklich gehört hatten.

Johann nickte langsam. Sanft schob er Anna in Richtung Schlafzimmer. Die letzten drei Schritte eilte er voraus, um das Kissen aufzuschütteln und die Bettdecke zurückzuschlagen. Er half Anna ins Bett, denn in ihrem hochschwangeren Zustand fiel es ihr schwer, sich alleine hinzulegen.

Sie gaben sich noch ein Küsschen und lächelten sich glücklich an.

In der Nacht weckte Anna Johann.

„Es geht los!“

Alles ging ruckzuck. Die vorbereitete Tasche stand im Flur gepackt bereit. Als Johann den Kofferraum öffnete, lag darin ebenfalls eine vorbereitete Tasche. Er grinste.

„Sicher ist sicher!“

Er half Anna auf den Rücksitz und fuhr rasch, aber vorsichtig los. Schnell erreichten sie das Geburtshaus.

Natürlich kam Johann mit.

Zur Frühstückszeit wachte Anna neben dem Baby, der kleinen Lisa, auf.

Die Stationsschwester bemerkte schmunzelnd:

„Ihr Mann kommt auch gleich aus dem Vaterzimmer.“

Anna sah sie fragend an.

„Ihr Mann hat sich ein Bett im Nebenzimmer genommen. Er hat darauf bestanden.“

In diesem Moment glitt Johann mit einem feinen Lächeln ins Zimmer.

Die Stationsschwester mahnte freundlich:

„Das war aber nur ausnahmsweise für diese Nacht!“

Behutsam schob Johann das Kinderbett mit der kleinen Lisa neben sich her und nahm Anna am Arm, um mit ihr in den Frühstücksraum zu gehen.

***

Eine Woche später zu Hause verwöhnte Johann seine beiden.

Auch die Hubers und ihre beste Freundin Marie ließen es sich nicht nehmen, ihnen fast alles abzunehmen.

Anna war eine liebevolle Mutter. Draußen mit dem Kinderwagen kam es regelrecht zu einem kleinen Gerangel, und Johann übernahm stolz den Wagen. Anna schüttelte innerlich den Kopf und dachte bei sich:

Schade, dass das Heinzelmännchen das nicht sieht.

Ein paar Wochen später beobachtete Anna aus dem Fenster, wie Johann ein Schaukelgestell aufstellte.

Sie öffnete das Fenster und rief hinunter:

„Johann, das ist doch noch zu früh! Sie ist doch noch ein Baby!“

Johann zuckte mit den Schultern.

„Die Zeit geht so schnell vorbei. Außerdem baue ich daneben am Baum noch eine breite Eltern-Holzschaukel. Dann können wir die Kleine auf unserem Schoß schaukeln.“

Dabei pfiff er fröhlich vor sich hin.

Anna schüttelte lächelnd den Kopf und freute sich darüber.

Auch die Heinzelmännchen beobachteten das Geschehen.

„Dann können wir auch mitschaukeln!“, riefen sie mit feinen Stimmen.

Daraufhin nickte Anna ihnen zu.

°°°°°°

Anna war mit ihrer kleinen Tochter Lisa im Blumenladen. Wie gerne hielt sich die Kleine dort auf. Zwischen duftenden Rosen und bunten Sträußen fühlte sie sich sichtlich wohl. Auch ihre beste Freundin Marie war da und half beim Binden der letzten Sträuße.

Manchmal, wenn Anna in die Gärtnereihalle eilte, hüpften die beiden Heinzelmännchen heimlich in Annas Schürzentasche. Dort gab es fast immer etwas zu tun. Sie liebten es, kleine verlorene Dinge wiederzufinden oder eine heruntergefallene Schere unbemerkt zurückzulegen. Niemand bemerkte es – außer Anna, die manchmal ein leises Kichern wahrnahm.

An diesem Tag jedoch hatte Anna ein Geheimnis, das sie heute lüften wollte.

Johann kam gerade zum Ladenschluss herein. Er trat an den Tresen und sah Anna an.

Sie strahlte über ihr ganzes Gesicht.

Johann bemerkte es natürlich sofort.

„Anna, ist unsere Kleine wieder gelaufen und ich habe es verpasst?!“

Anna schüttelte den Kopf, ihre Augen strahlten vor Freude.

„Noch nicht. Johann… ich bin schwanger. Mit Zwillingen!“

Für einen Moment war es ganz still im Laden.

Dann fiel Marie Anna lachend um den Hals.

Johann stand da wie angewurzelt – und im nächsten Augenblick sprang er vor Freude.

„Zwillinge! Wie schön!“

Da holte er Luft: „Dann brauchen wir noch eine Schaukel!“

Anna musste schmunzeln, und alle lachten herzlich.

Als hätte sie gespürt, dass etwas Besonderes geschah, begann die kleine Lisa genau in diesem Moment ein paar sichere Schritte zu laufen. Sie quietschte fröhlich und plapperte, als hätte sie verstanden, worum es ging.

Die Wochen vergingen ruhig, aber voller Vorfreude.

Johann ließ es sich nicht nehmen, Anna besonders zu umsorgen. Auch Marie und die Eheleute Huber halfen, wo sie konnten, und nahmen ihr vieles ab.

Oft blieb Anna vor dem Spiegel stehen. Auch an diesem Abend strich sie über ihren wachsenden Bauch und lächelte still vor sich hin. Johann umarmte sie von hinten; gerade noch reichten seine Hände um ihren Bauch. Er nickte beruhigend.

Und auf Annas linker Schulter saßen – fast unsichtbar – die beiden Heinzelmännchen und nickten ebenfalls.

Drei Monate später hatte Johann einen Wohnwagen besorgt.

Die Gärtnerei blieb geschlossen.

Auf dem Schild stand:

Drei Wochen Urlaub.

Die kleine Lisa war in dieser Zeit bei Oma Maria und Opa Hans.

Marie übernachtete meistens bei ihnen. Sie hatten sich so sehr angefreundet, dass Marie schließlich ganz bei ihnen einzog. Der Bungalow war groß genug – und Marie war ihnen wie eine Tochter geworden.

Johann stand bereits mit dem Wohnwagen vor dem Geburtshaus. Als die Zwillinge Rosalie und Florian zur Welt kamen – ein Zwillingspärchen – wie schön.

Wieder zu Hause war alles ein wenig stiller als sonst. Zwei kleine Bettchen standen nebeneinander.

Lisa lief zu den Zwillingen, die in ihren Bettchen lagen, und plapperte leise zu ihnen hinein.

Die Zwillinge schliefen friedlich.

Und kaum merklich begannen die Bettchen sich sanft zu bewegen.

Die Heinzelmännchen ließen die Wiegen behutsam schaukeln – so vorsichtig, dass es wie ein Hauch wirkte.

Anna entdeckte es eher zufällig.

Als eines der Babys hungrig aufwachte.

°°°°°°°

Die Monate vergingen …

Unten im Garten war es schön anzuschauen, wie Lisa, Rosalie und Florian gemeinsam auf einer großen Decke im Gras saßen.

Anna saß auf der Elternschaukel und träumte vor sich hin. Johann kam herbei, hinüber zum Baum, und blieb vor Anna stehen. Er nahm ihre Hand. Glücklich blickten sie sich an.

Anna rückte ein Stück zur Seite, Johann setzte sich zu ihr, und gemeinsam beobachteten sie ihre drei Kleinen auf der Decke.

Oma Maria, Opa Hans und Marie kamen ebenfalls dazu. Alle zusammen machten sie ein Picknick. Fröhliches Lachen erfüllte den Garten.

***

Im Blumenladen hatte Johann ein kleines Häuschen aufgebaut, in dem Lisa besonders gerne spielte. Die Zwillinge liefen fröhlich zwischen dem Häuschen und der Blumentheke hin und her, wenn sie nicht gerade im Zwillingswagen saßen.

Anna trug die beiden Heinzelmännchen in einem Strohkorb, in dem ein Kissen lag, vorsichtig hinunter in den Blumenladen, um sie beim Häuschen herauszuholen – denn sie gehörten ganz selbstverständlich dazu.

Im Sommer im Garten wechselten sich Anna und Marie ab, um Lisa auf der Schaukel anzuschubsen. Oft kamen auch Oma Maria und Opa Hans vorbei.

Als die Zwillinge größer wurden, spielten alle drei Kinder begeistert beim Häuschen. Sie waren ganz in ihrem Element – und die Heinzelmännchen waren täglich bei ihnen.

Anna lebte ihren Traum. Sie hatte ihren Blumenladen, den sie sich immer gewünscht hatte, die Liebe ihres Lebens – und drei wunderbare Kinder.

Es war Feierabend. Anna schaute zu ihren drei Kindern hinüber und dachte bei sich, dass sie sich keine Sorgen machen müsse. Die Heinzelmännchen würden immer da sein – auch dann, wenn sie selbst einmal nicht mehr da sein würde.

Johann kam herein. Er sah ihre Träne und wischte sie ihr sanft aus dem Gesicht. Beide umarmten sich und blickten überglücklich auf Lisa, Rosalie und Florian, die gerade auf sie zugelaufen kamen. Liebevoll umarmten sie sich alle.

Da stand Anna nun in ihrem Traumladen, mit der Liebe ihres Lebens und ihren drei wunderbaren Kindern – ein Gefühl von Liebe und Glück, das sie tief im Herzen erfüllte und ein Leben lang begleiten würde.

Ende

1 Mart 2026 Pazar

Elefant Malu

Märchenwelt 🌟

In seinem Inneren trieb ihn etwas um.

Elefantensprössling Malu wollte etwas erleben, etwas anderes sehen, als immer nur mit der Elefantenherde mitzutrotten.

Er plapperte unentwegt und erzählte seiner Elefantenmutter von seiner Sehnsucht. Diese erklärte ihm, dass es hier unter den Elefanten am sichersten sei. Doch Elefantensprössling Malu wollte das gar nicht hören, nicht wahrhaben. Tief in sich dachte er: Ich bin schon groß genug!

Eines Abends, als alle fest schliefen, schlich Malu davon.

In der Morgendämmerung, noch halb müde, wäre er beinahe auf eine Schlange getreten.

„Vorsicht!“, schrie diese.

Elefant Malu sprang zur Seite, hob eines seiner Beine hoch und blickte erschrocken nach unten. Malu bekam kaum Luft, und sein Herz raste. Er brachte kein Wort heraus.

Die Schlange zischte: „Sei vorsichtig! Hier gibt es genug giftige Schlangen. Gut, dass ich ungefährlich bin.“

Da entwich Elefant Malu ein kräftiger Luftstoß aus seinem Rüssel. Langsam beruhigte er sich und folgte dem Fluss, denn wenn er durstig wurde, konnte er jederzeit mit seinem Rüssel einen großen Schluck Wasser nehmen.

Sanddünen, wohin er auch blickte. Von Weitem beobachteten ihn ein paar Erdmännchen neugierig. Doch als er näher kam, tauchten sie gleich wieder in ihre Höhlen ab. Nur ein Erdmännchen war besonders neugierig. Als es sah, dass er ein Elefantensprössling war, fiepte es kess:

„Sag mal, was machst du hier ohne deine Elefantenherde?“

Elefant Malu zuckte mit den Schultern.

„Dort ist immer dasselbe. Ich muss ständig den Elefantenschwanz meiner Mutter festhalten. Mein Rüssel hat schon einen Krampf bekommen.“

Das Erdmännchen schüttelte den Kopf und tauchte wieder ab.

Kurz schaute Elefant Malu zurück und sah in der Ferne die Elefantenherde zusammenstehen. Warum suchen sie mich nicht?, wunderte er sich.

Die Elefantenmutter hatte die Krähe Kiran, Wächter und Freund der Elefanten, beauftragt, auf ihn aufzupassen – was Malu natürlich nicht ahnte.

Elefant Malu nahm kurz Anlauf, sodass eine Sandwolke hinter ihm entstand. Dann stoppte er abrupt und trottete wieder auf den Fluss zu. Die Sonne schien heiß. Mit gesenktem Kopf tapste Malu immer weiter, ohne wirklich darauf zu achten, wohin.

Fast wäre er in ein riesiges grünes Ungetüm hineingelaufen. Plötzlich stellte sich die Schlange vor ihn. Malu trat einen Schritt zurück.

„Was ist das?“

Die Schlange Rimi erklärte zischend: „Ein Riesenkaktus. Das kann unangenehm werden, der hat ganz viele Stacheln.“

„Ah! Danke“, brachte Elefant Malu hervor.

Unweit vom Kaktus war ein Felsen, der Schatten bot. Dort schliefen Malu und Schlange Rimi ein. Noch vor Sonnenaufgang machten sie sich wieder auf den Weg.

Sie folgten weiter dem Fluss, bis dieser im Sand zu verschwinden schien. Doch Schlange Rimi wusste, dass der Fluss unter dem Sand weiterfloss und hinter den Dünen wieder auftauchte.

Elefant Malu folgte Rimi über den langen Dünenweg – müde und staubig.

Dann plötzlich – ein grünes Leuchten im Sonnenlicht.

Es roch nach Wasser und Palmen.

Seine Schritte wurden schneller. Tatsächlich – eine Oase! Wie herrlich es hier roch.

Malu sprang mit Schwung ins Wasser. So ein erfrischendes Bad tat gut. Schwupps, stand er bis zu den Knien darin.

Als er nach oben blickte, sah Malu etwas Rundes, Braunes an einer Palme hängen. Er ging aus dem Wasser und schüttelte die Palme.

Schlange Rimi riet ihm ab: „Lass das – die ist viel zu hart für dich.“

„Was ist das?“, fragte Malu.

Schlange Rimi zischte: „Eine Kokosnuss. Darin ist Milch.“

„Kokosmilch!“, rief Elefant Malu begeistert.

Jetzt wollte er sie erst recht haben und rüttelte noch mehr. Gerade als die Kokosnuss herunterfallen wollte, stürzte Krähe Kiran herab und stieß Malu zur Seite.

Elefant Malu erschrak, war aber gleichzeitig dankbar, denn sonst wäre die Kokosnuss auf seinem Kopf gelandet.

Verwundert blickte Elefant Malu die Krähe an. Diese erzählte ihm, dass seine Elefantenmutter ihn hinterhergeschickt hatte.

Eine tiefe Erleichterung durchströmte Malu.

„So, wie kriegen wir die Kokosnuss auf?“, wollte Schlange Rimi wissen.

„Nachdem sie durch den Fall einen Riss bekommen hat, mache ich einen Sturzflug und schlage mit dem Schnabel dagegen“, sagte Krähe Kiran.

Schlange Rimi mischte sich ein: „Und dann wickle ich mich fest darum und drücke so stark zu, bis sie zerbricht.“

Elefant Malu schaute gespannt zu. Es hatte sich gelohnt – nun konnten sie zu dritt die leckere Kokosnuss trinken.

Bei der Oase war es angenehm kühl zum Schlafen, sodass sie am nächsten Morgen wieder fit waren.

Elefant Malu beschloss: „Ich will zurück zur Elefantenherde.“

Erleichtert nickten sich Krähe Kiran und Schlange Rimi zu.

Gemeinsam traten sie den Rückweg an. Zwei Nächte später konnten sie schon von Weitem die Elefantenherde erkennen. Nur noch ein kleines Stück. Malu wurde immer schneller und rannte schließlich mitten in die Herde hinein.

Die Freude war groß. Elefantenmama umschlang ihren Sprössling mit ihrem Rüssel, und eine Träne der Freude glänzte in der Sonne. Sie blickte hinauf zur Krähe Kiran und trompetete laut zum Dank. Schlange Rimi schien niemanden zu stören, denn jeder wusste, dass sie ungefährlich war.

Elefant Malu plapperte los und erzählte von seinen Abenteuern und von der Oase, die sie gefunden hatten. Daraufhin beschloss die ganze Elefantenherde, zur Oase zu ziehen.

Was für ein wundervoller Ort! Dort würden sie bleiben – bei frischem Wasser und leckerer Kokosmilch.

Besonders Elefant Malu fühlte sich hier sehr wohl. Er und sein Freund Schlange Rimi wurden die besten Kokosnussknacker, die es je gab.

Und so endete diese Abenteuergeschichte.

Elefant Malu und das Erdmännchen

Märchenwelt 🌟

Elefant Malu war glücklich bei der Oase mitten in der Wüste. Unbeschwert konnte er um sie herumlaufen und gelegentlich hinter der kleinen Sanddüne zum Fluss traben. Jetzt, da er zu einem jungen Elefanten herangewachsen war, durfte er mit Schlange Rimi die Gegend erkunden.

Elefant Malu und Schlange Rimi folgten dem Fluss aufwärts bis hin zum Erdmännchenhügel.

Als sie näherkamen, winkte ihnen ein Erdmännchen zu, den Oberkörper weit über der Höhle. Von den anderen sah man nur die Köpfe. Kaum standen Malu und Rimi davor, tauchten die Erdmännchen auch schon blitzschnell ab.

Nur Erdmännchen Simon war viel zu neugierig und wollte wissen, wer die beiden seien.

„Ich bin Elefant Malu, und das ist mein Schlangenfreund Rimi“. Kaum hatte er es ausgesprochen, erblickte Erdmännchen Simon Krähe Kiran und stieß einen lauten, durchdringenden Pfiffton aus.

Alle Erdmännchen – zack – verschwanden in ihren Höhlen.

Schlange Rimi verkroch sich unter den Wüstensand, und Elefant Malu klemmte seine Ohren so dicht wie möglich an seinen Körper.

„Was war das?“, trompetete Elefant Malu.

„Ein Warnruf“, erklärte Erdmännchen Simon.

Inzwischen war Krähe Kiran auf Malus Rücken gelandet.

„Ich habe dich nicht erkannt“, fiepste das Erdmännchen schulterzuckend und taute wieder ab, um kurz darauf seinen Kopf erneut herauszustrecken.

„Kommt, es wird schon dunkel. Geht lieber rechtzeitig zur Oase zurück.“, rief Krähe Kiran.

„Kommt bald wieder vorbei!“, rief Erdmännchen Simon und winkte ihnen nach.

Und so kehrten sie alle gemeinsam zur Oase zurück. Elefant Malu kuschelte sich neben seine Elefantenmama. Schlange Rimi ringelte sich nah bei Malu ein, und Krähe Kiran saß auf der Palme und wachte über alle. Der Wüstenwind wehte leise unter dem klaren Sternenhimmel, und bei der Oase wurde es still. 🌙✨

Elefant Malu und die geheimnisvolle Höhle

Märchenwelt 🌟

In der Abenddämmerung schlich sich Malus Uhrgroßopa heimlich über die Sanddünen.

Malu bemerkte es und folgte ihm unauffällig. Er sah, wie sein Uhrgroßopa sich durch einen Felsspalt drückte. Es musste also etwas Wichtiges sein. Leise schlich Malu hinter ihm her durch den schmalen Felsspalt. Dahinter verbarg sich eine geheimnisvolle Höhle. Die Wände glitzerten, und im Inneren lagen große Stoßzähne verstreut. An den Felswänden waren Elefantenbilder zu sehen.

Malu staunte.

Uhrgroßopa hatte ihn bemerkt, drehte sich zu ihm um, lächelte und drückte ihn liebevoll mit seinem Rüssel an sich.

Er zeigte ihm alles und erzählte von den Ahnen.

„Schau mal hier, diese Bilder sind von unseren Urahnen, und jeder dieser Stoßzähne hat seine eigene Geschichte.

Von jeher ist dies der Ruheort der Elefanten“, erklärte er leise.

Urgroßopa drehte sich um, schwenkte leicht mit seinem Rüssel und nickte Malu zu.

„Mein Elefantenkind, dieser Ruheort ist tief in den Herzen der Elefanten verbunden.“

Elefant Malu dachte daran, dass die Urahnen bestimmt viele Abenteuer erlebt hatten.

Nachts unter dem Sternenhimmel machten sie sich leise wieder auf den Weg zurück zur Oase, kuschelten sich aneinander und träumten davon, zusammen mit den Urahnen zu den Sternen zu fliegen.

🌟 🌟 🌟 🐘🐘

28 Şubat 2026 Cumartesi

Der Aufruhr im Körper

Allerlei-Sammelmaschen 📃 Nachdenkliches, verrücktes ☆

Wer denkt hier eigentlich an alles?

Immer muss ich an alles denken, beschwert sich das Gehirn.

Das Herz schlägt zurück: Also, wenn ich nicht arbeite, läuft hier auch nichts.

„Ah!“, regt sich das Gehirn auf. „Wenn ich dir keinen Befehl gebe, schlägst du doch gar nicht!“

Der Magen murrt: „Gehirn, sag mal den Zähnen, sie sollen ordentlicher kauen. Alles kommt hier nur in Klumpen an – viel zu viel Arbeit für mich. Und der Zunge kannst du ausrichten: Nur weil es ihr schmeckt, gefällt mir das noch lange nicht.“

„In meinen Darm und in die Nieren spüle ich das ganze Zeug durch. Und du, Gehirn, merk dir: Wir Nieren brauchen viel Wasser!“

Die Lungen brüllen: „Wir brauchen dringend Luft! Gehirn, sag der Nase, sie soll genug Luft holen!“

„Hallo, wir sind müde!“, rufen die Füße von unten. „Wir senden es dir schon lange durch die Beine nach oben!“

Das Gehirn, genervt: „Ihr habt es mir nicht richtig gesendet …“

An was soll es noch alles denken?

22 Şubat 2026 Pazar

Der Mythos von Atlantis

Mythos🌀

Man sagt, Atlantis sei im Meer versunken. Doch nur wenige wissen, dass es einst aus Eis hervorging.

Atlantis war eine Schneewüste im Akartis-Meer. Die Menschen trugen lange Gewänder. Ihre Haut war lederartig und widerständig. Ihre Hauptnahrungsquelle war Fisch.

Die Stadt bestand aus Pyramiden aus Eis, zeltartigen Eisgebilden, zerklüfteten Eishöhlen und Tempeln, direkt aus dem Eis gehauen. Alles war weiß. Kalt. Klar.

Der Werkmeister und Gedankenformer: Ilvan. Ein stiller Beobachter, der wenig sprach.

Meister Ilvan erschuf eine Miniatur-Zeitkapsel. Durch die Kraft seiner positiven Gedanken verkleinerte er sich selbst.

Die Zeitkapsel samt Ilvan verschwand für drei Tage – doch sie tauchte drei Tage zuvor wieder auf. Für die Menschen fühlte es sich an wie ein Déjà-vu, ein unerklärliches Wiedersehen mit etwas, das noch nicht geschehen war.

Ilvan kehrte zurück – und hatte den Untergang von Atlantis gesehen.

Doch den Menschen lag Ilvans Warnung nicht im Jetzt. Sie vertrauten auf die Stärke des Eises.

Niemand glaubte an eine wirkliche Gefahr. Wie sollte das Eis von selbst zerbrechen? Atlantis war seit jeher von ewiger Kälte umgeben.

Nur Ilvan spürte, dass sich das Gleichgewicht verschoben hatte.

Er ließ von einem Glasbläser eine feste, unzerstörbare Glaskugel herstellen. Darin bewahrte er die Zeitkapsel auf.

Dann geschah es: Atlantis wurde durch einen gewaltigen Riss getrennt. Ein Hurrikan wirbelte. Ein siedender Strahl suchte das Land heim.

Schmelze. Sturm. Wirbel.

Alles Leben wurde ausgelöscht. Atlantis versank ins Meer.

Die Glaskugel blieb zurück – ein Vermächtnis, das nur Wissende verstanden.

Und so blieb Atlantis ein Mythos.

20 Şubat 2026 Cuma

Liebe kann so schön sein – Das Leben und ich

Entstanden 1995 – überarbeitet im Februar 2026

Eine Liebesgeschichte für erwachsene Herzen 💞

Liebe kann so schön sein – Das Leben und ich

Mein Verlobter und ich – es kommt mir vor, als kennen wir uns eine Ewigkeit. Zusammen sind wir schon zwölf Jahre. Er hat nie unseren Jahrestag vergessen. Wir kennen uns aus der Studienzeit.

Ich als Tutorin, er Architekt – er war der Beste unter allen Studienkollegen.

Als wir zusammenziehen, ist klar, dass Paul viel unterwegs sein wird. Paul liebt seine Arbeit, das merkt man auch. Er ist so gut in seinem Job, dass er ständig ausgebucht ist.

Unsere Beziehung ist sehr harmonisch, manche würden sie auch als seicht bezeichnen.

Unser morgendliches Ritual:

„Hallo, mein Schatz, na wie geht’s dir heute?“

Paul setzt sein unverwechselbares, verschmitztes Grinsen auf und fügt, bevor ich etwas sagen kann, hinzu:

„Lass dich nicht von deinen Studenten ärgern!“

Ich grinse, stehe vom Tisch auf, gehe zu ihm hinüber auf die andere Seite und gebe ihm einen Kuss. Ich verabschiede mich von ihm und mache mich fertig für die Arbeit.

Schottland, Kembrith – da bin ich wieder vor diesem riesigen College-Gebäude. Innen ein saalähnlicher Eingangsbereich, Fahrstühle führen in die oberen Stockwerke. Im obersten Stockwerk befinden sich Appartements für Collegekollegen, im hinteren Gebäude liegen die Wohnappartements für die Studenten.

Jetzt erst einmal in den Pausenraum.

Mmh, es riecht schon nach Kaffee. Sicherlich hat Rike – sie ist das Herz der Kantine – wie üblich alles vorbereitet.

Fast singend: „Morgen, Morgen. Morgen, Rike. Morgen, Maike“, betrete ich den Raum.

Beide schauen auf und antworten gleichzeitig: „Morgen, Julia.“

Maike und Rike sind meine besten Kolleginnen. Ich würde sie schon als Freundinnen bezeichnen. Wir erzählen uns alles, wir wissen fast alles voneinander.

Rike, Mitte fünfzig – 58 Jahre jung –, geschieden, möchte solo bleiben. Sie sagt immer: „Zwischendrin ein Freund kann nicht schaden, aber etwas Festes? Nein, danke.“

Und Maike, 44, sechs Jahre älter als ich, bekennende Single, ist schnell verliebt, möchte aber nichts Festes anfangen. Als Sekretärin des Colleges weiß sie mehr über jeden, als man ahnt.

Als wir so gemütlich zusammensitzen, kommt Senior Lecturer Petrik Hansen, unser Frauenschwarm, herein.

„Morgen, meine Damen.“

Sein Charme fliegt durch die Luft. Seine Stimme, so schmeichelnd und klar, gutaussehend noch dazu – ein Gentleman, wie er im Buche steht. Da schmelzen Frauenherzen dahin.

„Schrill!“

Schnell werden wir aus unseren Träumen gerissen – die Glocke mahnt zur Pünktlichkeit.

Rasch sind die Sachen gepackt, und es geht ab in die Studienräume.

Da stehe ich nun – manchmal gelangweilt, manchmal genervt – und denke mir, vielleicht suche ich mir eine andere Tätigkeit als nur die ewige Dozentin auf Zeit. Aber was für eine?

Es ist ein langer Tag. Ab nach Hause.

Paul ist heute Abend auch da. Wir gehen essen.

Zu Hause angekommen eröffnet mir Paul:

„Du, Schatz, ich bin für zwei Wochen unterwegs – wegen des Projekts für Herrn Jakobson.“

„Ab wann geht es los?“, frage ich.

Paul sieht mich an. „Morgen schon. Mittags geht mein Flieger.“

„Gut, dann nehmen wir noch einen Gute-Nacht-Trunk und gehen ins Bett“, ordne ich an.


Bussi rechts, Bussi links – so verabschieden wir uns vor der Wohnungstür.

Er nimmt ein Taxi, ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Es sind einsame Tage.

Jeden Abend telefonieren wir.

***°°

Das Ende des Studienjahres rückt immer näher, und wie jedes Jahr wird es eine große Abschiedsparty geben.

Einige Studenten und Tutoren machen sich daran, die Festlichkeiten vorzubereiten.

Ich schreibe die Rede, organisiere Torten, Kuchen, das Buffet und vieles mehr.

Drei Tage später läuft die Party auf Hochtouren. Ich sitze wie immer mit Rike und Maike an einem Tisch. Ich trinke Wein – zu viel Wein. Ich fühle mich allein, ein bisschen traurig. Ich lächle in die Runde, doch eigentlich ist mir gar nicht danach zumute.

Von der Seite tänzelt Petrik zu unserem Tisch.

„Na, die Damen, Lust auf ein Tänzchen?“, fragt er fröhlich.

Rike bestimmt: „Tanz mit Julia, sie kann es gebrauchen. Ihr geht es nicht so gut.“

Petrik macht eine großzügige Verbeugung, neigt sich zu mir und flüstert:

„Das können wir ändern. Ein Tanz, und es geht Ihnen wieder besser.“

Ich komme mir vor wie in einem Traum. Ich schwebe regelrecht, er führt wunderbar.

Ich genieße seine Nähe, mein Herz schlägt schneller. Manchmal flüstert er mir liebe Sätze ins Ohr – dass ich besonders gut aussehe, wie eine Prinzessin beim Tanzen schwebe, dass ich eine besondere Frau sei – all die schönen Dinge, die eine Frau hören möchte.

Da denke ich kurz: Ja, das ist ein richtiger Frauenschwarm.

Der Abend geht zu Ende, wir verabschieden uns voneinander. Meine Kolleginnen verlassen das Gebäude. Ich muss noch dringend für kleine Mädchen und torkle leicht angetrunken zu den Waschräumen.

Als ich zurück in den Gang trete, lehne ich mich neben den Aufzug. Da sehe ich Petrik um die Ecke schlendern – direkt auf mich zu.

„Nacht“, sage ich müde.

„Nacht“, erwidert er, kommt auf mich zu, küsst mich und zieht mich in den Fahrstuhl. Wenig später sind wir in seinem Zimmer – und der Raum um mich herum verschwindet. Alles läuft wie in einem Film ab. Ich vergesse mich. Ich lasse mich gehen. Alles ist sinnlich, berauschend, schön.

Irgendwann schlafen wir ein.

Als ich aufwache, wirkt alles seltsam weit entfernt. Die Wände scheinen vor meinen Augen zu schwimmen. Ich suche meine Sachen, ziehe mich an. Ich möchte nach Hause.

Ich fühle mich, als wäre nichts geschehen. Eigenartig. Was ist nur los mit mir?

In den nächsten Tagen gehe ich Petrik aus dem Weg. Es ist ein einmaliger Ausrutscher – und fertig.

***°°°

Paul kommt heute Abend zurück. Ich koche etwas Besonderes. Ich decke den Tisch, stelle Kerzen auf und ziehe das schwarze Abendkleid an, das er so gerne an mir mag.

Ich halte Fifi in meinen Händen. Ja, ich habe mir aus lauter Frust und Einsamkeit einen Hund besorgt – von meiner Freundin Beatrice. Sie züchtet Jack Russell.

Paul kommt herein, sieht den gedeckten Tisch.

„Wie lieb von dir, Schatz! Ich ziehe mich schnell um und komme gleich.“

Er erzählt von seinem Vorhaben, aber ich höre gar nicht richtig zu. Ich höre ihn nur sagen: „Was meinst du dazu?“

„Wunderbare Idee“, antworte ich.

Kurze Zeit später ruft Paul aus dem Bad: „Julia, du kannst das Essen anrichten.“

Fifi schläft in seinem Korb.

Wir genießen unser Essen. Beim Nachtisch fragt Paul dann ganz trocken:

„Musste das mit dem Hund sein?“

Mit schuldbewusster Stimme antworte ich: „Ich war so einsam. Fifi ist auch schon stubenrein.“

„So, so. Fifi. Und wo hast du ihn her?“, fragt Paul mit gesenktem Blick.

„Von Beatrice – du weißt schon, sie züchtet doch Hunde“, antworte ich leise.

Ohne ein weiteres Wort steht er auf, nimmt seinen Teller und geht in die Küche. Ich schaue ihm hinterher. In diesem Moment kommt er zurück und sagt fast versöhnlich:

„Komm, ich helfe dir aufräumen. Es war ein langer Tag. Lass uns ins Bett gehen.“

Ich nicke, aber innerlich bin ich verärgert. Ich gehe noch eine kleine Runde mit dem Hund Gassi.

Wortlos machen wir uns bettfertig. Kaum liege ich im Bett, höre ich Paul schon leise schnarchen. Jetzt bin ich erst recht aufgebracht und kann nicht einschlafen.

Ich drehe mich hin und her. Um zwei Uhr in der Früh halte ich es nicht mehr aus. Ich stehe auf, wandere durch die Wohnung, gehe ins Kleiderzimmer, wühle im Schrank und ziehe mein schönstes Abendkleid an. Mantel darüber. Dann fahre ich mit dem Fahrrad zum College.

Ich stelle mein Fahrrad ab, schließe mit meinem Schlüssel die Tür auf und gehe zum Fahrstuhl. Ich höre mein Herz schlagen.

Im obersten Stockwerk angekommen, schleiche ich zu Petriks Tür, drücke den Türgriff hinunter und gehe auf Zehenspitzen hinein.

Ich bleibe stehen. Das Morgenlicht zeichnet meine Silhouette an die Wand, als würde es mich doppelt geben. Die Bettdecke hebt sich leicht – wie eine Einladung.

Den Mantel lasse ich einfach auf den Boden fallen. Ich lege mich samt dem Kleid neben Petrik ins Bett. Er legt im Schlaf seinen Arm um mich und kuschelt sich an mich.

Endlich schlafe ich ein.

***°°°°

Am nächsten Tag weiß ich, dass Paul wieder im nächsten Flieger unterwegs ist. Er wird annehmen, ich sei wie üblich im College, um Arbeiten der Studenten zu korrigieren.

Ich öffne die Schiebetür zum Bad, alles ist sehr eng hier. Ich dusche mich und mache mich frisch. Als ich herauskomme, geht Petrik hinein. Nach einiger Zeit ist er fertig und kommt nur mit Shorts bekleidet wieder heraus. Er zieht seinen Anzug an und fragt etwas aufgeregt:

„Willst du mitkommen? Ich bin eingeladen.“

Ich nicke. Schnell rufe ich meine Haushälterin an, die samstags immer zum Saubermachen kommt, und bitte sie, mit dem Hund Gassi zu gehen.

Wir fahren mit einem sehr schicken Wagen. Das Verdeck ist offen – herrlich. Ich genieße die Fahrt. Ich lächle. Ich fühle mich frei.

In einer langgezogenen Kurve gibt er plötzlich Gas, um am Ende eine kleine Vollbremsung zu machen. Als der Staub sich legt, sehe ich riesige Burgmauern und ein großes Tor, das sich wie von Geisterhand öffnet.

Als sich das Tor öffnet und wir hineinfahren, eilen Diener herbei. Ein anderer Wagen wird vorgefahren. Eine Dame mit zwei kleinen Kindern kommt die Treppe herabgeschritten. Wir steigen in den Wagen. Ich sitze vorne, Petrik hinten mit der Dame und den Kindern.

„Wir feiern heute Kindergeburtstag“, trällert Petrik fröhlich.

Ich denke noch harmlos, dass die Dame mit den zwei Kindern seine Einladung ist.

Beim Fest angekommen, mische ich mich unter die Leute. Nach einigen Stunden stehe ich der Dame am Buffet gegenüber. Sie nimmt mich zur Seite und flüstert fragend:

„Sind Sie seine neue Freundin?“

Ich weiche einen Schritt zurück und antworte wie in Trance:

„Nein, ich bin eine Kollegin.“

Die Dame erwidert: „Eine Kollegin also.“

Ich drehe mich um, gehe großzügig um die Menge herum und suche Petrik. Dort steht er mitten unter den Kindern. Ich winke ihm, dass er herkommen soll.

Petrik blickt mich an und gibt mir ein Zeichen mit dem Kopf, dass ich zu ihm kommen soll. Ich dränge mich zwischen die Kinder und stehe nun vor ihm. Er möchte mir lustige Spiele der Kinder aufzwängen. Ich halte seine Arme mit meinen beiden Händen fest, doch er streift sie langsam wieder ab.

Ich fordere: „Schau mich an. Wer ist diese Frau?“

Er sagt ganz trocken, als wäre es das Normalste der Welt:

„Das ist meine Frau, und das sind meine Kinder, Magie und Karla.“

Ich kann kaum fassen, was er da sagt. Ich drehe mich sofort um, bemühe mich, nicht zu rennen. Außerhalb der Gesellschaft laufe ich zu den Bediensteten, spreche einen an und sage bestimmt:

„Ich will nach Hause!“

Ein Chauffeur fährt mich zum College zurück.

Wütend fahre ich mit dem Fahrrad nach Hause. Zu Hause angekommen will ich nur noch unter die Dusche. Es ist spät. Ich ziehe mein Nachtkleid an. Das Abendkleid lege ich für die Reinigung zurecht – ja, das muss unbedingt in die Reinigung.

Nachdenklich frage ich mich: Was habe ich mir nur dabei gedacht? Ein verheirateter Mann. Ach was – verheiratet hin oder her. Überhaupt mich mit einem anderen Mann einzulassen?

Ich sitze auf unserem Bett. Ich möchte weinen, schreien, mich schuldig fühlen – gar nichts. Nichts fühle ich. Ich balle meine Fäuste zusammen und trommle wie wild auf die Matratze ein.

Ich verkrieche mich ins Bett und schlafe ein.

Das Telefon klingelt und weckt mich. Ich gehe ran. Es ist Paul. Ich bin nicht sehr gesprächig.

„Alles in Ordnung?“, fragt Paul besorgt.

„Nur etwas müde“, antworte ich mit schläfriger Stimme.

„Ich rufe dich morgen wieder an. Schlaf weiter, mein Schatz“, meinte Paul.

„Ja, okay“, sage ich.

***°°°°°

Montagmorgen. Ich habe mir einiges vorgenommen. Erstens werde ich meine Kündigung einreichen, und dann werde ich mir einen Job suchen, der mir wirklich Spaß macht.

Ich gehe gleich zur College-Direktorin und teile ihr mit, dass ich kündigen werde. Ich lege ihr mein vorbereitetes Schreiben vor.

„Schade, dass Sie uns verlassen wollen“, sagt sie.

„Haben Sie es den Dozenten und Ihren Studenten schon mitgeteilt?“

„Das habe ich als nächsten Schritt vor“, antworte ich.

Endlich ist alles erledigt. Jetzt kann ein neuer Abschnitt in meinem Leben beginnen.

Als Nächstes teile ich Maike und Rike meine Entscheidung mit. Maike bleibt ganz still, man sieht ihr an, dass sie traurig ist. Rike hingegen fragt direkt:

„Warum jetzt so plötzlich? Ist etwas passiert, Julia?“

Da kann ich mich nicht mehr zurückhalten. Es sprudelt aus mir heraus:

„Ich hatte etwas mit Petrik!“

Rike reagiert etwas grob:

„Wer nicht!“

Erst bin ich erschrocken, dann denke ich: Na klar – dieser Draufgänger.

„Setz dich“, sagt Rike.

Auf einmal piepste Maike mit dünner Stimme:

„Mich hat er sogar mit zu seiner Frau mitgenommen. Stell dir vor – nach vier Monaten. Ich habe sofort Schluss gemacht.“

„Bei dir auch?“, frage ich angespannt.

Rike zuckt mit den Schultern.

„Sagen wir mal so: Ich hatte schon länger ein Verhältnis. Irgendwann habe ich herausgefunden, dass er verheiratet ist, und ich habe gleich klargemacht, dass ich kein Interesse an so etwas habe – sondern nur am Vergnügen. Ich bin unabhängig, Single und niemandem Rechenschaft schuldig.“

Mit diesen Worten beendet Rike ihre Geschichte.

Irgendwie bin ich erleichtert.

***

Nächste Woche kommt Paul nach Hause. Soll ich ihm alles erzählen – oder lieber schweigen?

Die Woche vergeht schnell. Wir telefonieren wie üblich. Am letzten Tag sagt Paul zu mir:

„Schatz, morgen komme ich nach Hause. Dann gehen wir erst einmal essen. Ich habe eine Überraschung für dich.“

„Ich für dich auch“, entgegne ich.

Ungeduldig erwarte ich unseren Abend. Gleich ist es acht Uhr.

Paul schleicht herein, gibt mir ein Küsschen auf die Wange.

„Ich komme gleich. Ich mache mich schnell frisch und ziehe mir etwas anderes an“, ruft er aus dem Badezimmer.

„Ich habe einen Wagen für heute Abend bestellt.“

In diesem Moment kommt der Wagen.

***°°°°°°

Im Restaurant gehen wir die Treppe hinunter. Paul winkelt seinen Arm an, ich hake mich bei ihm ein.

Wir sitzen in unserem Lieblingsrestaurant. Der Kellner kommt.

„Wein – Ihre Lieblingsmarke“, sagt er lächelnd.

„Na, erzähl – was gibt es Neues?“, frage ich erwartungsvoll.

Paul räuspert sich. „Na, du zuerst.“

„Frei heraus: Ich habe gekündigt. Ich habe mir überlegt, dass ich Lehrerin für hilfsbedürftige Kinder werden möchte. Ich habe mich bereits bei einem neuen Projekt in unserer Gemeinde beworben“, erzähle ich übereifrig.

Er schaut mich strahlend an.

„Jetzt bin ich dran. Ab nächsten Monat, wenn meine Geschäfte abgewickelt sind, werde ich Schriftsteller. Ich habe jemanden gefunden, der sich für meine Notizen und Aufzeichnungen aus meinen Städtereisen interessiert.“

Ich sehe das Leuchten in seinen Augen. Ich erwidere nichts mehr. Wir genießen einfach unseren Abend.

Spät am Abend kommen wir nach Hause. Schnell gehe ich noch mit Fifi hinaus.

Wir ziehen uns um und machen uns bettfertig. Ich setze mich an den Bettrand. Paul kommt zu mir, setzt sich neben mich, nimmt mich in den Arm und schubst mich leicht.

„Ich habe noch eine Überraschung für dich.“

Bevor ich etwas sagen kann, platzt er heraus:

„Ich habe ganz in der Nähe ein Haus für uns gekauft. Na, was sagst du dazu?“

Jetzt überwältigt mich alles. Ich fange an zu weinen, und alles bricht aus mir heraus – alles, was geschehen ist.

„Ja, ich habe mir fast gedacht, dass etwas mit dir ist“, stellt er beinahe sprachlos fest.

„Was ist jetzt?“, frage ich ängstlich.

„Es ist vorbei“, sagt Paul ruhig.

„Ja. Es ist vorbei“, antworte ich entschieden.

„Dann ist es gut, dass wir umziehen, neue Ziele haben und beide eine neue Chance bekommen“, meint er.

Ich wische mir die Tränen ab. „Ja“, entgegne ich leise.


Paul nimmt mein Gesicht in seine Hände und küsst mich – erst zärtlich, dann leidenschaftlicher. Wir lieben uns, als wäre es das erste Mal. Unsere Liebe flammt neu auf.

Ich nehme mir die letzte Woche Urlaub, um mich auf meine neuen Aufgaben vorzubereiten. Ich bekomme eine Zusage für das Projekt und darf bereits an den Vorbereitungen teilnehmen und Ideen einbringen.

Ich packe fleißig Kartons. Paul organisiert einen Umzugswagen. Das Gute ist, dass die Umzugsprofis alles in unserem neuen Heim aufstellen und auspacken, sodass wir am Abend bereits draußen auf unserer Terrasse sitzen und den Sonnenuntergang genießen können.

Paul richtet sich ein Zimmer als Büro ein, in dem er in Ruhe seine Texte schreibt.

Ich bin glücklich. Ich habe Paul wieder – und ich übe einen Beruf aus, den ich liebe.

Ab und zu kommen einige meiner ehemaligen Studenten vorbei.

Die Kinder aus der Nachbarschaft spielen in unserem großen Garten. Mit der Zeit bringen sie auch ihre Freunde mit. So komme ich auf die Idee, in unserem Haus einen Raum für die Kinder einzurichten. Dort können sie malen, zeichnen, lernen oder basteln – ganz wie sie möchten.

***

Zwei Jahre später.

Ich rufe Tante Mary an.

„Tante Mary, Tante Mary – du wirst Patentante!“

„Warum? Ist Beatrice wieder schwanger?“, fragt sie.

„Hör doch mal zu!“, sage ich eindringlich. „Ich bekomme ein Baby!“

Auf der anderen Seite macht es Klick.

Ich schaue zu Paul. „Du, Paul – sie hat einfach aufgelegt.“

Paul nickt nur.

Wir richten gerade das Mittagessen an und wollen uns setzen, als es Sturm klingelt.

Paul öffnet die Tür. Tante Mary kommt mit ausgebreiteten Armen herein, läuft direkt auf mich zu, umarmt mich und lacht.

„Du sagst ja gar nichts“, frage ich verwundert.

Tante Mary nickt nur, sichtlich gerührt.

„Komm, lass uns erst einmal essen“, sagt Paul.

Wir setzen uns. Mitten im Essen steht Tante Mary auf, kommt zu mir und sagt fast weinerlich:

„Ich freue mich so für dich!“

Ich streichle ihr über den Rücken und schweige.

Wir plaudern noch bis spät in die Nacht. Tante Mary bleibt über Nacht und fährt am nächsten Tag wieder nach Hause.


Da ich beschlossen habe, nach der Geburt zu Hause zu bleiben, überlege ich, hier einen kleinen Kindertreff einzurichten und Nachhilfe anzubieten. Platz haben wir genug.

Beim Untersuchungstermin beim Arzt heißt es:

„Herzlichen Glückwunsch – es werden Zwillinge!“

Ich nehme sofort Pauls Hand und sehe ihn ängstlich an.

Er lächelt, streichelt meine Hand und beruhigt mich.

„Das wird schon. Das schaffen wir.“

Die Monate vergehen, alles läuft gut.

Endlich fahren wir mit unseren Zwillingen nach Hause.

Es wird Abend. Wir bringen unsere beiden süßen Fiona und Finn ins Bett.

Wer hätte das gedacht? Unser Glück ist vollkommen.

Wir stehen vor den Bettchen, seufzen leise, blicken uns an, nehmen uns an den Händen und setzen uns ins Wohnzimmer.

Wir kuscheln uns aneinander und genießen das Kaminfeuer.

ENDE



15 Şubat 2026 Pazar

🌼 Kleine schlaue blaue Biene

 Märchenwelt 🌟 Kindermaschen🎈

Es war einmal …

In einem Bienenstock lebte eine kleine, schlaue, blaue Biene. Sie lernte gerne und flog voller Freude zur Bienenschule.

Schon als Babybiene summte sie am lautesten und war die hungrigste von allen. Vor den anderen konnte sie bereits fliegen und wirbelte im Bienenstock umher.

Sie war sehr klug, flog schon weit voraus zur Bienenschule, erledigte schneller als alle anderen ihre Aufgaben und konnte Reime summen wie keine andere. Die Bienenlehrerinnen waren überrascht und begeistert von ihrem Können – von der schlauen blauen Biene.

Dafür bekam sie eine extra Portion Honig. Sogar ein spezielles Honigwaben-Zeugnis erhielt sie.

Die schlaue blaue Biene freute sich darüber und umso fleißiger lernte sie.

Sie wollte schließlich Blumen- und Honigexpertin werden.

Und so summte die schlaue blaue Biene fröhlich vor sich hin – und lernte summend weiter an ihren Honigträumen. 🌼🐝✨


🐝🌼🐝🐝🐝🌼🐝🐝🐝🌼🐝🐝🐝🐝🌼

Die Idee zur kleinen blauen Biene stammt von meiner Tochter.

Gemeinsam entstand daraus diese Geschichte.






12 Şubat 2026 Perşembe

🌵 Wüstenmärchen

Märchenwelt 🌟 Endstanden: 2015 überarbeitet 2026°°°

In einer wüstenähnlichen Landschaft erzählte man sich diese Geschichte:

Nachdem der jahrelange Wüstenkrieg beendet war, kehrte Prinz Fame nach Hause zurück. Er war schon müde, hing halb vom Pferd, als er endlich die schemenhaften Umrisse des Schlosses sah.

Als er näher kam, stoppte er erschrocken. Was war hier geschehen?

Das Schloss war in einem schrecklichen Zustand. Der Putz blätterte ab, die Farbe war völlig verblasst.

Er stieg ab. Müde ging er auf den Schlossplatz zu. Alles war still. Es war bereits dunkel geworden, und er wollte niemanden wecken. So stellte er sein Pferd in den Stall.

Er selbst legte sich ins Heu und schlief sofort ein.

Am nächsten Morgen war es immer noch sehr still. Er betrat das Schloss. Seltsam – keine Bediensteten waren zu sehen. Er schritt weiter in den Thronsaal – alles leer, nur Staub. Man hörte lediglich seine Schritte hallen.

Im Gang zu den Schlafräumen lief ein Diener entlang. Dieser blieb wie angewurzelt stehen, starrte ihn an, öffnete den Mund, brachte jedoch kein Wort heraus.

Prinz Fame trat auf ihn zu, klopfte ihm auf die Schulter und fragte, wo sein Vater sei. Der Diener ging wortlos voraus, öffnete eine Tür. Dort lag der König in seinem großen Bett, umgeben von zwei Dienern.

Prinz Fame trat näher, setzte sich auf die Bettkante, nahm seine Hand und sagte leise:

„Vater, ich bin es – Fame, dein Sohn.“

Der König sah auf. Er war zu schwach, um zu antworten, doch er drückte die Hand seines Sohnes.

Der Prinz ließ den Dorfdoktor kommen.

„Was fehlt ihm?“, fragte er besorgt.

Der Doktor antwortete: „Es ist nicht schlimm. Er ist nur sehr geschwächt. Ihr müsst dafür sorgen, dass der König wieder Bewegung bekommt. Doch die beste Medizin seid Ihr selbst, Prinz. Er hat sich zu viele Sorgen um Euch gemacht.“

Der Prinz nahm sich diese Worte zu Herzen. Er ging sofort zu seinem Vater, überredete ihn aufzustehen, und gemeinsam spazierten sie über die Flure. Schon bald kehrte die Kraft des Königs zurück.

König Sinan sprach:

„Weißt du, mein Sohn, das Reden mit dir tut mir gut. Es ist die beste Medizin.“

Prinz Fame stutzte:

„Aber du hast doch deine Diener?“

„Ja“, sagte der König, „doch wie du siehst, sind nur noch drei geblieben. Die anderen sind fort. Mit Dienern spricht man nicht über die persönlichen Dinge des Lebens.“

„Da wirst du wohl recht haben, Vater“, stimmte der Prinz zu.

Als sie gemeinsam auf die Wüstendünen blickten, fragte Prinz Fame:

„Was ist eigentlich mit Prinzessin Saleika?“

Der König sah ihn kurz an.

„Ich weiß es nicht. Das Schloss Side wurde zerstört. Es gibt nur noch unser Schloss und das von Fürst Veach.“

Prinz Fame beschloss:

„Dann werde ich sie suchen.“

Inzwischen war Saleika mit Fürst Veach verheiratet worden.

Obwohl es dem Fürsten gut ging, musste Saleika für ihn arbeiten. Seit ihrem vierzehnten Lebensjahr lebte sie dort. Sie töpferte Schalen und ritt ins Dorf Amba, um ihre Waren zu verkaufen.

Um eines Tages fortgehen zu können, hatte sie Stück für Stück wertvolles Besteck mitgenommen und es zwischen zwei Bäumen in einem Erdloch versteckt.

Prinz Fame ritt auf der Suche nach Saleika ins Dorf Hurd. Dort traf er ihren Vater, der als Bettler am Straßenrand saß.

Der Vater erzählte ihm, dass auch er sie suche. Sein schlechtes Gewissen lasse ihm keine Ruhe, weil er zugelassen hatte, dass Fürst Veach seine Tochter heiratete.

Der Prinz sah ihn entsetzt an.

„Warum?“

„Das Warum ist mir unwichtig geworden“, antwortete der Vater bedrückt. „Es gab viele Gründe, die mir jetzt alle unwichtig sind.“

Der Prinz glaubte ihm. Von da an suchten sie gemeinsam nach Saleika.

Auf dem Markt von Amba, so hörten sie, solle sie oft sein.

Gemeinsam ritten Prinz Fame und König Side nach Amba. Endlich angekommen, gingen sie durch den Markt.

„Da! Dort ist sie – Saleika!“

Prinz Fame blieb stehen und gab König Side einen Rempler. Dieser schaute hinüber.

„Ja“, sagte er leise, „das ist sie.“

Langsam gingen sie auf ihren Stand zu.

„Saleika!“, sagten beide wie aus einem Mund.

Sie sahen sich an – und für einen Moment sagte niemand etwas.

Saleika packte ihre Sachen zusammen. Ihr Vater nahm das Bündel an sich. Dann umarmte sie ihn. Sie war ihm nicht böse – sie wusste, dass er sie liebte.

Prinz Fame half ihr aufs Pferd.

Unterwegs erzählte sie von dem vergrabenen Besteck. Gemeinsam ritten sie zu der Stelle und holten es aus der Erde.

Sofort kehrten sie ins Dorf Hurd zurück. Dort kannte ihr Vater einen Käufer.

Das Gasthaus öffnete gerade, als König Side und Prinz Fame ankamen.

König Side schaute sich um. Der Kellner deckte gerade die Tische. In der Mitte des Raumes stand ein ovaler Tisch, rechts daneben befand sich eine schmale Tür. Der König ging auf die Tür zu, öffnete sie, schaute kurz hinein und schloss sie wieder. Dabei stolperte er und fand sich unter dem Tisch wieder. Das gesamte Besteck fiel aus dem Beutel heraus.

Der Besitzer des Gasthauses erkannte sofort den Wert des Bestecks. Es ging alles sehr schnell – er kaufte das Besteck.

König Side ritt allein zu Fürst Veach und verlangte seine Tochter zurück.

„Was gibst du mir dafür?“, fragte der Fürst kühl.

König Side legte ihm den Beutel mit den Goldstücken vor die Füße – und ging.

Kurz darauf ritt er zurück und kam fast gleichzeitig mit den beiden an.

Der Vater wollte erneut fortreiten, doch seine Tochter bat ihn:

„Vater, bleib hier.“

Und er blieb.

Als sie schließlich alle vereint waren – Prinz Fame, Prinzessin Saleika, König Side und König Sinan – fragte sich der Prinz, wie es nun weitergehen solle.

Da sagte Saleika:

„Wir gehen auf den Markt. Wir verkaufen Tonschalen, Gemüse aus dem Garten – es wird weitergehen.“

„Ja“, stimmten alle ein.

König Sinan freute sich, denn nun konnte er mit König Side Schach spielen. Und auch Prinz Fame und Prinzessin Saleika hatten sich wiedergefunden.

Und so lebten sie glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Der vergessene Schlaf des verschlafenen Buches

Horrorgeschichte für Erwachsene  🌑  Ich bin Sena. Befinde ich mich in einem Alptraum – oder bin ich schon wach? Ich träume ein riesiges Buc...